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The WYLD Premiere im Friedrichstadtpalast

oder die Bühne war mal wieder der Star..

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Was soll ich sagen … der Friedrichstadt-Palast ist das einzige Haus in Berlin, wahrscheinlich sogar in Deutschland, mit einer unglaublich opulenten Bühnen- und Lichttechnik. Spannenderweise stammt manch technischer Kniff aus Zeiten vor der Wende… da kann man mal sehen, wie weit voraus manche Ideengeber waren :)… ganz im Gegenteil zum futuristischen Showkonzept von „The Wyld“. Die berühmte Technik und die wahnwitzigen Lichtinstallationen spielten aus meiner Sicht die Hauptrolle (das mein ich übrigens doppeldeutig – denn die wesentlichen Tanzeffekte sehen von einem Seitenplatz nicht ansatzweise so toll aus). Nun kenne ich leider keine wirklich große Las Vegas Show und weiß natürlich das Revuetheater eigentlich keinen roten Faden braucht ABER… es hätte dem Gesamtkonzept gut getan, wenn man dem Publikum zumindest eine kleine verständliche Geschichte angeboten hätte – statt Kerle in Eisbärenkostüm und Blumensträusse aus Möhren. Wolfgang Joop sagte in der Pause, das er den Kern der Show noch nicht begriffen hätte und mir ging es ähnlich. OK.. natürlich gab es den typischen Berlinbezug aber der war einfach echt zu platt und lieblos eingestreut.

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Beginnend mit einer etwas langatmigen Proben-Szene im Ballettsaal, wo man als Zuschauer überlegt… öhmm… und nu bzw. schon wieder und überhaupt warum? Doch kaum war man fast gelangweilt, durfte wieder die Technik glänzen und ließ einen halbtransparenten Vorhang über den Köpfen des Publikums verschwinden.. DAS WAR WIRKLICH GRANDIOS! Da dachte ich.. na nun jehts los – endlich. Leider falsch gedacht, was dann kam, hätte ich eher auf einer kleinen Zirkusbühne erwartet. Zwar wurde ein großes Bühnenbild aufgefahren und jede Menge Tänzerinnen in buntem Stretch tanzten wild durch die Gegend aber grandiose Artisten oder WOW-Effekte blieben aus. Statt dessen gab es ein bisschen BMX Geturne aus den 80zigern und danach auch noch eine Pudelshow aus den 60zigern. Ähmmm… Pudel die durch Reifen hüpfen um genau zu sein. Hinterher wurde mir gesagt die Pudelnr. hätte einen sozialen Zusammenhang zu einer Organisation die sich um hilfsbedürftige Menschen kümmert.. Ahaaa…. da hätte mir ein Spendenbox am Ausgang besser gefallen.

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Nun kurz bevor ich verzweifelte, kamen dann die Retter in stählender Rüstung – im wahrsten Sinne des Wortes. Vier Artisten der Gruppe White-Gothic haben das Niveau wieder enorm angehoben – ja förmlich in die Höhe gerissen. Unglaubliche Bodenakrobatik, die eines Friedrichstadt-Palastes würdig war. An dieser Stelle übernahmen kurz wieder der Performer das Ruder und zauberten ungesehenes auf meine Netzhaut. GROSSES KINO… das dann mit dem Pausenspruch… „je mehr ihr trinkt desto besser sehen wir aus“ temporär beendet wurde. Ein wenig Angst bekam ich da schon 🙂 … Nach der Pause sollte es dann klappen. Ich hatte sooo unglaublich große Hoffnung trotz den dämlichen Spruches. Ja .. ich war wirklich in tiefer Bewunderung für einen Intendanten der Mut bewies gegen Ausgrenzung und sicherlich auch die ein oder andere schlaflose Nacht hatte – ick meine 10,8 Millionen Euro.. das ist mal ’ne Ansage.

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Kaum wurde das Spektakel nach dem Break wieder neu entfacht – zauberte die Technik erneut. Filmeinspieler versuchen das Werbemotiv der Nofretete zu erklären und wahrscheinlich mit Berlin in Verbindung zu bringen. Eine illuminierte im Takt schwingende Showtreppe, die elegant den Tönen folgte und den endlos langen Beinen der Tänzerinnen die gewohnte Schrittfolge ermöglichte. Und ein ganzer Untergrund Club, der ans Berghain erinnerte und mit überdimensionaler Lavalampe überraschte, erschien aus dem Boden. Das waren nette Bilder, die der Palast immer aufs neue darstellen muss – er hat ja die TECHNIK. Sicherlich keine einfache Aufgabe, aber gut gelöst. Ich glaube allein die Treppe hat 5 Millionen des Budgets verschlungen. Anyway… ich suchte den Zusammenhang – krampfhaft .. ich wollte einfach nicht glauben, das man mich so alleine ließ – am rechten Rand des Theaters. Dann sah ich ihn… endlich … der BMX Fahrer – der wohl irgendwie Teil der Love-Story war… *loool*  ?!?!?!?!? … also echt Leute… was sollte das denn???. Der und dieser Typ der Crew, der immer etwas bedeppert durchs Bild rannte. Nee nee… nicht meins. Zum Abschluß gab es dann ca. 15 Minuten, die mich etwas milder gestimmt haben. Der berühmte, wenn auch kleine Wasserfall, tolle Kostüme, in denen bezaubernden Frauen steckten, die glitzerten und lustig umher schwebten und eine wirklich wirklich atemberaubende Trapezartistik des Duos Markov. So wirds gemacht… viel mehr davon… kurze Atemnot. TOLL. Ich finde wenn jemand über 10 Millionen ausgibt und sich mit Las Vegas vergleicht – dann sollte… nein.. dann muss jede einzelne Künstlerische Darbietung ein absolutes Highlight sein – wenn es schon keine Geschichte gibt. Aber vielleicht bin ich auch satt und habe alles menschenmögliche auf der Bühne gesehen 🙁 .. das wäre allerdings frustrierend. Fakt ist die Show polarisiert – ich habe selten im Nachgang auf der Aftershow zwei so getrennte Lager erlebt. Es gab Leute die gaben Standing Ovations – häääää ….??? und Menschen an der Bar die den Frust in Gratissekt ertränkten.

Mein Fazit: Berlin Touristen aus Puselmuckel, Technikfreaks und Pudelfreunden möchte ich diese Show wärmstens ans Herz legen. Allen anderen geb ich den Tipp mit auf den Weg – das man Berlin lieber selbst erleben sollte als zu versuchen dem Retrocharme eines Manfred Thierry Mugler zu folgen.

 

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