So. Dez 8th, 2019

Ein Blick in Lillys Wonderland in Köpenick

oder zuviele Hauptmänner verderben den Brei

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Die Nachricht über die Eröffnung einer BURLESQUE-BAR in Köpenick ließ mich neugierig aufhorchen. Immerhin hab ich schon einige kleine Bars mit dem Konzept scheitern sehen. Und auch Hamburgs erste und wohl bis dato internationalste Einrichtung dieser Art, das Queen Calavera, ging es beinahe an den Kragen, doch nun hat ein Steuermann das Runder übernommen und reißt das Ruder rum, dessen bin ich mir sicher. Warum fragt ihr? Weil da nun jemand sitzt der die Szene kennt, versteht und mit Herzblut dabei ist. Und das ist auch schon die perfekte Überleitung zu der neuen Burlesque Bar in Berlin-Köpenick. Denn ein erster Blick zeigt mir das es an solchen Qualitäten in Köpenick leider noch fehlt. Das gilt sowohl für die Macher des Etablissements als leider auch für ein Großteil der Gäste am gestrigen Abend.

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Die kleine Bar mit dem Charme einer ehemaligen Kneipe gibt sich dennoch alle Mühe dem großen Wort “BURLESQUE” gerecht zu werden und lädt kleine und große Perlen auf die provisorische Bühne. Circa 20 Personen saßen mit mir bei Salzstangen und einem trinkbaren Aperol Spritz, naja.. die meisten wohl doch eher standesgemäß mit Bier und Fluppe und warten auf Titten. Tja.. klingt vulgär.. war es auch. Also in dem Fall das Publikum. Ich möchte nicht wissen was in den Köpfen der Kerle vorging, die vor mir saßen, haben sie doch 100%tig was anderes erwartet. Nun .. niemand kann sich sein Publikum aussuchen insofern kann DAS nicht das Bewertungskriterium des Abends sein. Nein – auch die Shows waren, wie gesagt, gespickt mit Vielfalt und echtem Burlesque Performances. Ideen, Geschichten und Kostümvielfalt waren da, sogar mehrere Gesangsbeiträge von Coco Clownesse schmückten den Abend, wenn auch die Moderation noch etwas zu “betont” war, so fehlte eigentlich was anderes, das Detail. Es reicht einfach nicht sich Burlesque auf die Fahne zu schreiben, ein bunten Strahler hinzustellen, die Decke abzuhängen und dann kräftig in den Medien zu wedeln. Die Liebe zum Detail verrät dem geneigten Besucher so viel über die Macher und deren Idee.

Ich wünsche Lillys Wonderland natürlich trotzdem großen Erfolg und vor allem ein Publikum das die Auftritte zu schätzen weiß, denn Burlesque ist eben kein billiger Strip, sondern ein frivol groteskes Schauspiel an dem am Ende die Fantasie eine wesentliche Rolle spielt. Nacktes Fleisch ist nur ein Nebenprodukt. Ach… und einen direkten Tipp an die Technik.. das wichtigste an einer guten Show ist.. das die Musike zu denen die Künstler auftreten, mit entsprechender Lautstärke ausgestrahlt wird. Das gibt der Show gleich ein wenig mehr Emotion :).