Do. Okt 17th, 2019

Der Hype um den Berliner Mauerfall

oder Jubel aus der Retorte

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25 Jahre sind vergangen seit die Berliner Mauer das zeitliche gesegnet hat und damit die Trennung Berlins aufgehoben wurde. Zu der Zeit war ich noch Schüler und konnte überhaupt nicht ermessen was es bedeutet NICHT mehr in einer geteilten Stadt zu wohnen – schliesslich hab ich meine ganze Kindheit damit verbracht auf eine Betonmauer zu starren und scheinbar echtes Schwein gehabt zu haben, auf der „richtigen“ Seite geboren zu sein (zumindest dachten wir das damals)…

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Die Entwicklung war abzusehen, doch eine so rasche Maueröffnung überraschte und natürlich war für unsereins nicht mehr an Schule zu denken. Welch Glück das mein Oberstufenzentrum direkt nahe der Bernauer Strasse / Böse Brücke lag und der Fussmarsch überschaubar blieb. Doch tatsächlich stand ich mit Schulkameraden genau dort wo die Trabbis plötzlich die Mauer durchquerten. Im ersten Augenblick war es eine skurile Situation. Auf Witzchen folgte Staunen, auf Überraschung das Gefühl an einem geschichtsträchtigen Ort zu stehen. Und ja… es war ein besonderer Moment – aber auch ein schulfreier Tag ;)

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In den zehn Jahren in denen ich herausragende Events besucht und erlebt habe ist mir allerdings eines immer wieder klar geworden. Es ist unmöglich diese besonderen Augenblicke zu wiederholen. Meistens kommen sie unerwartet – sie springen einem von hinten in den Nacken und versüßen einem das Leben. Doch dann kommt die Gier, dann will man am besten noch mehr von diesen süssen Augenblicken kosten – und strebt nach Wiederholung… teilweise um jeden Preis. Nicht ein einziges Mal durfte ich ein Reload dieser Art erleben.. niemals hat es geklappt, das ein besonderes Ereignis mit der gleichen Emotion, mit der gleichen Besonderheit und mit dem gleichen Nachwirkungen wiederholt werden konnte. So ging es mir auch an dem Abend zum Jubiläum des Mauerfalls. Gefühlt war die ganze Stadt auf den Beinen – verkehrschaos pur. Die Bernauer Strasse glich einer eingekesselten Loveparade und wir alle wissen was damals dort passierte. Eng an eng standen die Menschen um zu sehen wie ein paar dämliche Ballons in den Himmel steigen. Ick meine nichts für ungut.. die Idee war toll.. und auch die Umsetzung gelungen aber die Organisation an den Ballungszentren eher schwierig.

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Natürlich hätte ich mich nicht in so einen Brennpunkt begeben müssen … ick wees ditt… aber schließlich war es der gleiche Ort und auch wenn ich aus Berlin komme, so ist die Bernauer Brücke nicht gerade meine tägliche Strecke. Eingefercht in der Menge sprang mir die Ernüchterung ins Gesicht – und wollte mich nicht mehr loslassen. Aus Ernüchterung entwickelte sich (Platz)Angst und aus dieser wuchs Ärger = Stress. Im Nachgang wuchs dieser Stress = Ärger ins unermessliche weil wir feststellten, das wir auch noch beklaut worden sind. Solch Massenveranstaltungen sind eben das Mekka für Taschendiebe und Wegelagerer und das schon seit Anbeginn der Zeit. Insofern gibt es doch noch eine Konstante im Eventbereich und die sagt mir, das ick dem 50zichsten Jubiläum lieber fern bleibe und statt dessen eine 25 Jahre alte gute Flasche Wein köppe und mir das Treiben auf 90Zoll in HD curved 4D super definition whatever antue… bzw. vielleicht sind wir in 25 Jahren alle virtuell gecloned und wandeln sowieso nicht mehr selber durchs leben… Who knows…