Donnerstag, 19. Februar 2026

Rosa von Praunheim bleibt für immer…

oder ein bisschen Rosa steckt in jedem von uns.

Zu einer Beerdigung eingeladen zu werden gehörte in den letzten 23 Jahren nicht zu den Dingen die ich erleben durfte. Generell sind Friedhöfe für mich etwas unangenehmes und auch sehr kaltes im übertragenen Sinn. Noch nie hab ich eine Beerdigung erlebt die so gewesen ist wie ich sie mir vorstelle im Fall der Fälle. Bunt, laut, mit viel Kunst und noch mehr Spaß. Denn der Tod gehört zu unserem Leben und ich bin mir sicher die Person die gefeiert wird würde es lieben. Ich für mein Teil würde es sehr schätzen wenn die Trauer in guten Momenten kanalisiert würde. Und irgendwie hätte ich das bei Rosa auch gedacht. Ein Abgang mit einem Knall – laut und bunt. Doch es war still und leise, und dazu tatsächlich irrsinnig kalt. Rosas lieber Mann Oliver hat die Wünsche Rosas umgesetzt und eine Trauerfeier organisiert, die sich wenig nach dem Leben von Rosa angefühlt hat und doch war es schön zu sehen wie viele Menschen seinem Schaffen und seiner Person Gedenken – deutlich mehr als eingeladen waren.

Rosa von Praunheim schrieb mal…. “wenn Du unsichtbar bist wundere Dich nicht das Du getreten wirst” und vertrat immer eine ganz klare Linie: Sei Du selbst. Verstecken ist keine Option. Für mich damals eine absolute Maxime, denn auch als Hete versteckst Du Dich viel zu oft und versuchst der vermeindlich gesellschaftlichen Ordnung zu folgen. Das war schon immer ein Dorn im Auge von Rosa und so outete er auf dem Höhepunkt der AIDS Krise zwei erfolgreiche Entertainer auf deren gesellschaftlichen Höhepunkt auch um die Tabuisierung von HIV entgegenzuwirken – mit Erfolg. Man mag sich nun darüber streiten ob die Mittel alle Zwecke heiligen aber in dem Fall hat die “Bombe” wie Rosa sie bezeichnete auch positives bewirkt und nebenbei… ich finde es noch immer schrecklich das sich Menschen nicht frei entfalten können, sei es durch die Zwänge im Beruf oder des gesellschaftlichen Umfeldes. Rosa war und ist in so vielen Dingen ein Vorbild für queere Kunst und Ausdruck und wird auch nach seinem Tod noch viele Menschen inspirieren.

Mein Weg zum Grab war verbunden mit vielen Gedanken an Rosa, an den Tod im allgemeinen und auch an die Stille die herrschte. Ich würde lügen wenn ich mich selbst nicht innerlich geohrfeigt hätte was die Wahl meines Schuhwerks betraf (beide großen Zehe waren gefühlt schwarz und ohne Gefühl)… aber ich hatte zum Glück in Bambi Mercury einen Arm der mich sicher über den gefrorenen Boden geleitete. Danke dafür !!! Mein Wunsch am Grab eine Portion Glitzer in Form von Swarowskis zu streuen ging in Erfüllung und ich hoffe, mein lieber Rosa, sie funkeln für Dich wo immer Du Dich gerade befindest. Danke für die kurzweiligen Gespräche die wir führen durften und auch den Mut den Du nicht nur mir gegeben hast so zu sein wie man sein will…. Ruhe in Liebe und komme bald wieder – die Welt braucht Menschen wie Dich mehr denn je !

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