Mi. Okt 16th, 2019

Premiere Let’s twist again im Wintergarten Berlin

oder eine bunte Premiere mit ordentlich Bass

Wer meine Geschichte kennt der weiß das ich einer bestimmten Epoche sehr viel Zuneigung in meinem Leben gewidmet habe. Zu Mauerzeiten gehörte ich der Jugendabteilung an die mit wilder Tolle, weiten Jeans und viel Rock’n’Roll jede Menge Spaß hatte. Früher gab es dann in unserer Szene sogenannte “Plastics”. Das waren die Knallfrösche die versuchten ein bisschen Rockabilly abzukupfern aber irgendwie unecht aussahen. Der Berliner Wintergarten hat sich nun dieses Thema gut 30 Jahre nach meinen Exzessen in der Szene gewidmet und was soll ich sagen … mit den alten Songs der StrayCats und dem knallenden Sound eines gezupften Bassinstruments kam die Erinnerung wieder und ich ließ es mir nicht nehmen meiner wunderbaren Begleitung Bilder aus meiner Jugend zu zeigen. Insofern hatte mich das Programm im Wintergarten ziemlich emotional getouched – wenn auch nicht bei jedem Song. Doch die 100% übernahmen dann die Artisten die einmal mehr ihre Weltklasse unter Beweis stellten.

Ich habe selten so viele grandiose Acts gesehen – die ich in dieser Art und Weise einfach noch nicht kannte. Allein der Hulahoop Artist Igor Boutorine bewies das Hula Hoop viel mehr sein kann als Hüfte und im besten Fall auch noch Hals. Sich rollend über die Bühne zu bewegen und dabei mit den Füssen den Hoop zu übergeben ist einfach mal WOOOW gewesen. Dann war da noch Pavel Stankevych der meine Begleitung kurzerhand aus der Fassung brachte als er die Bühne betrat. Das war eigentlich kein Mann – das muss ein Gemälde sein, dachte sie wahrscheinlich und gab sich mit einem tiefen Seufzer dieser einzigartigen Performance hin. Ein Mann der der Schwerkraft mit solch einer Leichtigkeit trotzt musste einfach bewundert werden. Das war Handstandakrobatik die mit fliessenden Vor- und Zurückbewegungen einzigartig war. Genauso solche Momente sind es die mein Zirkusherz höher schlagen lassen. Zu all den grandiosen Bildern gab es auch tolle Stimmen, die live zur Akrobatik die ganzen Rock’n’Roll Klassiker zum Besten gaben, die wir so kennen und lieben. Aus meiner Sicht hätte es dem gesamten Abend nicht weh getan, wenn man nicht jede Sekunde der Vorstellung und damit jeden akrobatischen Akt mit Live-Musike unterlegt hätte. Hin und wieder eine kleine persönliche Anekdote zum Thema Rock’n’Roll oder einfach nur eine Projektion auf der immens teuren Videoleinwand wären auch gut gewesen um ein bisschen Luft zu holen – sollte aber nicht sein. Fannie Wilkens, Saudia Young, Lenard Streicher und Keye Katcher donnerten ein Hit nach dem anderen von Chuck Berry, Ray Charles und Buddy Holly ins Mikro und lieferten souverän ab. Ein bisschen Amy Whinehouse oder die Titelmusike von Dirty Dancing durften dann in der zweiten Halbeit auch nicht fehlen. Spätestens als “Rock this town” von den Stray Cats erklang und dazu das mehr als grandiose Trio Essence das Publikum zu euphorischen Applaus bewegte hätte man vorausschauend vermuten können … das Stück wird gut laufen.

Alles in allem war es ein sehr unterhaltsamer Abend mit einigen Ahhhsss und vielen Ohhhs, tollen Körpern, einer wilden sehr authetischen Band, grandiosem Licht und einer wunderbaren Kulisse – aber auch mit ein paar Längen in der zweiten Halbzeit und einem Intro das sich mir so überhaupt nicht erschließt. Man kann zwar behaupten das die Titelmusike von Rocky Horror Show immer geht… aber als Intro bzw. Zeitreisetool für eine Fiftiesshow? Mnhhh.. vielleicht bin ich dann tief in mir drin doch zu sehr Rock’n’Roller(in) um das zu verstehen. Abgesehen davon – wer bin ich schon … schließlich bin ich am Abend davor in einem aufgeblasenen T-Rex Kostüm auf der gleichen Bühne gestanden – hahahahhahaha … Bis zum Ende Juni spielt die Crew im Wintergarten Berlin, Potsdamer Str. 96, Tiergarten, Tel. 58 84 33, b Mi.-Sbd. 20 Uhr, So. 18 Uhr.