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20 Jahre Bar jeder Vernunft – 10 Jahre Camping vor dem Kanzleramt

oder raus aus der Pubertät und dennoch keen bisschen Weise

Beim 10jährigem Jubiläum der Bar jeder Vernunft, logischerweise vor 10 Jahren, dachten sich die Betreiber des lustigen Berliner Kabarettzeltes, das seinen Platz auf einem Parkdeck gefunden hat, es wäre eine gute Idee extra für diese Veranstaltung ein noch größeres Zelt direkt ins Regierungsviertel zu stellen – jenau vor den Balkon der Landesleiter(innen). Ich kann nicht sagen inwieweit dieser mutige Schritt damals mit der Hoffnung verbunden war, das auch das TIPI am Kanzleramt 10 Jahre stehen bleibt. Für mich jedenfalls war es die Bar jeder Vernunft die erstmalig 1995 mit den Geschwister Pfistern meine ungeteilte Aufmerksamkeit und mein Herz eroberte. Der „March for Glory“ auf eben diesem Parkdeck im alten Westberliner Klüngel war (m)eine Inspiration, (m)eine Motivation und der ausschlaggebende Punkt für das was ihr heute hier seht. Ich bin mir nicht sicher ob Ursli Pfister damals schon wusste das der Einfluß der Figur die er verkörpert auch 20 Jahre später noch bestand hat *lool*…. ich kann jedenfalls sagen – er hat bestand.

Damals waren die Distel, die Wühlmäuse oder andere Berliner Kabaretts für mich keine wirkliche Alternative. Es lag einfach an der Auswahl der Künstler, das auch neben den Pfisters die Bar jeder Vernunft und später auch das TIPI fortan mein kulturelles Interesse förderten. Wunderbare Abende mit Georgette Dee, Cora Frost, Malediva,  Tim Fischer, Meret Becker, immer wieder den Geschwistern Pfistern und so vielen anderen folgten und verzauberten mit Humor, Emotion, Drama, Gesang und .. ja irgendwas unvernünftigen. Natürlich wurde ein Besuch im Spiegelzelt unzählige Male mit den berühmten Schnuckedönschen verbunden. Ditt sind belegte Pumpernickel dazu ein Fläschchen Wein und Live Entertainment inmitten einer intimen Atmoshäre mit Menschen die Lachen, Weinen, Grunzen, Schmatzen, Leben, Lieben, Stricken (ja das hab ich da auch schon gesehen). So etwas war, ist und wird immer einzigartig bleiben. Die Bar jeder Vernunft hatte jedoch immer noch eine Überraschung im Ärmel. 2004 wurde aus der Spielstätte für die bunte Kleinkunst, vorübergehend ein Musicalzelt. CABARET wurde geboren und dreimal hatte ich das Vergnügen dieses Stück zu geniessen. Burlesque meets Musical weit vor dem heutigen Neo-Burlesque-Wahn – lange bevor sich Frauen auf die heutigen Clubbühnen gestellt haben um sich ihrer Sachen zu entledigen – mal mehr mal weniger elegant. Und auch hier nahm die Bar jeder Vernunft ein wenig Einfluß auf das was heute eines meiner Markenzeichen sein soll und was meine Erscheinung prägt.

Ich mußte leider so weit ausholen um Euch zu vermitteln was mir der gestrige Abend bedeutete… was er in jeder Live Sekunde für Emotionen geweckt hat. Ich stand niemals auf der Bühne der Bar oder des TIPIs – dafür reicht mein bissl Kleinkunst leider nicht und dennoch war der gestrige Abend ein Dejavu. Ich fühlte mich fast jedem Künstler der gestern auf der Bühne stand so verbunden. Doch genug sentimentales Zeuchs aus der Vergangenheit, kommen wir zum gestrigen Abend… ein Abend dem ich einer Person zu verdanken habe – der ich an dieser Stelle meinen größten Dank zukommen lassen will. Sie hat für mich gekämpft und gewonnen – denn der Andrang war enorm. Trotz Jubiläumspreise hätten die Macher beide Zelte zusammenstellen und wahrscheinlich noch ein weiteres dazubauen müssen um die Anfragen zu bedienen. Die Plätze waren also knapp… dennoch bekam ich die Gelegenheit dabei sein zu dürfen, schnappte mir das Froilein Sandra Steffl und ließ sie mit mir diese Reise durch die Gefühlswallungen antreten.



Die Entertainerin der ersten Stunde, die wunderbare Froilein Schneider, moderierte mit viel Liebe zu Detail – Max Raabe, Georgette Dee und Cora Frost berührten mich emotional ganz tief… und der Spruch des Abends war: „Wir brauchen mehr Verrückte, schaut Euch an wohin uns die Normalen gebracht haben“ – wie wahr … wie wahr. Nach der wirklich wirklich emotionsgeladenen Show gingen alle über zum entspannten Teil des Abends. Es wurde gequatscht, erinnert, gelacht und auch sentimental beobachtet. So zum Beispiel konnte ich beobachten wie der wunderbare Otto Sander einsam und traurig durch das Vorzelt lief oder wie ein Udo Lindenberg NACH der Show auf ein Stippvisite reinschaute und sich mit diesem absolut angekotzten „Bodyguard“ schmückte, der der Meinung war, er wäre nun der wichtigste im Saale… furchtbar! Dabei gab es da Personen die hatten echte Bodyguards dabei, wie z.b. unser BürgerOberhaupt Wowi oder wie die einzigartige Gisela May oder Jazzlegende Rolf Kühn, der mir verriet das seine Zusammenarbeit mit Katherine Mehrling wiederholt wird :-). Aber natürlich genoß ich auch die einzigartige Romy Haag, die mir von einer neuen Platte erzählte oder Zazie de Paris die gerade im Moviemento Kino im Film „Kill me Please“ zu sehen ist oder die langen und tollen Talks mit Rolfe…  Ach ich könnte jetzt noch von unzähligen kleinen Anekdoten schwärmen – muß aber erstmal das erlebte selber komplett Revue passieren lassen. To make a long story short – es war einer der bewegendsten Abende in meiner queerkulturellen Geschichte und da ich weiß das ich als SHEILA WOLF nicht mehr das 30jährige erleben werde… wird es der einzige bleiben – obwohl meine Besuche in Berlins schönsten Zelten niemals enden werden.

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