Queerlesque Magazine – Kultur – Burlesque – Dragqueen – Berlin
1 Comment 1045 Views

Verdrehte Welt – Burlesque Honorare und Eintrittspreise

oder mein offener Brief vom Geben und Nehmen

berzerker_klein
© Berserker

Angesichts der aktuellen Nachrichten sind solche Themen zwar vollkommen zweirangig und doch beschäftigen und verärgern sie mich. In der Vergangenheit durfte ich auf den sozialen Netzwerken immer wieder über den Unmut der fallenden Honorarsätze in der Performerkultur lesen. Aufstönen und Aufrufe zum Boykott wurden laut. Eine ganze Künstlerschaft fühlt sich als Billiglohner und geht dagegen virtuell vor. Im Grunde ist das absolut gerechtfertigt – denn Kostüme, Makeup, Performance Hilfsmittel und und und kosten etliche hundert – ja teilweise tausende Euros und fliessen natürlich in die Kalkulation eines Acts mit ein. Das ist vergleichbar mit einem guten Essen… man zahlt das Ambiente und den Service einfach mit.. und schätzt diesen in der Regel auch.

Doch natürlich gibt es auch eine andere Seite, die der Veranstalter. Und hier bekommt man genau von den Damen, die bei den kleinen Gagen rebellieren, Anfragen an den Kopf geschmissen, die einen sprachlos machen. In Berlin wächst die NULL EURO Mentalität in Unermessliche. Gästelistengier und Free-Drinksfetische breiten sich aus… Geiz ist Geil und Nullkommanix-Sucht treiben die Menschen zu komischen Reaktionen. Gerade heute habe ich eine Mail bekommen, die an die kleine aber feine Aussenstelle des Burlesque in Köpenick gerichtet wurde. Folgender Wortlaut ließ mich erstarren:

Liebe …..  mein Name ist ….  und ich bin eine ….. Burlesque Kunstlerin die in Berlin wohnt. Am Samstag meine Freundin …..  wird einen Auftritt bei Ihnen machen und sie hat mich eingeladen mir sie anzusehen. Ganz ehrlich, normalerweise bezahle ich nie einen Ticket. Wie funktioniert bei euch? Ich habe auch letztes Jahr bei euch einen Auftritt mit einer Gruppe gemacht. Ich freue mich auf Ihre Antwort. ….

Ich gebe zu… ich bekomme auch öfters die Möglichkeit Kulturveranstaltungen kostenfrei anzusehen – ABER immer und ich betone das …. liefere ich im Anschluß eine bebilderte Review oder schriftlich Kritik, die über mein Netzwerk, das ich mir in 10 Jahren extrovertierten Kulturleben aufgebaut habe, verteilt wird. Ich habe jahrelang sehr wohl Eintrittsgelder berappt und jeder Veranstalter kann sich im Vorfeld darüber klar werden, ob ihm so eine Massnahme/Arbeit reicht oder ob ich die Karte dennoch bezahlen muss. Und wenn das so ist, bin ich sehr gerne bereit, dieses auch zu tun – sofern ich dem Ereignis beiwohnen möchte – denn ich kenn die Schweißperlen, die schlechte Verkaufszahlen hervorrufen zur genüge !!! Umsomehr nerven mich solche Anfragen und verwirren mich dazu noch… Welchen Mehrwert hat ihre Anwesendheit? Warum sollte sich ein Veranstalter darauf einlassen? In der Regel hat man mit Veranstaltungsorten Split-Door Deals – d.h. Eintritt zu gewissen Anteilen geht an den VA und der Suff geht an die Bar! D.h. ich fülle einen Raum mit Menschen die feiern und eine gute Show sehen, trinken und Spaß haben und das nur weil ein gutherziger Mensch bin und am Ende die Künstler auch noch aus eigener Tasche fürstlich entlohnen darf vom nicht eingenommenen Eintrittsgeld? Welcher Veranstalter kann so etwas mittelfristig überleben? Genau… niemand!

Früher hab ich mal gedacht, ich veranstalte z.B. Events für meine Zweithaarmitstreiterinnen, danach hatte ich gehofft, es wäre für die große Community im Burlesque. Heute weiß ich : … ich freue mich ausserordentlich wenn Menschen aus diesen Szenen kommen und würde mir sogar kleine Gimmicks ausdenken, um genau sie dabei zu haben… doch eigentlich ist mir das Publikum am liebsten, das die Anstrengung wertschätzt, die man mit einer Bar oder einem Event an der Backe hat. Ich glaube diese Person würde auch nie auf die Idee kommen im Ritz-Carlton um eine Tischreservierung zu bitten und zu sagen : .. aber hey.. ich bezahle nie für ein Essen! In diesem Sinne möchte ich vor allen Veranstaltern, die sich auch mit solchen Problemen täglich rumschlagen und noch nicht den Glauben an die Community verloren haben, meinen Hut ziehen und DANKE sagen. Allen die gerne kostenfrei auf Veranstaltungen gehen möchten rate ich … schafft verdammt nochmal einen erkennbaren Mehrwert – niemand von Euch ist wirklich VIP!

About the author:
Has 2700 Articles

1 COMMENT
  1. Franka von Ladies & Gents

    Danke für diesen großartigen Beitrag! Vielmehr kann und möchte ihr hierzu auch gar nicht mehr sagen.

    Grüße aus Hamburg, wo es gefühlt noch nicht ganz so schlimm ist wie ich es auch Berlin kenne!

LEAVE YOUR COMMENT

Your email address will not be published. Required fields are marked *

BITTE ALS MENSCH IDENTIFIZIEREN. DANKE. *

RELATED ARTICLES
ABOUT
QUEERLESQUE Mag ist das Magazin für Kultur und Burlesque Lebensart aus Berlin. WIr möchten einen subjektiven Überblick über die Vielfalt der Kultur in Berlin und Deutschland vermitteln. Internationale Burlesque Events und Vaudeville Kultur stehen dabei genauso im Fokus wie Travestie und jede Art der queeren Abendunterhaltung. Seit 2006 findet ihr hier gut gemeinte Ratschläge, kulinarische Tipps und Entdeckungen aus meinem bunten Berlin :)
Galerie
O zapft is ! 2017Sayonara Tokyo PremiereSparkeling OverloadThank you for following me here and on instagramPeek-a-Boo by Videnoir FashionDie fabelhafte Welt der Fabelwesen :)Berlinale Fever 2017 - 60 Shades of GreyMerry Christmas 2016
RSS BURLESQUE FASHION
  • Burlesque Dessous stärken das Selbstbewusstsein
    © Shutterstock Es ist kein Geheimnis, dass viele Frauen großen Wert auf schöne Dessous legen. Eine Frau, die ästhetisch ansprechende und hochwertige Wäsche trägt, fühlt sich sexy, ganz gleich, was sie darüber trägt. Die Gewissheit schöne und aufregende Wäsche zu tragen, verhilft Frauen zu mehr Selbstbewusstsein und verbessert die Ausstrahlung. Dessous helfen unvorteilhafte Körperpartien zu […]
  • Traumhafte Nachthemden – Verführerisch auf der Bühne und im Schlafzimmer
    © shutterstock Mit traumhaften Dessous kann jede Frau einen tollen Auftritt hinlegen – Hollywood sei Dank. Schließlich kam das Babydoll erst durch den US-amerikanischen Spielfirm Baby Doll – Begehre nicht des anderen Weib aus dem Jahr 1956 in Mode. Auch das Negligé kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, wurde es doch schon im 18. Jahrhundert […]

Back to Top