Freitag, 9. Dezember 2022

Blond(e)

oder ein Netflix Film zum abschalten

Mittlerweile hab ich mit unzähligen Menschen über den neuen wohl gemerkt fiktionalen Film über das Leben von Marilyn Monroe gesprochen und nur die wenigsten haben es geschafft überhaupt die ersten 30 Minuten zu überstehen. Die meisten haben einfach nur genervt aufgegeben und leider muss ich sagen … zu recht. Tatsächlich war mir bewußt das es sich dabei NICHT um eine echte Documentary handelt und dennoch habe ich mich sehr auf den Release gefreut, da der Trailer dann doch viele echte Lebensabschnitte von MM beleuchet hat. Und diese sahen tatsächlich toll aus. Großartig besetzt und wirklich gut gespielt. Überhaupt ist das wahrscheinlich der einzige Pluspunkt an diesem Film. Blonde nervt, springt durch verschiedene Farbwelten und Formate und möchte mit aller Kraft als Kunst verstanden werden. Aber neeeee…. das ist in meinen Augen leider ziemlich schief gelaufen. Im Grunde würde mich auchmal interessieren wie man auf die Idee kommt als Buchautorin einer Ikone aus dem echten Leben diese Fiktionen anzudichten. Was treibt einen an… welche schlimmen Erlebnisse hat man selber durchmachen müssen um es in so einem Buch zu verarbeiten und dann eine andere Person vorzuschieben, nur um es “spannender” zu machen? Darauf werde ich wohl nie eine Antwort bekommen und vielleicht will ich das auch gar nicht.

Aber nochmal sei erwähnt das Ana de Armas als Marilyn Monroe hervorragend besetzt ist und auch Arthur Miller und all die anderen Wegbegleiter von MM sahen sehr authentisch aus. Viele Settings wurden exakt nach den Filmvorlagen inszeniert und es wurde viel Liebe ins Detail investiert. Man könnte meinen das selbst die herumliegenden Arbeitstasche für Herren irgendwie aus der Originalzeit geflogen kam. Mal abgesehen von diesen ganzen Dingen erschließt es sich mir nicht warum Netflix für diese Produktion Geld geopfert hat. Vielleicht hat auch der Streaming Dienst etwas anderes erwartet oder wollte bewußt diesen Shitstorm provozieren um mal wieder im Fokus zu stehen. Ich hingegen habe die Befürchtung das am Ende der fiktionale Hintergrund kaum noch wahr genommen wird und ein Großteil der Netflix Konsumenten diesen Streifen heranziehen um eine Künstlerin kennenzulernen, die einfach viel mehr war als das bis aufs nackte Fleisch runtergebrochene Beispiel einer Hollywoodsterns auf Abwegen. Auch bin ich gespannt wie sich die Fiktion des Films langfristig auf den Ruf von MM auswirkt – denn schließlich wirkt der FIlm dann doch wie ein Biopic … nur eben ein sehr grausames. Ich sehe schon die ersten Aufsätze von Schülern die diesen Film als Quelle heranziehen.

Persönlich glaube ich schon das Marilyn eine durchaus gespaltene Person war. Im übrigen geht das den heutigen Influencern ebenso die schnell und unwirklich in den Himmel geschossen werden. Sie schaffen es kaum noch ihre Privatsphäre zu schützen und gehen daran irgendwann kaputt. Die Gerüchte um den Tod von Marilyn halten sich nach wie vor und wahrscheinlich werden wir als Herdenvieh niemals die ganze Wahrheit über die Verstrickungen mit den Kennedys erfahren. Eines kann man aber mit Gewissheit sagen. Erst wird eines Ihrer unwiderbringlichen Relikte mißbraucht und teilweise zerstört um auf einer Gala im Rampenlicht zu leuchten und dann haut jemand so einen Film raus. Man könnte meinen in unserer Zeit ist nichts mehr heilig … und die wirklich großen Hollywood Diven werden jetzt wohl langsam endgültig beerdigt. Bei diesem Gedanken bleibt mir nur noch meinen Rechner in die Laptoptasche zu packen und zu beten das ich mich irre… Ach und natürlich schnell nochmal Ihre persönlichen Aufzeichnungen zu lesen, die es mittlerweile als gebundenes Buch gibt und natürlich einen meiner Lieblingsfilme mit ihr zu schauen…. Manche mögens eben heiß und nicht demoralisierend.