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Größenwahn und Kindergärten in der subkulturellen Kleinkunst

oder wenn zwei sich streiten verliert manchmal die Dritte

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Immer öfter treffe ich in diesen subkulturellen Szenen auf Starallüren und Kindergartenmanieren. 2015 scheint wohl ein besonders tragisches Jahr für diese Eigenschaften zu sein, denn einmal mehr zeigt sich, das ein gemeinsames Miteinander immer vom schnöden Mammon unterwandert wird. Herauspicken könnte ich jetzt eine Zusage aus der Welt der Zweithaarträgerinnen aber da würde meine Emotionalität den Artikel noch subjektiver entgleiten lassen. Deshalb bleibe ich bei den harten Fakten, die sich gerade in der Burlesqueszene mal wieder abspielen. Seit nunmehr 9 Jahren hat der Veranstalter Chaz Royal alias Mark Henderson ein Festival etabliert, das sich sehen lassen kann. Von Jahr zu Jahr wurde es größer und ist nunmehr bei 16 Tagen am Stück angekommen. Ich behaupte einfach mal – eigentlich grosses Kino. Natürlich kann man sich auf so eine Leistung einiges einbilden aber man darf auch nicht vergessen, das der Erfolg nicht alleine vom eigenen Tun abhängt, sondern das die Leidenschaft der Szene und der Wille der Gemeinschaft sein Teil dazu beigeträgt.

Denn wenn man die Tage im Mai nach London fährt, dann sieht man keine Strassenzüge voller Plakate, kein LED Großbildleinwände mit Teasern, keine Walking Acts auf der Oxfordstreet. Der gemeine Tourist wird angefixt von der Musical und Theaterszene, die London berühmt gemacht hat. Burlesque und Variete sind dabei kaum spürbar. Mundpropaganda und der noch anhaltende Trend der sozialen Netzwerke hilft dem „kleinen“ Kulturschaffenden, seine Worte in die Welt hinauszuposaunen und auch hier ist es die Vielzahl derer, die sich die Zeit nehmen, das „Wort“ zu teilen – denn Reich wird man von Festivalauftritten nicht wirklich. Soviel ist sicher!!. Natürlich hatte der Veranstalter aus Londin nun auch die Idee, den neu aufkommenden Trend des Boylesque wieder verstärkt einzuflechten und an dieser Stelle meldete sich dann ein Anwalt zu Wort, der die Markenrechte im Auftrag seines Klienten aus Wien vertritt. Wien.. genau.. die Stadt von Conchita Wurst, dem LifeBall und natürlich dem jungem und grandiosem Boylesque Festival. Der Gatte und Performer Jacques Patriaque hatte sich letztes Jahr den Namen gesichert und weil die „normale“ Gesellschaft sich NULL mit der Burlesqueszene beschäftigt, ging dieses Markeneintragung offenbar europaweit durch. Ein Beispiel dafür wie Wurscht unsere kleene Community im großen und ganzen ist. Wenn irgendwer auf die Idee kommen würde das Wort „Stripper“ zu sichern, wären sicherlich mehr Bedenken auf dem Amt zu spüren. Egal.

Nun kam es wie es kommen musste. Trotz offizieller Klarstellung aus Wien, das man die Community nicht monitär abzocken will, aber die Marke auch nicht wieder austragen möchte, fing London an die Performer auszuladen, weil man „uniquen content“ wünscht. Öhhhm.. bitte was haben die Darsteller mit einem Copyrightstreit zu tun? Natürlich kann ich Mark verstehen weil er sein älteres Business in Gefahr sieht – doch mal ganz ehrlich:
1) interessiert es keine Sau wie das Wort „Boylesque“ geschrieben wird,
2) wird so eine eingetragenes Wort im schlimmsten Fall einem Widerspruch nicht standhalten (ich hab da so meine Erfahrungen),
3) finde ich es eine bodenlose Frechheit – eine gegebene Zusage unter diesen Umständen wieder zu lösen (und dann noch zu lügen…)

Das unangenehme an dieser Situation ist, das mir unglaubliche viele Performer in der Vergangenheit komische Dinge über die Machenschaften des London Burlesque Festivals gesteckt haben und ich habe die letzten 5 Jahre immer zurückgewunken und behauptet – das das alles nicht sein kann und man sich immer auf Chaz Royal verlassen kann. So kann man sich irren. Meine Tage auf dem London Burlesque Festival scheinen damit gezählt – denn natürlich lass ich diesen Artikel in Englisch über mein Netzwerk laufen – denn einmal mehr bin ich ziemlich angepisst. Ach und… hatte ich erwähnt das ein BESUCH auf dem 2. Boylesque Festival in Wien ein absolutes Muss ist? Nein…. dann reserviert Euch jetzt die Tickets denn am 15.5. bin auch ich im tollen Stadtsaal auf der Bühne und das zwischen all den tollen Jungs :)

ERGÄNZUNG … langsam nimmt die Geschichte weiter Fahrt auf. Nun heißt es plötzlich vom Veranstalter aus London, das er niemals vor hatte mich beim diesjährigen London Burlesque Festival 2015 zu setzen. Ich frage mich allerdings warum ich dann am 9.2. eine Mail bekam mit dem Wortlaut „CONGRATS… YOU’RE IN“ bzw. „feel free to announce you made it in“… und eine im Anschluss stattfindender Mailausstausch zum Thema: Welcher Tag denn passt. Leider hab ich in diesem Mailverkehr mit dem Veranstalter des London Burlesque Festivals zwischendurch meine Nominierung in Wien erwähnt… Shit happens…

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QUEERLESQUE Mag ist das Magazin für Kultur und Burlesque Lebensart aus Berlin. WIr möchten einen subjektiven Überblick über die Vielfalt der Kultur in Berlin und Deutschland vermitteln. Internationale Burlesque Events und Vaudeville Kultur stehen dabei genauso im Fokus wie Travestie und jede Art der queeren Abendunterhaltung. Seit 2006 findet ihr hier gut gemeinte Ratschläge, kulinarische Tipps und Entdeckungen aus meinem bunten Berlin :)
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