Dienstag, 16. April 2024

Die Rache der Fledermaus Premiere

oder in der Komischen Oper jagt eine Premiere die andere

Gefühlt sitze ich nun fast wöchentlich im wunderschönen Saal der Komischen Oper, denn nach La Cage aux Folles durfte ich letzten Freitag die Neuinszenierung oder wohl eher das Gastspiel des Casinotheaters Winterthur erleben. Und im Gegensatz zur Inszenierung von Walter Felsenstein, der mit diesem Werk das Haus nach dem Krieg 1947 eröffnete, mit deutlich weniger Plüsch, Bühnenbild und viel mehr Geschwister Pfister. Aber eben auch einem Stefan Kurt, der mich mit seinem “kaltschnäuzigen” Humor direkt nach der Pause unglaublich unterhalten hat. Allein für diesen Break auf Hausmeister Niveau muss man Die Rache der Fledermaus einfach lieben. Der Inhalt ist mehr oder weniger runterzubrechen auf Wörter wie: Seitensprung, Lug, Betrug und Scheinheiligkeit. Quasi wie die gesamten Inhalte der Privatsender im TV. Irgendwie gehts seit tausenden von Jahren immer um das gleiche Problem – die Lust auf mehr frohlockt an jeder Ecke aber Schuld sind immer die anderen. Gespielt wird in wild zusammengestelltem Mobiliar aus etlichen Epochen das gern auch mal verkehrtherum benutzt wird um neue Spielorte zu suggerieren. Ich will damit sagen… man braucht schon Fantasie um zu erahnen in welcher Szenerie man sich gerade befindet.

Wunderbar wild und gleichermaßen sehr improvisiert scheinen die Choreografien an mancher Stelle – wobei das in dem Fall als positiv zu werten ist denn Die Fledermaus von Johann Strauss lebt einfach von der Irrwitzigkeit des Stückes. Und so war es nicht verwunderlich das einige Herrschaften in der Pause am Getränketrog mit den vergangenen ersten Halbzeit ihre Probleme hatten. Die beste Verwirrung war allerdings das es manch einem im Foyer offenbar nicht von Anfang an klar war das Christoph Marti aka Ursli Pfister in die Rolle der schönen Rosalinde nicht wirklich zu den holden Damen gehörte. Eine Aussage “ist das etwa ein Mann?” verzückte meine Ohren und wäre ich im Fummel da gewesen hätte ich mit dunkler Stimme geantwortet: “Tatsächlich gibt es sowas überall – sehen sie sich vor” :) – doch ohne Kleid und Makeup genoß ich einfach nur den Moment. Die Komische Oper macht eben auch deshalb so viel Spaß weil sie immer wieder bricht mit dem Standard und selbst so ein opulenten Klassiker aufräumen kann ohne dabei den Charme und die Wildheit des Stückes zu untergraben auch wenn es in der ersten Hälfte manchmaaaaaaaaaaaal doch etwas klamaukig daherkommt – aber das kann man ja schon fast als Hommage an einen Harald Juhnke Witz verstehen :) … Doch kann reisst Stefan Kurt die gesamte Produktion an sich. Als Hauswart betritt er die Bühne und zelebriert 10 Minuten lang eine Soloshow die dem gesamten Abend plötzlich erneut eine komplett andere Stimmung verleiht. Von da an liegt man dauernd auf der Lauer um eben auch seine Rolle als Hauswart des Gefängnisses zu verfolgen. Ständig auf der Suche nach einem kleinen Schuß Hochprozentigem und in bester Theo Lingen oder Stan Laurel Manier. Auch hier hörte ich nach der Premiere Stimmen die das kritisierten aber für mich war es tatsächlich die große Kunst des Slapstick.

Alles in allem gab es zwar keine Standing Ovations bei der Premiere, bis auf die eine Flöte die mir die Bilder vom Curtail Call versaut hat :) , aber dennoch war es für uns ein wunderbar vergnüglicher Abend der mich darüber nachdenken ließ, in welcher Form ich meine nächste Rache mal zelebrieren werde. Ehrlich gesagt hab ich mich noch nie wirklich an jemand gerächt aber was nicht ist kann ja noch werden. Ein paar Kandidat/innen würden mir sogleich ins Hirn schießen. Wer noch Glück hat findet ggf. noch Restkarten auf der Webseite der Komischen Oper Berlin.

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