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Premiere – Im Namen der Raute – mit Mutti in die Distel

oder Muddi überlebt uns alle – soviel ist sicher

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© Jörg Metzner

Politisches Kabarett gehört jetzt nicht zu meinen Leibspeisen und doch finde ich immer öfter Geschmack daran. Allein schon aus dem Grund weil die Herren Entscheider aus den oberen Reihen nichts weiter sind als Wendehälse und Wegelagerer. Ja… ich möchte fast sagen mein Glaube in die Ehrlichkeit dieser Berufsgruppe ist weitestgehend entrückt. Aber immerhin kann man darüber noch lachen… auch wenn die verbalen Attacken der Distel in der Vergangenheit gern noch ein bißchen bissiger hätten ausfallen können. Doch neues Programm – neues Glück. So steht es geschrieben und wird von jedem guten Croupier geprädigt. Im Namen der Raute beschäftigt sich natürlich mit unserer Kanzlerin, die seit gefühlten 100 Jahren am Ruder des sinkenden Schiffes sitzt, das mit Volldampf schon riesige Eisberge gerammt hat und dessen Zwischendecks schon mehr als vollgelaufen sind. Und was macht Mutti? Sie schaut nicht nach rechts und links (wie auch ohne Hals?) und läßt geschehen.

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Die Distel widmet der Kanzlerin einmal mehr die ganze Aufmerksamkeit und zaubert mit wunderbaren kleinen Anekdoten, die zumeist mit viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt sind, eine Geschichte um Abhörspezialisten, Entführungen, Verfehlungen und natürlich Ausgrenzungen. Allein das Bild von Moses als Einwanderer der an der Grenze der EU verzweifelt ist ein kleines Gemälde mit Berliner Schnauze. Dazu muß man sagen das Caroline Lux in diesem Stück ganz klar die Hosen an hat. Punktgenau, gesangsstark, WANDLUNGSFÄHIG und grazil verkörpert sie unzählige Charakter, von der rasenden Tittenreporterin über unsere Kriegsministerin bis hin zur Wahrsagerin war alles dabei und ich konnte mich am Ende nicht festlegen welcher der vielen Rollen ihr am besten gestanden hat. Aber auch die Bühnenbildner und die Maske haben eindeutig Neuland beschritten. Naja.. und zu guter letzt belebten Slapstickelemente und aktuelle Liedtitel das neue Stück im 61 Jahre alten Kabarett. Wenn man über etwas meckern wollen würde und eyyy.. wir leben in Deutschland, da ist meckern Programm,  dann nur das es an manchen Stellen zu soft war… gerne hätte ich noch hammerharte böse Pointen gehört und Wortgemetzel in Vollendung. Dennoch.. ich habe mich köstlich amüsiert, viel gelacht, war bezaubert von Caroline und den vielen kleinen Ideen.

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Ein besonderes Highlight sowohl in der Inszenierung als auch im Spiel war die Szene mit Mutti und ihrer First Lady im Bett – wohlgemerkt senkrecht! Toll, neu und klug beleuchtet. Danke Distel – das ihr politisches Kabarett in die Nähe des Boulevard Theaters rückt und frech eine Liaison mit der modernen Comedy wagt – denn nur so macht Politik wieder Spaß – als Vorlage für spassige Abende in der Distel. Für alle die sich selbst von diesem Spektakel mit Songs wie „Tausendmal berührt“ oder „ich lass für dich das Licht an“ hinreissen lassen wollen – empfehle ich diese Webseite und den TICKET Button.. !

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© Jörg Metzner

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