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Was kann BURLESQUE?

oder das ewige Für und Wider in der Kultur

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Es braucht manchmal einige Zeit um herauszufinden warum man das gerne macht was man macht. Vor allem aber braucht es immer Herzblut, ein Ziel oder Traum, dem man nachjagen kann. Mein Ziel war es immer, mir von niemanden sagen zu lassen, wo meine Grenzen liegen. Immer wenn das jemand versucht hat, hab ich mit viel Energie und Aufwand doppelt so hart dafür gekämpft, um zu zeigen, das ich es doch schaffe. Als ich vor knapp 10 Jahren das erste Mal, mit der damals noch sehr jungen Burlesqueszene in Berlin in Berührung kam, war mir klar – das ist eine Ausdrucksform, die mir Raum gibt mich zu entfalten. Auch wenn manch einer heute wie damals, diese „Kleinkunst“ als Schmuddelkram abtut und leider auch von Meinungsmachern (wie z.B. Facebook) darin bestärkt wird, so ist Burlesque für mich viel mehr als nur das berüchtigte Blankziehen und Brüstewackeln. Burlesque macht frei und das in doppelter Hinsicht. Burlesque ließ mich Grenzen überwinden und Ziele erreichen, die ich niemals für möglich gehalten hätte. Hätte mir z.B. vor 11 Jahren jemand gesagt, das ich eines Tages mehr oder weniger „nackend“ auf einer Bühne, vor rund 200-600 Menschen, in English, eine Show moderiere – ich glaub ich hätte dieser Person ’ne Champagnerpulle über den Schädel gezogen – natürlich nachdem ich diese vorher geleert hätte 😉 …

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Photo: Sinteque – Feisty Cat Photo / Fashion by www.Redcat7.de / Stockings www.Ars-Vivendi.de / Pasties by www.feisty-cat.de

Das wichtigste in dieser Szene ist aber auch zu begreifen, das jeder von uns nur mit Wasser kocht. Die Wahrscheinlichkeit eines Tages vom Mainstream entdeckt und mit dieser Kunst REICH und BERÜHMT zu werden ist doch sehr sehr klein bis unmöglich. BURLESQUE ist aber Therapie und hilft das SELBSTBEWUSSTSEIN aus- und aufzubauen und das Unmögliche möglich machen. Der Phantasie in der Wahl des Charakters vor und auf der Bühne sind keine Grenzen gesetzt und jeder kann in die Rolle seines Lebens schlüpfen. Ganz nebenbei verdient man dann im besten Fall noch Anerkennung und ggf. auch Geld. Auch wenn letzteres immer weniger wird – da sich manch Produzent denkt Performer machen das eh aus Spaß an der Freude und mehr als ein paar Getränkebons und Taxigeld ist das nicht wert – schließlich singen die Künstler ja noch nicht mal. Natürlich kann man diese seltsam herabstellende Einstellung zu Leistungen auch in diversen anderen künstlerischen (wie z.B. Gesang) aber auch handwerklichen Berufen beobachten aber das sei hier nur der Vollständigkeithalber erwähnt. Genauso unverständlich ist die Überbezahlung manch anderer Berufe bzw Leistungen. Aber auch das schwehlt hier nur so mit.

