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Wunderkammer im Chamäleon Theater Berlin

oder wieviel Wunder erträgt man in einer 2 Stunden Show?

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Also ick liebe es ja völlig unvorbereitet überrascht zu werden. Egal ob es sich da um ein kleines kulturelles Wunder handelt oder einfach nur um ein unvorbereitetes Schnäppchen ;-). Die aktuelle Vorstellung im Chamäleon mit dem klangvollen Namen „Wunderkammer“ wurde mir ganz wärmstens empfohlen und da ich jemand bin der wärmste Empfehlungen sehr ernst nimmt – bin ick natürlich endlich mal hin. Das Chamäleon gehört zu den Theatern denen ich bisher noch nicht wirklich oft einen Besuch abgestattet habe und das obwohl es sooo viel Charme hat. Auf den üblichen Spruch das doch bitte alle Aufzeichnungsgeräte zu vernichten sind öffnete sich der Vorhang. Was dann passierte war definitiv unerwartet. Sieben halbnackte australische Artisten betraten nacheinander die Bühne und jede(r) begann mit einer schrägeren Performance. Ich weiß gar nicht ab wann ich anfing zu begreifen was da auf der Bühne vorging aber es dauerte eine ganze Weile und definitiv bis nach der ersten Hula Hoop Performance.

Ich merke immer wieder bei dieser sportlichen Disziplin, das es schwer ist nachzuvollziehen wieviel Arbeit in der Darbietung steckt. Ich habe schon wesentlich banalere Bühnenakrobatik gesehen die deutlich mehr Applause bekam. Irgendwie fehlte mir aber auch ein wenig der rote Faden. Ick halte mich ja für einen kreativen Menschen aber wenn sich erwachsene Menschen lange rote Gummis in die Nase stecken um sie aus dem Rachen wieder rauszuwürgen dann fehlt mir da der Zugang, abgesehen davon ist die Nr. so alt wie die Zeit ;-). Die beherrschenden Farben waren Rot und Schwarz. Straßbesetzte High Heels, taillenhohe Miederhosen, String-Tangas und Nippel Pasties – ein wenig Homoerotik und eine Prise Sadismus sind die wesentlichen Merkmale der Show neben der Akrobatik – Bühnenbild brauchen die durchtrainierten Körper nicht. Das könnte man zumindest auf den ersten Blick meinen. Doch es gibt auch noch eine andere und wirklich spannende Seite in der Wunderkammer – die mir eine niemals zuvor gesehene Artistik offenbarte. Zwei Männer, eine Stange und ein Kraftakt der seinesgleichen sucht. Als wenn die Schwerkraft ein Mythos wäre, tänzelten die beiden an ihr hoch und runter…. Spätestens da verstand ich wo die sieben Künstler hinwollten.

Natürlich kann man eine Show nicht dauerhaft auf solch einem hohen artistischen Niveau halten und daher gab es eben Lückenfüller. Einer davon war eine klamaukartige Travestie Burlesque Stripshow die im genial dargebotenen Song vom Altmeister David Bowie endete. So schlimm das bewußt verkorkste Bild des Damenimitators war so nett war es HEROES zu hören. Erinnerung zu  erlebten Romy Haag Show ließen meine Gänsepickel aufblühen. Die kamen übrigens auch wieder als das Quintett anfing die Frauen mit körpereigener Kraft mehrere Meter über die Bühne durch die Luft zu schmeißen… da stand mir auch die Luke soweit offen – Grandios. Diese Show war einfach ein Wechselbad der Gefühle – von unglaublich beeindruckend bis zu „Hääh… – wattn datt für Schwachsinn“ war alles dabei… der Tagesspiegel sagte dazu eine Show für „Mutige“.. ick sage dazu eine Show deren Tiefgang mich fast absaufen ließ – aber deren Höhenflüge wahrlich imposant waren und vielleicht war der rote Gummi ja der fehlende rote Faden… nächste Mal zieh ick mir den auch durch die Nase 😉

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