Do. Nov 14th, 2019

Politik, Worthülsen und andere soziale Schweinereien


© Kai Heimberg

In was für einer Zeit leben wir? War früher wirklich alles besser? Waren “Dragqueens” damals politischer? Ist die Welt zunehmend oberflächlicher und dümmer geworden? Gleichzeitig wird die Burlesque Kultur überfrachtet von politischer Korrektheit bis zum Erbrechen. Extreme wohin das Auge schaut. Über all diese Fragen wird zunehmend von Freunden in den sozialen Medien geschrieben oder sollte ich sagen gestritten? Meinungen sind oftmals gleichgesetzt mit verbalen Angriffen und oftmals wird es schnell ausfallend und beleidigend. Der Grat ist schmal und wird viel zu oft ohne Bedacht betreten. Dabei ist für mich die Antwort ziemlich klar. Wir sind Menschen mit unterschiedlichsten Sichtweisen geprägt durch völlig verschiedene Lebenswege in denen jeder / jede versucht in der Gesellschaft zu überleben und im besten Fall produktiv zu sein. Manch einer passt sich der “schönen neuen Welt” an, andere versuchen diese Art der Bühne zu nutzen um auf sich aufmerksam zu machen – sei es nun oberflächlich oder politisch. Im Grunde aber steht uns dieses digitale Drecksgebilde nur im Weg. Ja es scheint einfacher die Welt auf sich aufmerksam zu machen aber zu welchem Preis (Freizeit, Zwischenmenschliche Begegnungen, Freundschaft) und im Grunde ist es doch wieder “nur” Talent was zählt.

Die ach so sozialen Medien sind aus meiner Sicht alles andere als sozial. Sie animieren zu Gewalt – und das nicht nur verbal. Sie deformieren, verunglimpfen – ja sie vergewaltigen die Seele. Manchmal auch im positiven Sinne. Denn auch der Zuspruch wird zur Sucht. Unsere Smartphones laufen heiß und der gebückte Gang der User zeigt deutlich den Rückschritt des Homo Sapiens. Die Gesellschaft behauptet sich weiterzuentwickeln, stattdessen schießen wir uns zwischenmenschlich ins Steinzeitalter zurück und das sogar bis in die höchsten Instanzen dieses Planeten (und ich meine nicht nur Trump). Wir werden von Worthülsen regiert und antworten bzw. verteidigen uns mit dem gleichen Mist. Wir nehmen uns heraus zu allem eine eloquente Meinung zu haben (was prinzipiell nicht falsch ist) – oftmals jedoch ohne jede Recherche zu betreiben sondern Blind vertrauend – und dann feuern wir zurück mit den gleichen Worthülsen, wie eine Art Sucht in das allumfassende Netz, abwartend, debil lächelnd, hoffend auf eine Reaktion an der wir uns dann wieder weiter abarbeiten können mit dem Ziel schlussendlich die maximale Strafe dem Gegenüber angedeihen zu lassen : das Blocken des virtuellen Profils. Wie armselig unsere Gesellschaft dabei geworden ist wird verdrängt.

Und es geht noch weiter. Der Einfluss der sozialen Medien erreicht die alten Medien – die sich dann zwangsläufig mit dieser Blase an Meinungen auseinandersetzen müssen um nicht ihre “Zielgruppe” zu verlieren und aufs Abstellgleis gestellt zu werden. Unglaubliche Mengen an Ressourcen und Kreativität lösen sich dabei täglich sprichwörtlich in eine digitale Wolke auf und Milliarden von gebildeten Binsenweisheiten erzeugen Ängste. Ängste die unweigerlich zum Stillstand führen und unsere Gesellschaft lähmen weil Schuld die größte aller Ängste ist. Sie ist der eine Ring mit dem alle anderen beherrscht werden. Die Geschichte zeigt dabei das wir uns gern beherrschen lassen und das nicht nur in unserem Ländle. Ich selber nutze Facebook und Co. nur noch um Kontakte mit Menschen aus aller Welt zu knüpfen. Natürlich lese ich oft mit und denke mir meinen Teil – hin und wieder kribbelt es in den Fingern und ich ertappe mich dabei einen Text verfasst zu haben. Doch bevor ich die RETURN Taste drücke hau ich mir auf die Finger und lösch den ganzen Mist. Es macht keinen Sinn mit Menschen im Netz zu diskutieren – egal ob politisch oder nicht. Du brauchst die anderen Sinne ebenfalls um eine Person wirklich kennen zu lernen – zu begreifen wie sie tickt und ob es Sinn macht Lebenszeit zu vergeuden um ggf. die eigene Meinung zu verteidigen. Ich selber bleibe lieber dabei den Menschen, die es hören und sehen wollen eine schöne Zeit zu bereiten. Das ist letztendlich auch im hohen Maße politisch – denn wenn man der Seele keine schönen bunten Momente schenkt wird sie dunkel, kalt und miesepetrig.