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Die Wiederholungs-Premiere von Mary Christmas Weihnachtsshow ohne viel Klimbim

oder Advent, Advent ein Travestiestar brennt ….

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Da war sie nun.. die Grand Dame der Travestie, eine Künstlerin bei der sich Veranstalter und Spielstätten immer über ein volles Haus freuen können und dazu noch in meinem geliebten Admiralspalast. Ich bin auf meiner Reise die „Großen“ der Travestie kennenzulernen zwar kein Stück weitergekommen aber zumindest gesehen hab ich sie jetzt mal live…. irgendwie erinnert mich der Beitrag an meinen Besuch auf der Pariser Dita von Teese Show… anyway…..  Da diese Veranstaltung ein Wiederholung aus 2007 war, war die „Premiere“ auch eine wenig zurückgenommen und Frl. Morgan sah sich nicht im Stande dem Besuchervolk ein paar Appetithäppchen in Form Ihrer Anwesenheit zuzuwerfen – dabei gäbe es schon die ein oder andere Frage die ich Mary Morgan gern gestellt hätte. Ditt is immer so… das gehört einfach dazu …. kennt Ihr doch oder?.. so belangloses Blablabla, das ein Künstler über sich ergehen lassen muß und dabei immer freundlich lächeln sollte *lol* … also ick kenn das nur zur genüge und bin lange nicht den Stand einer Mary Morgan.

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photo © Udo Sicker, Radio Paradiso wollte unbedingt eine Meinung.. und war aber unseren frechen Aussagen nicht gewachsen 😉

Das Publikum war allerdings eher gereifter Natur…. Warum gehen so viel ältere bis alte Menschen so gern zu Mary? btw… ich definiere alt relativ… in vielerlei Augen bin ick ebenfalls ’ne Travestie Großmutter – doch wie auch Mary kenne ich das Geheimnis des Jungbrunnens. 😉  Egal…. Warum wird die Bühnentravestie von Georg Preusse alias Mary so anerkennend bewundert während Alltagstravestie immer noch auf großen Widerstand stößt. Nun ich hab meine Eindrücke gewonnen und versuche hier mal subjektive Gründe zu formulieren.

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1. Mary lässt kein Zweifel daran, trotz perfekter Illusion, das „sie“ ein „er“ ist, das macht es der älteren Generation einfacher zu verstehen warum sie das tut…
2. Mary trägt unglaubliche Roben auf der Bühne… so viel Glamour verzückt jeden triesten Seniorenalltag um eine vielfaches – allerdings nicht nur deren Alltag.. auch ich war extrem verzückt vom geschneiderten Luxus.. vor allem ein rotes Pailettenkleid ganz im Stile von Jessica Rabbit hat es mir angetan. 😉
3. Mary reitet mit Vorliebe auf Männern rum… also im übertragenen Sinne natürlich… über das Privatleben von Georg wird hier nicht spekuliert!…. sie hebt die Vorurteile der männlichen Denke hervor und spitzt diese zu… teilweise bis unter die Gürtellinie. Aber hey.. Mario Barth macht das auch und füllt damit sogar das Olympiastadion … nur eben umgekehrt. Außerdem als Mary das erste Mal auf der Buhne stand da hat Mario noch mit Buddelformen lustige Formen im Sandkasten geformt somit ist sie sozusagen eine der Vorreiterinnen des heutigen „Comedy“ Hypes.
4. Mary geht 100% auf die ältere Zielgruppe ein…. mit Liedern auf Deutsch die einladen zum mitmachen/mitklatschen.

Frl. Morgan ist eine Legende der Travestie, niemand hat es Ihr jemals gleich machen können aber da jede Legende irgendwann von uns gehen wird, denn wer will schon einen zweiten Heesters auf der Bühne sehen,  war es mir ein Genuß sie am gestrigen Abend nochmals live zu sehen. Stellt sich mir jedoch die Frage… was kommt danach? Wer wagt es in die Fußstapfen der Beautyface Award Gewinnerin zu treten? Kann und will das überhaupt jemand? Wird mit dem Wegsterben der Generation 60+ auch der Wunsch sterben Travestie auf der Bühne sehen zu wollen? Viele der kleine Travestie Theater füllen nichtmal ansatzweise große Hallen. Im Gegenteil … viele Künstler leben von der Hand in den Mund… hier mal ein Auftritt, da mal eine kleine Rolle und dort mal ein Fotoshooting… doch keine der vielen „Nachwuchs“-Künstler die ich in den letzten Jahren persönlich kennengelernt habe wird eine Bühne des Admiralspalastes betreten… geschweige denn den Saal voll bekommen. Ich glaube Travestie hatte zu Zeiten von Mary & Gordy eine Hochkonjunktur. Heutzutage werden viele als schräg abgestempelt wenn Sie im Fummel über die Bühne hopsen … nun gut… soviel Glamour haben auch die wenigsten. Kürzlich konnte ich einen tollen Bericht über Chris Kolonko auf TIMM sehen… die ebenfalls auf großen Bühnen vor „normalen“ Publikum entertaint.. vielleicht erwische ich sie wenigstens irgendwann demnächst mal persönlich.

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Doch zurück zur Show. Ich kannte Mary Christmas aus dem Fernsehen… und war von der ersten Halbzeit .. na sagen wir … verhalten beglückt. Klar ist ein Liveauftritt immer netter als die Glotze aber so richtig Euphorie kam bei mir nicht auf. Vielleicht lag es an der Entfernung zur Künstlerin… ich hätte gern den Spruch von Mary gehört den ick abbekommen hätte wenn ick die erste Reihe verschönert hätte…. denn die erste Reihe wurde schön gebeutelt ….vielleicht hatte ich auch einfach mehr Donner erwartet der zum Beispiel das ältere Pärchen hinter uns um Ihren Schlaf gebracht hätte… was wiederum nicht nachvollziehbar war warum die jetzt eingepennt sind. Doch dann kam die zweite Hälfte… und ich hoffte wie bei den Geschwister Pfistern auf einen Paukenschlag. Es gab zwar keinen Paukenschlag aber zumindest wurden die Trommeln laut gewirbelt. Bessere Kostüme, bessere Lieder, spannendere Wortwitze. Mary legte nochmals ein paar Briketts drauf…. bis zu der Stelle wo das Frl. Morgan mitten auf der Bühne massakriert wurde. Quasi bei lebendigen Leib die Haut abgezogen .. dazu den Song „My Way“. Die Zerstörung einer Illusion konnte ich mir nicht antun – ich musste leider den Saal noch vor dem Entfernen des falschen Haupthaares verlassen. Vielleicht ist es ein Zeichen.. ein Zeichen das Marys Tage gezählt sind… leider! Das und die wunderbaren Outfits (an dieser Stelle mein großes Kompliment an die Kostümschneiderin) lassen nur ein Fazit zu. Karte kaufen und reingehen…. ich bedauere nach wie vor meine Absage an Johnny Cashs letzten öffentlichen Auftritt!!! ….

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