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RENT – ein Musical in Berlin Weissensee

oder mittendrin statt nur dabei..

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RENT gastiert in Berlin. Regisseur Uwe Lockner bringt pünktlich zur Weihnachtszeit bzw. etwas danach ein Musical auf eine ziemlich ungewöhnliche Berliner Bühne, das mir bis dato vollkommen unbekannt war. Ick nenn mich zwar nicht Frau Dr. Allwissend aber in Sachen Musical kenn ick eigentlich ein paar. Und nun das. RENT: weit weit draussen im fernen Weissensee und nicht auf einer riesigen STAGE Bühne. Unabhängig wirkt die Produktion und sehr sehr sympatisch – allein schon wegen der Location und den jungen Darstellern. Das Delphi Stummfilmkino empfängt seine Gäste im außergewöhnlichen Musical Ambiente und doch irgendwie sehr authentisch. Keine Hightech Kulisse, keine Mega Effekte – wobei schon mit Beamern gearbeitet wird… purer Gesang und pures Musical inmitten der Gäste. Und wenn ich inmitten schreibe .. dann mein ich das so. Abgesehen davon konnte ich für den Abend niemand besseren als Begleitung finden als Berlins Kulturattache Martin… denn….

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… Kulturaffinität gehört in 2012 nicht wirklich zum guten Ton. Im Gegenteil, Theater kämpfen um jeden Besucher, ausverkaufte Säale waren gestern, heute betreibt der entertainmentsuchende Zweibeiner kurzentschlossen Partyhopping, immer bewaffnet mit ’ner Pulle Alkohol – sehr zum Leidwesen der Gastronomen. Ja, ganze Kofferräume werden präpariert um „Vorzuglühen“. Ein Rockmusical wie RENT wird es schwer haben, allein schon weil Touristen den Bezirk Weißensee wohl nur selten erkunden werden – wenn sie überhaupt schon mal von ihm gehört haben.  Dabei handelt RENT genau von solchen Bezirken in denen verarmte Künstler leben und Immobilienspekulation und Angst eine wesentliche Rolle spielen. Angst vor der Liebe und ein bisschen auch vor dem Leben wird in RENT mit rebellischen Aktionismus Rosa übermalt und doch bleibt ein Eckchen Grau zurück, das sich immer wieder, wie ein Pilz, über die ganze Wand frisst. RENT spielt in den 90zigern in Amerika und genau an der Stelle hätte ich mir ein wenig mehr Interpretationsfreiheit gewünscht. Denn wir sind wieder oder immer noch an dem Punkt, wo Menschen und Kunst aus ihren Behausungen verjagt werden, um Supermärkten oder Spekulanten Platz zu machen. Ob man nun nach Berlin Mitte ins Postfuhramt, Tacheles oder nach Berlin Neukölln schaut, es passiert direkt vor unserer Tür, jeden Tag. Warum also so weit reisen? Sebastian hat mir im Interview dazu gesagt das das Musical perfekt sei… man müsse nichts ändern. Nun… ich möchte behaupten, das in der rasend schnellen Zeit, wo Menschen wenig Zeit haben, um sich gedanklich auf Reisen zu begeben, es nichts geschadet hätte, den Spielort in das Hier und Jetzt zu verlegen – nach Berlin – nach Weissensee.

RENT lebt trotzdem und wird getragen von der Gruppe. Wenn mich jemand fragen würde was ich am besten fand könnte ich mich nicht entscheiden. Es war das Gesamtwerk, das miteinander, das Umfeld und die Tatsache das es authentisch und hautnah abgeliefert wurde – zumindest bei mir. Man möchte meinen das das was auf der Bühne und im Saal gezeigt wird, tatsächlich der Realität entspricht… selbst wenn es in der Darstellung hin und wieder in der Körpersprache sehr musicalmässig dargeboten wurde. Während die erste Hälfte meine Erwartungshaltung noch nicht ganz befriedigte holte mich die zweite Hälfte dann ganz ab. Passagen und Zitate wie „Warum macht erst Trennung klug“ oder „leb jetzt und hier“ waren es, die neben dem tragischen Tod von Angel und einer unerfüllten Liebe, dann doch die Gänsepelle haben sprießen lassen. Insofern ist RENT für jeden Musicalliebhaber ein gelungener Jahresaus- bzw Einklang und eine kleine Zeitreise in die 90ziger, die viele von Euch, sofern sie sie schon erlebt haben noch verdrängen, aber ich sag Euch … nach dem 70ziger und 80ziger Revival kommen laut Adam Riese nun die … na wer weiß, es wer weiß es…. jenau .. die 90ziger dran. Lässt Euch treiben und schaut bis zum 5.1. im Delphi Stummfilmkino vorbei ! Tickets gibt es HIER…

Ach und schlußendlich muß ich DOCH Stellung beziehen. Das schönste für mich war die Beziehung zwischen Angel und Collins… großes Gefühlskino selbst nach Ende der Show… wenn Schauspielerei – dann sehr sehr gute.. wenn nicht – Herzlichen Glückwunsch :-). Und alle die sich fragen ob sie im Delphi auch Snacks am Tisch zu sich nehmen können.. sei gesagt… JA und zwar leckere !

 

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