Donnerstag, 30. Mai 2024

Barrie Koskys – La Cage aux Folles Premiere

oder so viel Glitzer schlägt einem die hohen Hacken unter den Füssen weg

Ein Käfig voller wundervoll bunter Narren mit grandiosem Bühnenbild von Tom of Finland nach dem immernoch tollem Buch von Harvey Fierstein. Leider habe ich die Inszenierung im Theater des Westens von und mit Helmut Baumann damals verpasst. Umsomehr war ich entzückt als ich im Programm erlas wer in der Rolle der Jacqueline in Stöckel über die Bühne schwebte. Genau … der einzig wahre Helmut Baumann. Was für ein Fest … was für eine Tribut an den Mann der seine Erstaufführung nach Berlin 1985 brachte. Allein dieses kleine Detail hat mich wirklich emotional gepackt und glücklich gemacht. Aber natürlich auch die Besetzung von Andreja Schneider und die vielen tollen tänzerischen Rollen in wunderbar plünschigen Kostümen. Ein grandioses Detail war für mich das die Glitzerschlüpper über den Strumpfhosen getragen wurden und die gemusterten Netzstrumpfhosen dabei etwa in Höhe des Beckens endeten. Aber es gab einfach noch viel mehr liebevolle Details in dem super kurzweiligen Stück und auch so viele Gänsehaut Emotionen. Spätestens bei dem Solo von Zaza »Ich bin, was ich bin und was ich bin, ist kein Geheimnis« lief mir einiges über den Rücken – wobei vielleicht war auch der arme Mann der in der Reihe hinter mir saß und wahrscheinlich nur die Hälfte sah durch meine Federn aufn Kopp… :) … an dieser Stelle muss ich zu meiner Verteidigung sagen ich versuch mich immer schon so klein zu machen wie es geht – allerdings war es am vergangenen Samstag aufgrund meiner Bandscheibe nur bedingt möglich.

Doch zurück zu dem mit so viel Liebe inszenierten Stück das gerade in diesen Zeiten laut schreit: Sei wir DU sein magst und sei STOLZ darauf. Versuche nicht deinen Mitmenschen zu gefallen und setze Dich gegen die rückwärtsgewandte Politik und Einstellung vieler Länder ein ! Dazu gehören nicht nur die östlich gelegenen Staaten. Nein auch erzkonservative Lager in den westlichen Staaten wollen den Besuch von Travestie/Dragtheatern für Jugendliche unterbinden weil die Art unserer Kunst ihre moralischen Einstellung “zerstören” könnte. Immer wenn ich sowas lese möchte ich genauso rumschreien wie die Akteure im imaginären Backstage auf der Bühne der Komischen Oper Berlin.

Wir leben wieder in Zeiten von Aggressionen, Zukunftsängsten und dem Umstand das nicht konservative Werte als pervers und falsch abgestempelt werden. In Zeiten in denen sich Menschen mit all ihrer Kraft gegen die Integration von Minderheiten stellen – weil es ja NIE SO WAR und wir bitte bei der Tatsache bleiben sollten das es nur Männlein und Weiblein auf diesem Planeten gibt. All diese Diskussionen werden mit so viel Gewalt geführt und gefüllt, das es einfach wunderbar ist wenn man knapp 3 Stunden lang sieht, wie die Liebe auf der Bühne letztendlich siegt und selbst die verblendetsten Menschen erkennen das Familienpakete nicht ausschließlich aus Vater-Mutter-Kind bestehen. Nach Minutenlangen Ovationen ging es dann auf die Aftershowparty im ersten Stock des bald in Renovierung befindlichen Hauses und es durfte nochmal der Putz und die Patina von der Decke und den Wänden gefeiert werden. Was für eine grandiose Inszenierung die – und da bin ich mir ziemlich sicher – sich nicht hinter dem Ursprung aus dem Theater des Westens verstecken muss. Danke Barrie Kosky für diesen wunderbaren Abend voller Herzschmerz, Glitzer, Federn und Liebe !

Tatsächlich gibt es in den kommenden Monaten noch ein paar Restkarten, die Ihr auf der Webseite der Komischen Oper Online noch schnell reservieren solltet… denn dieses bunte Abenteuer ist einfach Balsam für die Seele.

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