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40 Jahre Pulverfass – Deutschlands beständigstes Travestie Cabaret

oder eine bunter Haufen voller pailettenbesetzte Geschichte

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Es war schon immer mein Ansinnen all den Grand Dames der Travestiegeschichte auf den geschminkten Pelz zu rücken. Es gehört sich einfach jene zu respektieren, die sich ihr Leben lang für das eingesetzt haben, was wir heute unter Drag Entertainment verstehen. Zwar hat die heutige Falschhaar Generation eher Idole wie Ru Paul, die ohne Zweifel den Titel verdient hat, doch ich sehe auch in den heutigen „Travestieschlachtrössern“ bewundernswerte Persönlichkeiten, mit dem Verständnis für das Wesentliche im Umgang mit der Kunst des Frauendarstellers. Das kann man von manch bemalten Männern heutzutage nicht immer sagen ;) … Gestern nun feierte das Pulverfass Cabaret in Hamburg seine 40jährige Jubiläumsgala und das Schicksal wollte es, das ich nach all den Jahren im Fummel, nun zum ersten Mal das Theater besuchte. An dieser Stelle schreib ich immer das Hamburg definitiv immer eine Reise wert ist … und kann mir das diesmal auch nicht klemmen ;). Das Pulverfass, mitten auf der Reeperbahn (die ja nicht zu meinen liebsten Orten gehört – da oftmals sehr prollig), hat eine lange und natürlich auch bewegte Geschichte und selbstverständlich sind dort schon unzählige Kolleginnen und Künstler über die Bühne gestöckelt und darüber hinaus gewachsen – doch eine Jubiläumsgala ist selbst für die geübten Hasen etwas besonderes.

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Nachdem das Taxi meine Begleitung und mich (im übrigen war ich diesmal die Plus 1 :) – Lieben Dank an Martin) vor dem bunten Theater, das vor Jahren aus einem Kino mit zwei Säalen geklöppelt wurde, auslud, bemerkte ich schon, das man in eine Fangemeinde eintrat. Hier kannte irgendwie jeder jede oder jeden. Das Publikum weiseren Alters schätzt die Kunst der Verwandlung und ging bei jedem Schlager inmitten der Show ab wie ein Zäpfchen. Generell ist Hamburg wohl mit die berüchtigste Schlagerstadt. Deutschsprachiges Liedgut dominierte das Travestiefeuerwerk, was anfangs meine Ängste schürte, das mir hier 2 Stunden lang Pailetten, Federn und vor allem abgekaute Mary Morgan Witze um die Ohren geschlagen werden. Doch es kam anders… nach diesem typischen Kalauerstart, nahm die Show an Fahrt auf und präsentierte ein wirklich buntes Programm mündend in dem Gaststar Mary Roos. Nun ja… Mary Roos mag in der Schlager-Musikwelt eine herausragende Persönlichkeit sein, doch mein STAR war Ikenna Benéy Amaechi, auch bekannt als die wohl beste Whitney Houston Impersonatorin der Welt.

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Schon vor Jahren bei meinem ersten Besuch bei Ikennas Berlinshow verzauberte sie mich mit ihrer Stimme, ihrer Erscheinung und dem Charisma mit dem sie die Bühne komplett einnimmt. Auch diesesmal durchfloss mich eine Gänsepelle vom wohl frisierten Scheitel (Danke an Kitty von Udo Walz) bis zur hochhackigen Sohle. Selten hab ich eine so beeindruckende Darstellung einer Impersonation gesehen und freue mich jetzt schon auf das kommende Soulprogramm im Wintergarten Varieté in Berlin. Auch die Grand Dames Christina aus Amsterdam holte mich mit ihrem Repertoire der großen Diva Zarah Leander ab. Ihr Monolog über die Darbietung der immerwährend selben Klassiker klang allerdings ein wenig nach Rechtfertigung. Das wäre nicht nötig gewesen, denn alleine von der perfekt geklebten Frontlace Perrücke können sich einige Nachwuchstalente ’ne fette Scheibe abschneiden und von der Stimme sowieso. Das Duo Mc DragX waren ebenfalls zwei Kandidatinnen, die meine Bewunderung auf ihrer Seite hatten. Auch wenn der Name zwei Sparfüchse suggeriert, so gab es große Roben, Quick Change Performances und eine spannungsgeladene Bühnenshow, die das Publikum und mich bei Laune hielten. Und das mussten sie auch, denn das Pulverfass bot am gestrigen Abend eine Show mit Überlänge.

Ich hab mir sagen lassen, das dort 3 Stunden keine Seltenheit sind, doch zum Jubiläum haben sie locker nochmal 1,5 Stunden draufgelegt. Krass – und aus meiner Sicht nicht wirklich klug. Ich selber neige ja auch dazu, auf meinen Veranstaltungen gern mit Buchungen unterschiedlichster Künstler über die Stränge zu schlagen aber gestern hab ick echt Panik geschoben als es nach mehr als zwei Stunden hieß: „so… wir gönnen ihnen nun die wohlverdiente Pause und starten anschließend in die zweite Hälfte“. Als ich am morgen zuvor auf Facebook was von Travestie Overkill schrieb meinte ich eigentlich was anderes. Anyway … Ick hab die meiste Zeit genossen und konnte glücklicherweise mit Freunden, unter Ihnen so alte Pulverfass Hasen wie Joey Love aber auch neuen Bekanntschaften, die Zeit des Dauersitzens umgestalten. Das Fazit meines ersten Besuches im Pulverfass Travestie Cabaret in Hamburch ist dennoch wirklich dolle… es war ein riesiger Spass trotz Schlager ;), es gab ein wirklich, wirklich leckeres Flying Buffet Dinner, eine Megakuchenauswahl in der Pause und viele nette Gleichgesinnte – ja sogar Menschen die meine Art der Darstellung schon aus der Glotze kannten (ick fühle mich irgendwie jedesmal geschmeichelt und bin erstaunt – ditt is mir in Hamburg noch nie passiert – das ich an der Hotelrezeption Autogrammkarten unterschreiben durfte ;))  … dazu muß noch erwähnt werden das es bei manchen Pulverfass Shows im Gegensatz zum Burlesque am Ende keinen Raum mehr für Fantasie gibt, denn alles wird ausgepackt – und ich ich meine ALLES ;).

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QUEERLESQUE Mag ist das Magazin für Kultur und Burlesque Lebensart aus Berlin. WIr möchten einen subjektiven Überblick über die Vielfalt der Kultur in Berlin und Deutschland vermitteln. Internationale Burlesque Events und Vaudeville Kultur stehen dabei genauso im Fokus wie Travestie und jede Art der queeren Abendunterhaltung. Seit 2006 findet ihr hier gut gemeinte Ratschläge, kulinarische Tipps und Entdeckungen aus meinem bunten Berlin :)
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