Burlesque ist aber noch viel mehr. Burlesque schlägt Brücken – zwischen Nationen, Gemeinschaften und Einzelpersonen. Freundschaften entstehen und werden dauerhaft gefestigt. Berlin ist ein wunderbarer Nährboden für Talente, die sich ausprobieren wollen. Die Community wächst und gedeiht und das ist auch gut so. Letztendlich führt es aber unweigerlich zu einem Überangebot, bei dem sich dann die Spreu vom Weizen trennen sollte. Doch halt… am Ende regiert wieder der Preis und somit bekommt jede(r) die Gelegenheit weiterzumachen. Die Spirale dreht sich immer mehr nach unten und die Qualität kann nur schlechter werden. Das Publikum wird wohl oder übel mit den Hochs und Tiefs konfrontiert. Und jene die noch vor Monaten/Jahren für den Preiserhalt gekämpft haben sind heute Teil der Abwärtsspirale. Warum? Weil sich letztendlich Omas Spruch mit dem Spatz in der Hand und der Taube auf dem Dach immer wieder bewahrheitet. Ich glaube ich schreibe diese Zeilen auch, um mir selbst die Last von den Schultern zu nehmen. Ich möchte gerne weitermachen – jedoch hab ich mir Anfang des Jahres geschworen, nicht mehr für ’nen Taxigeld blank zu ziehen außer es hat einen hohen PR Wert, der gleichzusetzen ist mit monitärer Entlohnung (wobei dieser natürlich auch wieder eine Ermessenssache ist 🙁 ). Natürlich zählt noch immer der freundschaftliche Hintergrund und das gute alte Geben und Nehmen bei manchen Entscheidungen. Jetzt werden ein paar denken.. naja.. die hat das ja auch nicht nötig – die hat ja noch einen „richtigen“ Beruf! Ja und?… den kann sich jede(r) andere auch suchen und vor allem in einer Stadt wie Berlin auch finden. Ich glaube generell das diese Kunst nur funktioniert, wenn wir sie begehrlicher machen und nicht inflationär damit hausieren. Alles was man an jeder Ecke kaufen kann erscheint uns nichts mehr wert zu sein. Wann habt ihr das letzte mal für eine gute Pizza 18-20 EUR ausgegeben? Genau ist lange her.. aber ein gute Pizza ist das allemal WERT!

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Photo: Sinteque – Feisty Cat Photo / Fashion by www.Redcat7.de / Stockings www.Ars-Vivendi.de / Pasties by www.feisty-cat.de

Wenn ich weiß das sich manche Künstler für Trinkgelder immer wieder auf die Bühne stellen, dann frage ich mich als Produzent, warum ich diesen Act für eine teure Show für das 5-fache buchen sollte? Schließlich kommen die Leute um „NEUES“ zu sehen… und eine Performance, die schon auf etlichen „günstigeren“ Bühnen stattfand, ist entbehrlich im Auge des geneigten und zahlenden Betrachters. Das Ende vom Lied wäre… das auch ich mich dem Verfall beuge oder die Produzententätigkeit beende. Ich könnte mir auch günstige Locations suchen will ich aber nicht. Burlesque kann also auch ziemlich frustrierend – um nicht zu sagen – demotivierend sein. Nichtsdestotrotz gilt an dieser Stelle wieder der eingangs erwähnte Satz – Grenzen, Hindernisse sind dazu da, um sie einzureissen. Kultur braucht Qualität und keine Inflation sonst kommen irgendwann die Chinesen und bauen in ihren Fabriken Burlesque-Roboter – wobei das fänd ich schon wieder ein bisschen entzückend. Ich habe mir lange überlegt wie ich diese vielschichtige Thematik bestehend aus Ausbruch, Selbstverwirklichung und Behauptung visuell darstellen kann und da kam mir diese BARBIE Kiste, erbaut von der wunderbaren Pauline, gerade recht. Millionen von Barbies stehen „gefangen“ in den Regalen und warten darauf entdeckt zu werden. Erst wenn sie bespielt werden erlangen sie ihre Vielfalt. Gleichermaßen sind auch sie „bedroht“ durch Importe und müssen sich am Markt immer wieder behaupten. In diesem Sinne wünsche ich Euch ganz viel Energie und beende dieses verbale Abenteuer mit zwei kontroversen Zitaten: Vorwärts immer, rückwärts nimmer!“ trifft auf „Möge die Macht mit Euch sein“ oder wie ging der Spruch des Herstellers? 😉

PS. Alle die jetzt wissen wollen woher ich den Körper bekommen habe sei gesagt.. er ist nicht digital in Photoshop an mich herangewachsen. Natürlich wurde er etwas bereinigt aber das meiste davon hatte ich tatsächlich auf der Haut. Fragen kostet nix – die Verwandelung schon :).

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