Fr. Nov 15th, 2019

Die Beziehungen der Nan Goldin – Poste Restante Ausstellung im c/o Berlin

oder „Meine Fotos entstehen aus Beziehungen, nicht aus Beobachtungen.” Nan Goldin

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Alle Fotografien © Nan Goldin mit freundlicher Genehmigung von c/o Berlin

Das Postfuhramt in der Oranienburger Straße 35/36 gehört mittlerweile zu den interessantesten Ausstellungsorten Berlins und C/O Berlin bietet quasi nahtlos hochwertige Ausstellungen, direkte Nachwuchsförderung sowie Programme zur visuellen Bildung für Kinder und Jugendliche und damit einem breitem Publikum das Medium Fotografie an, in all seinen Facetten lebendig und professionell. Nach Anne Leibovitz, Pierre et Gille und Bettina Rheims wird nun eine weitere wunderbare Künstlerin Ihre Werke in Berlin präsentieren – Nan Goldin.

“Ihre Fotos beru?hren und schockieren – heute ebenso wie vor 30 Jahren. Sie faszinieren jedoch nicht unbedingt aufgrund der Themen zwischen Glamour und Gosse mit raren Momenten von Normalita?t und Glu?ck, sondern wegen ihrer radikalen Intimita?t. Nan Goldin na?hert sich mit der Kamera nur denen, die ihr nah stehen und fa?ngt so sensibel das allta?gliche Leid aus Krankheit, Abha?ngigkeit, Gewalt und Exzess ein. Sie nimmt nicht nur Anteil am harten Leben ihrer Freunde und Familie, sondern ist selbst elementarer Teil. Immer wieder verweisen ihre fotografischen Innen- und Außenansichten auf die Verflechtung mit ihrem eigenen Schicksal. Das akute Elend der anderen wird gleichsam zum Bild ihrer eigenen elenden Befindlichkeit.

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Alle Fotografien © Nan Goldin mit freundlicher Genehmigung von c/o Berlin

Die Unmittelbarkeit ihrer Bilder ist darin begru?ndet, dass ihr Voyeurismus auf den Exhibitionismus ihrer Umwelt trifft. Drogenmissbrauch, sexuelle Ho?rigkeit, diffuse Geschlechterrollen und die Folgen von AIDS konnte Goldin als eine der ersten so direkt dokumentieren. Mit diesem ho?chst politischen visuellen Tagebuch durchbricht sie immer noch Tabuthemen. Auch in ihrer Bildsprache ist diese perso?nliche Na?he, Lebenslust und menschliche Wa?rme stets pra?sent. Ihre Fotografien sind keine perfekten Bilder, sondern Schnappschu?sse. Zum Teil farblich unausgewogen und verschwommen sind sie Bekenntnisse zu einem professionellen Dilletantismus. So stellt sich bei ihren Bildern die klassische Frage nach der Authentizita?t oder Konstruktion von Realita?t durch das Medium Fotografie nicht. Denn na?her als Goldin kann man am abgebildeten Geschehen kaum teilhaben.” Quelle c/o Berlin

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Alle Fotografien © Nan Goldin mit freundlicher Genehmigung von c/o Berlin

Nan Goldin’s wunderbares Buch “The other Side” beleuchtet wie kaum ein anderes die Welt der Transgender, Travestie und DragQueens mit einmaligen Bildern. Das Bild der beiden Queens auf der Rückbank des Taxis ist so unglaublich real und aussagestark… ich selber habe oft genug, in vielen Aggregatzuständen auf solch einer Rückbank gesessen und sogar schon einmal ein ähnlich trashiges Shooting gehabt. Wiedereinmal ist es den Gründern Ingo Pott, Marc Naroska und Stephan Erfurt gelungen eine Ausstellung zu realisieren die weit über Berlin hinaus Beachtung finden wird. Die Ausstellungseröffnung am 9.10. wird nur noch durch die persönliche Anwesendheit der Künstlerin am 10.10. um 16 Uhr getoppt… Das es mir eine Freude sein wird dort in der kommenden Woche zu erscheinen muß ich nicht erwähnen, Schade nur das das Wochenende schon mit einem Städtebesuch in London verplant ist. Axxo und … wegen des zu erwartenden großen Interesses bittet C/O Berlin um rechtzeitigen Erwerb einer Eintrittskarte direkt am Empfang. Der Vorverkauf läuft. Die Karten kosten 20 Euro, ermäßigt 15 Euro. Reservierungen werden nicht entgegengenommen.