Montag, 30. Januar 2023

Der Lack ist ab. Relaxez Vous – die Geschwister Pfister im sitzen.

oder auch wenn der Lack ab ist so strahlen die drei dennoch umso heller von Innen

Wenn ich zu den Geschwister Pfistern gehe ist es nicht nur musikalisch eine Reise in meine Vergangenheit. Wahrscheinlich ist im blauen Zelt vor fast 30 Jahren der erste Keim meiner Travestie Karriere gesäht worden. Immernoch erinnere ich mich so gerne an den Moment wo mich dieser “Ursli Pfister” visuell um den Finger gewickelt hat und mich als Mann im Glitzerfummel irgendwie fesselte (was mir als Hete vorher noch nie passiert ist). Auch all die Programme danach waren immer ein Wohltat für die Seele – eine Auszeit aus dieser oberflächlichen Fassadenwelt, in der es damals wie heute ausschließlich um den schönen Schein geht. Wobei das heute durch diese ganzen “sozialen” Netzwerke gefühlt noch 1000mal schlimmer geworden ist. Auch im neuen Programm wird dieser Punkt satirisch aufs Korn genommen und mit dem Satz des Abends “Der erste Lack ist ab – na und was macht das schon” sprachen sie mir wieder aus der Seele. Denn auch ich versuche mit aller Kraft und mittels Tricks und Kniffe meinen Lack einigermaßen zusammenzuhalten und dennoch komme ich mir immer öfter vor wie Goldie Hawn im Film “der Tod steht ihr gut”. Irgendwann helfen da auch keine Liftingstapes mehr. Das Programm oder sollte ich sagen das Menü der drei wechselte von Schlager zu Swing und Country und fand gefühlt in 30 Sprachen statt. Beeindruckenderweise gab es drei japanische Gesangsinterpretationen die tatsächlich nicht nur leere Wortspielereien waren sondern echte mit Inhalt aufgeladene Songs – nur das mir mein Japanisch nach den letzten drei Negroni Cocktails entfallen ist. Vielleicht würden an dieser Stelle Tafeln mit Untertiteln helfen :) oder eine Tour ins schöne Tokio.

Die Reise des Programms “Relaxez Vous” zieht sich von Deutschlands liebsten Kind: der Wurstfabrik, über imaginäre toxische Techtelechtel mit einem Bandmitglied bis hin zu kurzen Einblicken in die Pfister Bühnen Vergangenheit. Quasi ein Potpourri der Gemütlichkeit mit wilden Choreographien und schillernden Kostümen – wobei die fehlenden Bühnendekos durch tolle Lichtinszenierungen ausgeglichen wurden. Allein die Louis Vuitton Interpretation an Tonis Körper ist ein Genuß. Alles in allem war es ein wunderbarer Abend der sich mir allerdings nicht ganz erschloß. Zumindest nicht was den Titel des Abends bzw. den roten Faden anging. Zu wild waren die Sprünge die mehr an eine Nummernrevue erinnerten als an eine typische Geschichte der Pfisters. Mal abgesehen von der Tatsache das alles immer viel zu schnell vorbei ist – was im übrigen absolut der Wahrheit entspricht und mich auch immer wieder schockiert. Nicht zuletzt weil uns klar gemacht wurde das das letzte gemeinsame Pfisterprogramm schon wieder 9 Jahre in der Vergangenheit lag. Dennoch … Relaxez Vous ist manchmal zynisch, oft mit wilder Entspanntheit :), unheimlich detailverliebt und hin und wieder etwas drüber aber genau das liebe ich so sehr an den Pfisters. Letztendlich sind wir alle in dieser Zeit extrem dünnhäutig und springen gefühlt täglich von einer Baustelle zur anderen ohne zu wissen welche Gräben morgen aufploppen. Vielleicht war das ja der Kern der Aussage der neuen Produktion. Bevor wir an diesem ständig Wechselnden kaputt gehen sollten wir uns einfach mal zurücklehnen und einen Moment inne halten… Relaxen und Entspannen, auf den Sessel fläzen und geschehen lassen. Und genau das könnt Ihr noch bis Mitte Januar in Berlin in der Bar jeder Vernunft. Danach gehts nach München, Bern, Zürich usw. Alle Tourdaten findet ihr auf der Geschwister Pfister Webseite.