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Wenn Zauberer sich Verzaubern um zu verzaubern – Premiere der Magical Mystery Show

oder der Fluch einer grossen Illusionen 


© www.haraldfuhr.de

In Berlin zaubert es sich fast wie von selbst. Milliarden werden im neuen Flughafen BER wegverzaubert, die Leiterin des Verfassungsschutzes wurde ebenfalls entzaubert und Berlins Beförderungsdienste beten zum Wettergott gegen eine zauberhaft weisse Winterzeit. In dieser Stadt wird gezaubert bis der Arzt kommt. Und nun auch mal wieder im Wintergarten. Magical Mystery Show – so der Name der neuen Show im Wintergarten auf dessen Premiere ich mich schon sehr gefreut hatte. Denn auch ick hatte als Piefke ’nen Zauberkasten und war Stammkunde im damaligen Zauberkönig. Dem einzigen Laden der echte Magie versprühte. Schon wenn man dort eintrat war man in einer ganz anderen Welt. Es war zauberhaft nostalgisch und gespenstisch bezaubernd – schließlich lag er ja auch direkt am Friedhof. Viele der damaligen kleinen Tricks habe ich dort gekauft und immer wieder mein Taschengeld aufgespart um mir noch einen tolleren, noch größeren Trick zu kaufen. Magie war schon immer ein großes Thema in meinem Leben und deshalb sollte dieser Abend unter besonderer Beobachtung stehen – um der alten Zeiten willen.

Während der rote Teppich alleine in der Kälte ausharren mußte lichtete ein mir unbekanntes Gesicht die Gäste am Eingang ab. Das vertraute, ja ich möchte fast sagen liebgewonnene Grinsen des Fotografen, der gefühlte 5 Jahre mit seinen Fotos für die Gäste eine bleibende Erinnerung schuf, gab es nicht mehr. Ausgetauscht… warum auch immer. Nun in der Liebe und der Zauberei ist alles möglich, Magie eben ;-). Der Showgong erklang und wir nahmen in der gemütlichsten Loge Platz die das Haus zu bieten hat… jedenfalls sehe ich das so… um gleich zu Auftakt ein wahres Meisterwerk an bildgewaltiger Magie von Daniel Wurtzel zu erleben. Wind und Tücher waren die Artisten und Magier zugleich und wenn ich mal spekulieren darf… diese Performance ist an jeden Abend neu zu bewundern. Auch Jean Garin – der scheinbar zwischen der virtuellen und der realen Welt umherwandelt bezaubert mit der Idee. Schönes Tricktheater auf hohem technischen Niveau. Zwischendrin werden lustige Anekdoten der Entzauberung gezeigt und eine völlig neuartige zersägte Frau wird auf einem alten Sofa wieder zusammengefügt – viel unblutiger  aber mit viel mehr Kulisse – ich sag mal Beetlejuice, Beetlejuice … Beee.. Nee…. denkste. Der Conferencier des Abends ist ebenfalls ein Harry Potter Schüler, sieht zwar aus wie Bastian Pastewka und redet wie Rudi Carrell aber verliert niemals den Kopf auch wenn es einmal fast so aussah. Neidvoll verfolgte ich auch das Duo Double Fantasy die Outfits in Bruchteilen von Sekunden wechselten… ahhhh ich will das auch können 🙂

http://www.youtube.com/watch?v=ZYkCMieO9ck

Leider hat die Show auch … na sagen wir mal… anstrengende Momente. Kürzlich sah ich den Film „Red Lights“ mit Robert de Niro in der Hauptrolle . Ein düsterer Mystery Thriller über die Illusion anderen Menschen in den Kopf zu schauen. Achtung ich spoilere jetzt… am Ende war es nur sein meisterhaftes Handwerk, voller technischer Finessen .. wobei… nicht ganz. Aber dazu müßt Ihr den Film selber sehen. Das Berliner Duo Sonambul war nicht in der Lage mich zu verzaubern, geschweige denn meinen Kopf zu durchblättern – die Mindreader hatten soviel Tempo wie ’ne Bimmelbahn bei Glatteis. Ich schreibe sowas ja nicht gerne.. weil ich jeden Künstler schätze aber während den ganzen zwei Nummern, hatte ich das Bedürfnis eine Rauchen zu gehen – leider rauche ich nicht… aber viele andere taten es. Man kann eben nicht jeden mental abholen… Schlußendlich sollte die Show auf einen Höhepunkt hinsteuern, der, wie man sich denken kann, hochkarätig besetzt war. Otto Wessely, der mich bei der 20 Jahre Wintergarten Gala mit simplen Pyrotricks nicht erreicht hat, gab dem gestrigen Abend einen schönen Ausklang. Wie beim Wellenreiten sagt man – nach der schönsten Welle soll man Schluß machen.. dann zehrt man auch noch bis zum nächsten Tag davon.  Otto gehört zu den Dadaisten der Magie – „ein parodistisch-burleskes Spektakel am Rande des Abgrunds“ – das kann ich unterschreiben – und verweise auf seine bezaubernde Bühnengehilfin im knallpinken Flapperkleid… ein dadaistisches Meisterwerk – i love it. Schlußendlich wird bei der Magical Mystery Show aber kein Copperfield in den Schatten gestellt, keine Berliner Wahrzeichen weggezaubert und kein Elefant aus dem Hut geholt. Das Konzept „Zauber, Zauber“ aus 2004 ins 2012 zu zaubern hätte noch eine Prise mehr Action vertragen, Bewegung und/oder zauberhaftes Variete … und das habe ich leider erwartet – denn erwachsene …oder sagen wir mal große Menschen brauchen große Illusionen auf einer großen Bühne des Berliner Wintergartens. Mit Kinderaugen einen Zaubertrick zu bewundern ist so viel einfacher … wer mag mich mal eben ins 1986 zaubern 🙂 …. DAAAAANKKEEeeeeeeeee ee e

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