Montag, 20. September 2021

2. Gemeinsam Bunt LSBTI Benefizkonzert 2021

oder der wahrscheinlich bunteste Sonntag seit langer Zeit

Berlin will Vielfalt, Berlin will Toleranz, Berlin will sexy sein… aber die Realität sieht leider anders aus. Berlin wird immer mehr zu einem Ort der Grabenkämpfe sowohl auf der politischen Bühne als auch auf den Strassen. Die Medien zeichnen ein Bild von überforderter Innenpolitik in Bezug auf Corona, angriffslustigen Bandenclans und aggressiver Polizeigewalt. Menschen aus anderen Teilen der Republik sehen Berlin als einen gefährlichen Ort an und fragen mich tatsächlich welche Gegenen sie meiden sollten und ob es empfehlenswert ist nach 20Uhr noch auf den Strassen unterwegs zu sein (und das nicht nur einmal…).

Dagegen stand am Sonntag die Veranstaltung #gemeinsambunt in der Komödie im Schillertheater, die zum zweiten Mal den Versuch gestartet hat, das Bild der dunkelblauen, manchmal auch braunen Polizei Berlin Brandenburg mit dem Regenbogen zu colorieren. Und ich nehme mal vorweg und das obwohl ich anfangs wirklich skeptisch war… ich finde das haben sie gut hinbekommen. Ich hatte an dem Abend tatsächlich das Gefühl, das es innerhalb der Organisation “Polizei” Menschen gibt, die alles dafür tun um Opfern von homo- und transphober Gewalt zu helfen. Eine Aussage stand dabei zentral im Mittelpunkt. Wenn man Opfer von Hass und Dummheit geworden ist, dann sollte man, egal wie sehr die Situtation eskaliert ist, Anzeige erstatten. Ich fand diese Aussage wirklich spannend, denn auch ich hatte in der Vergangenheit Berührungen mit Idioten und habe es tatsächlich nicht getan. Sogar an diesem Abend, beim überqueren der Otto-Suhr Allee konnten es zwei geistig tiefergelegte Mercedes AMG Fahrer nicht lassen mir im vorbeifahren den verbalen Huhrensohn dazulassen. Ich frage mich an dieser Stelle immer was solche Menschen umtreibt – ist es die Mutter, die bei der Erziehung versagt hat, der Vater der als Alkoholiker nie da war oder einfach die fehlende Intelligenz ? Denn ich bezweifle das es die Religion so gelehrt hat.

Doch kommen wir mal zum Geschehen auf der Bühne. Natürlich wurden viele Reden und Danksagungen zelebriert und an mancher Stelle hatte man das Gefühl, das gleiche gerade eben schon gehört zu haben. Und ja auch das Gefühl “hier macht jetzt aber jemand Wahlkampf” konnte ich nicht unterdrücken. Darüber hinaus fiel mir das Wort DANK einfach zu oft in den oftmals abgelesenen Reden, aber genug der Kritik, denn es gab wirklich tolle musikalische Momente. Allein schon dieses unglaublich riesige Landespolizeiorchester Brandenburg, das fast die gesamte Bühne des Schillertheaters füllte und einen großartigen Job machte war es Wert dieses Konzert zu besuchen. Mit dem Orchester traten dann so wunderbare Künstler wie Michael Heller, mit einer sensationellen Version von “This is me” oder Lars Redlich, der mich mit John Miles “Music” und vor allem mit einem James Bond Medley wirklich begeisterte. Auch Lucy van Org, Nico Gaik, Antje Rietz und Ihre Trompete und eine eingespielte Rede von Marianne von Rosenberg waren Teil des Abends. Der stimmlich ganz große Auftritt kam dann ganz zum Schluß mit der No Angels Sängerin Nadja Benaissa. Soviel Soul hatte ich nicht erwartet und meine Haut auch nicht… die darauf mit einem gern gesehenen Ausschlag reagierte: Dauergänsepickel. Am Ende war es eine gelungene Gala deren Erlös einigen gemeinnützigen Projekten zum Thema LGBTIQ+ Gute kommt.

Zusätzlich war es natürlich wunderbar “alte” Bekannte wiederzutreffen und über die Zeiten zu plaudern, die vor Corona lagen, denn man darf bei all der Charity nicht vergessen – die zahlenden Gäste kommen nicht nur um die Reden zum Thema Gewalt, Hass und Intoleranz zu hören sondern um sich den Geist und die Seele mit schönen Stimmen und Melodien erhellen zu lassen. Und wenn ich mir dann auf der Zunge zergehen lasse mit welchen Problemen die Künstlerkollegen zu kämpfen haben, die ich an dem Abend sprechen durfte, dann meine Lieben, frag ich mich immer wieder was wäre diese Stadt oder dieses Land, ja sogar diese Welt ohne uns bunte Künstler? Genau… sie wäre nicht #gemeinsambunt !