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Straight Jolly Fellows – Veselchaki im Teddy Programm

oder Rußlands Antwort auf die Königin der Wüste

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Die Stimmung am Potsdamer Platz glich irgendwie einem Teenykonzert – ein bissl Tokyo Hotel vor 8 Jahren, ein bissl Take That kurz vor der Trennung. Kreischende Menschenhorden, Fotografen wohin das Auge reicht und Security bis der Arzt kommt. All das aber nicht wegen der „schrägen Tyen“ vom russischen Film Veselchaki sondern wegen Pierce Brosnan und Demi Moore die genau in dem Moment ankamen als ick auf dem Weg zu Kino war. Mann, da war was los.

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Doch das war nur das Beiprogramm – wirklich interessant sollte der erste russische Drag-Film werden. Im übrigen wurde mir in der anschließenden Q&A Stunde bestätigt, das es im russischen auch DRAGQUEEN heißt und auch Rußland ganz klar zwischen Female Impersonators und Transexuellen unterscheiden kann. Allein die Frage hat mich schon wieder ein bissl erschreckt, ist Russland in Sachen Genderchange immernoch ein Entwicklungsland? Natürlich NICHT!… denn der Film lief sogar schon in Mütterchen Rußland und das mit Erfolg in deutlich mehr Kinos als erwartet. Die Frage warum der Film so eine unschönes Ende nimmt, wird vom Regisseur klar beantwortet.. das Leben ist nicht immer Sonnenschein und viele Schicksale haben kein Happy End. So auch das der Personen, die dem Regisseur Feliks Mikhaylov als Vorlage dienten. Von den fünf gezeigten Charakteren verweilen mittlerweile nur noch zwei auf dieser unserer bunten Welt. Nach Aussage der Filmemacher soll wohl 95% des Filmes realem Ursprung haben. Natürlich fiel auch die Frage, wie er denn zu dem „schrägen“ Thema kam… (ähhmm… warum denn schräg… hätte ich geantwortet) – er sagte jedoch das der Grund dafür simpel ist.. sowas gab es in Russland bisher noch nicht.. und das er den Drags viel verdankt und so ein Stück Dankbarkeit wiedergeben will.. was immer das bedeutet.

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Letztendlich hat mich jedoch am meisten beeindruckt das alle Darsteller im Film „straight“ sein sollen und ihre weibliche Seite erst nach Zusage der Rolle gedrillt haben, teilweise unter Zuhilfenahme aller möglichen Hilsmittel: dazu zählen ihre Frauen, Mütter, Töchter, Omas etc….. *smile* …. und dafür haben alle Beteiligten Ihre Sache gut gemacht… jetzt frag ich mich allerdings ob der Peter Alexander, Too Wong Foo, Pricilla Trend weiter anhält und auch noch weitere Nationen erreicht? Apropos Priscilla.. das fand der nette Herr ganz rechts auf dem Bild oben gar nicht lustig bzw. hat er den Vergleich wohl das ein oder andere mal zu häufig gehört. Als ich ihn nach der Vorstellung kurz sprach, um ihm und dem Regisseur mit einer echten Hetero-Dragqueen incognito konfrontierte und nur kurz das Wörtchen Priscilla erwähnte … Uiiii… war wohl der falsche Ansatz *lol* … aber naja… er erzählte mir dann das wohl der einzig ähnliche Bestandteil der beiden Filme, die Neigung der Schauspieler sei.. kannste mal sehen.. hab ick wieder watt gelernt.

Nun ein paar Worte zum Film. Er macht Spaß, immer dann wenn die Künstler auf der Bühne dargestellt werden, hat der Film wirkliche Höhepunkte. Tolle Bilder, schön geschnitten, mit wunderbaren Closeups in Szene gesetzt, nix beschönigt … und dazu passende Musik. Einzig das Laute im Film, die überzogene Gestiken, das Übermaß an Travestie stört ein wenig… aber es soll ja auch ne Komödie sein. Ich zumindest hab schon lange keine dieser überzogenen Darstellungen mehr gesehen… andererseits werde ich auch noch oft genug dabei ertappt die ein oder andere Geste zu sehr zu betonen… *smile*… Spannend fand ich die Wege der Protagonisten hin zum Glamourleben, die als Rückblick jedes einzelnen erzählt wurden. An so mancher Stelle gabs schon Parallelen … und eine ganz Wesentlich war… es satt zu haben diese Kunst hinter verschlossener Tür auszuüben und sich zu verstecken oder wegzurennen. Insofern… Ihr Marilyns, Ihr Marlenes, Ihr Divas und Travestie-Jungfrauen stellt Euch der Herausforderung, schlüpft in die Stöckel und tretet vor…

Nun freu ich mich auf JOE ARIAS WITH A TWIST und natürlich auf BEAUTIFUL DARLING! Wir werden sehen wer am Ende genug Unterhaltungswert hat um am Freitag mit dem Teddy nach Hause zu fahren.

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