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Viel zu heisse Kulturschocks in Berlins Randbezirken

oder im Irrgarten mit Wasserblick

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Berlin ist die Hauptstadt der Kultur. Ein Überangebot an Veranstaltungen in allen erdenklichen Bereichen zieht Touristen en Mass in meene Metropole. Das mag den ein oder anderen Berliner ggf. erschrecken und vielleicht auch auf die Nerven gehen aber stellt Euch doch mal vor es wäre nicht so? Für mich undenkbar… für manch anderen der Grund sich in seinem Aussenbezirk einzuigeln und kaum noch die Nase über den Rand zu strecken. Ein Hosting in Grünau mit Seeblick hat mir mal wieder gezeigt warum es auf den Bühnen Berlins nach wie vor ein Kampf ist die Häuser zu füllen. Bei einer Bevölkerungszahl von fast 3,4 Millionen Menschen sollte man denken knapp 3000 Veranstaltungen am Tag sind locker ALLE ausgebucht – denn hinzukommen ja auch die Touristen – doch denkste Puppe… es ist wie ein Strassenkampf ums überleben.

Seit gestern weiß ich auch mal wieder wieso. Im beschaulichen Köpenick / Grünau sind die Leute lieber unter sich. Sie mögen es eher weniger sich um Kulturbelange zu kümmern und das höchste Maß der Unterhaltung ist ein DJ der im Hintergrund leise sein Laptop nach Musike absucht. Im Grunde hätte wahrscheinlich ein gestreamter Radiosender gereicht – aber den Luxus eines DJs gönnt man sich dann doch. Nun wäre noch eine Stripshow oder ein bunter Mann im Pailettenfummel ertragbar aber BURLESQUE? Nee…. und sich anhören worum es dabei geht auch lieber nicht. Auch die Chance Eintrittskarten für zwei wunderbare Theater in Berlin zu gewinnen, konnte niemanden wirklich beeindrucken. Im Gegenteil völliges Desinteresse wurde mehr als einmal signalisert. Gott – ich kam mir vor wie ein Bibelträger am Amazonas. An dieser Stelle tut es mir immer in der Seele weh, wenn ich versuche Menschen zu missionieren mit Dingen die sie so gar nicht interessieren und es tut mir für die Theater leid, denen ich Karten aus den Rippen geleiert habe… und der Mehrwert eher gering bis nicht vorhanden ist. Doch wie sagte meine Oma immer so schön… die Hoffnung stirbt zuletzt….

Ich möchte hier natürlich nicht alle Aussenstellen Berlins über einen Kamm scheren aber ein wenig hat mich dieser Job in Berlin-Grünau wirklich auf den Boden der Tatsachen oder sollte ich sagen, in den Keller der Tatsachen zurückgeholt, denn auf dem Boden bin ich eigentlich schon lange. Es hat mich erschreckt und natürlich auch erklärt warum die kleine Burlesque Cabaret Bar Lillys Wonderland KEINE Überlebenschancen hatte und eigentlich schon zu Beginn zum scheitern verurteilt war. Randbezirke haben vollkommen andere Interessen, leben in einem eigenen Mikrokosmos, haben kaum Kontakt zur Mitte der Stadt und finden das auch toll. Musicals, Konzerte und sonstige Events werden wenn dann, höchstens in anderen Städten besucht und Kleinkunstbühnen sind sowieso tabu. So ist es und so wird es bleiben – missionarische Einsätze sind an dieser Stelle nicht erwünscht – oder wie es gestern auch hieß „immer eher schwierig hier mit einem Mann im Kleid“. Mag sein das die elendige Hitze die Motivation zusätzlich geschmälert hat, mag sein das die eine oder andere ablehnende Haltung daher rührte, das der eigenen Fetish urplötzlich vor Augen geführt wurde (stille Wasser sind bekanntlich sehr tief), doch im Endeffekt hat es mich gelehrt meine Burlesque Bibel einzupacken und nur noch dahin zu gehen, wo man der Vielfalt mit offenen Armen und Augen begegnet. Halleluja.

PS.. natürlich weiß ich das es auch solche Einsätze geben muss… schließlich steckt man ja nicht zur eigenen Belustigung bei 35° C im Korsett aber wenn man den Luxus hat sich das aussuchen zu können.. dann sollte man das tun.

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