Fr. Dez 13th, 2019

Heidi Klum spielt Ru Paul bei Drag Race Deutschland?

Oder und ewig grüßt das Murmeltier …


Foto vom ersten Boylesque Drag Festival in Deutschland…. © Maximilan Gödecke

Wir Deutschen waren mal eine Nation der Erfinder. Innovationen bekamen das Label “Made in Germany”. Wir haben das Telefon, das Auto und ja wir haben die erste Fernsehübertragung erfunden. Doch das ist lange her… denn nun suchen wir verzweifelt nach Inhalten um eben diesen Fernseher zu bespielen und die Menschen zu unterhalten. Die heutige Generation hat sich längst abgewandt und das Niveau der verbleibenden Zuseherschaft singt immer weiter. Auf diese Abwärtsspirale setzt nun RedSeven Entertainment offenbar noch eins drauf. Ein innovatives nicht mehr ganz so junges Format namens Ru Paul Drag Race soll wieder Diversität (Michalskys Lieblingswort) auf die deutschen Flatscreens zaubern und weil es mittlerweile eine weltweite Verbreitung findet gleich mal auf einem Majorsender wir Pro7 umgesetzt werden.

Es ist tatsächlich ein Gräul mit diesen Medien. Da legt diese US Format den Ball zielsicher vor das Tor und die schaffen es wirklich die Nudel soweit daneben zu ballern, das einem schwindelig wird. Ru Paul’s Drag Race gehört mit Abstand zu den wichtigsten Formaten der queeren Szene. Weltweit führt dieses Format dazu das bunte Menschen sich bestätigt fühlen und den Mut aufbringen sich auszuleben. Es wäre ein wichtiger Meilenstein gewesen an dieser Stelle mit Fingerspitzengefühl ranzugehen anstatt mit dem Holzhammer Heidi Klum & Co. zu verpflichten ! Ich meine ausgerechnet die Person, die mit der LGBTIQ Szene absolut nichts am Hut hat. Sie ist weder Vorbild noch in der Lage zu beurteilen wieviel Arbeit hinter jedem Styling steckt.

Dazu kommt noch das die Herrschaften von RedSeven Entertainment GmbH das alles wieder als “Casting” Show verpacken, was wiederum bedeutet das die gecasteten natürlich kein Pfennig Geld bekommen. Sie werden verbrannt und mal abgesehen von der vermeintlichen Gewinnerin die wahrscheinlich wieder auf dem Cover irgendeiner Zeitschrift landet und vielleicht auch noch irgendein Vertrag mit einer Agentur plus Schmerzensgeld als Gewinnerin gibt es nix für alle anderen. Bei Ru Paul kann man nicht nur während der Staffel gewinnen – nein es bewerben sich bei dem Format auch die Besten weil sie die Challenge wollen und wissen, das Format behandelt sie mit Respekt und bleibt sich dennoch treu.

Ich grusel mich jetzt schon vor dem Ergebnis und den Kolleginnen, die sich dort missbrauchen und vor allem von jemand bewerten lassen, der von der ganzen Thematik gerade mal soviel versteht, wie der Metzger vom Kostümschneider. Das Ende vom Lied wird sein das die Einschaltquoten nach der Erstausstrahlung in den Keller gehen, die Kritiker sich die Klinke bzw. den Kuli in die Hand geben und nach Absprung einiger Werbepartner das ganze als Flop abgestraft wird. Und das nur weil man nicht in der Lage war GUT zu kopieren. Nach nun mehr als 15 Jahren in der queeren Community habe ich viele nette Worte aber auch viel Angriffe erhalten – es wäre so schön gewesen wenn dieses Format gleich zu Beginn mit den Besten der Besten hätte aufwarten können, denn dann hätte selbst die tiefsten Zweifler eingestehen müssen das DRAG / Travestie eine Kunst ist die noch immer mit gesellschaftlichen Vorurteilen zu kämpfen hat – oder sollte ich sagen – die sogar wieder MEHR damit zu kämpfen hat…

Ich werde mir dann wohl auch aus Neugier die erste Ausgabe der Staffel ansehen um zu weinen …. was man daraus gemacht hat. Ich sehe schon IBES meets Big Brother vor mir und natürlich sehe ich Michalsky nach Diversität Brüllen und Wolfgang Joop die Kostüme beurteilen … warum nur ?