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Malakhov wird verrückt – Peer Gynt Premiere im Staatsballett Berlin

oder wer den Kopf in den Sand steckt darf sich nicht wundern


© Bettina Stöß

Die Premiere des neuen Stückes Peer Gynt von Heinz Spoerli im Staatsballett Berlin hat zwei Seiten. Eine davon ist unglaublich kraftvoll und bildgewaltig, die andere irre und zwiespältig. Fangen wir mal mit der kraftvollen an. Wow… was für ein Bühnenbild. Da öffnet sich der Vorhang nach der Pause und man wird mehr oder weniger geblendet von der Wärme des Marokkanischen Sandes der die gesamte Bühne zentimeterdick bedeckt. Schon im Zauberer von OZ stand mir der Unterkiefer weit offen, weil sowohl Videoinstallationen als auch Bühnenbild bei aller Reduziertheit grandios auf dem Punkt gebracht wurden. Nun aber konnte man selbst im weit entfernten Rang der Deutschen Oper die Wärme und die Sonne des fernen Marokkos spüren. Es ging dabei um Peer Gynt, der von Selbstbetrug und Verblendung in immer entferntere Gegenen dieser Erde getragen wurde, um letztendlich alles zu verlieren. Ein Drama was sich auch sehr gut in die Realität übertragen läßt !!

Während Malakhov seine tänzerischen Qualitäten als Peer Gynt nicht wirklich ausspielt, lebt das Stück von den vielen kraftvollen Bildern, der schauspielerischen und gesanglichen Darbietung und natürlich von der Geschichte selbst, die irgendwo zwischen David Lynchs Wahnsinn und Woody Allens Poesie angesiedelt scheint. Normalerweise stehen ja Ballett Choreografien im Vordergrund und Hardliner haben auch schon wieder hinter vorgehaltener Hand getuschelt, ob Vladimir Malakhov den Jüngeren Platz machen sollte, um sich eher vor der Bühne zu beweisen… aber ich denke das es ebenso erfrischend sein kann mal neues zu wagen. Und ich spreche da aus eigener Erfahrung. Peer Gynt ist, genauso wie der Zauberer von OZ keine klassische Ballettinszenierung in der sich die Tänzer mit halsbrecherischen Standardsprüngen überbieten und dennoch sieht mal viel Tanz auf der Bühne. Mindestens ebenso ausdrucksstark ist die schauspielerische Leistung der Akteure und die Entscheidung den Hauptdarsteller durch einen Tänzer und einen Schauspieler zu inszenieren.


© Bettina Stöß

Aber es gibt auch noch eine andere Seite von Peer Gynt. Während man den warmen Wüstensand unter den Zehen spüren möchte ist die kühle Kulisse Norwegens eher unangenehm, ja ich möchte sagen das ich mit der Fassung gerungen habe. Jede Haarwurzel war gereizt. Allein die Vorstellung das wir angekommen sind im kalten Winter dieser Stadt läßt einem Angst und Bange werden. Im Grunde bestätigt das jedoch wieder den Leitspruch des Berliner Staatsballetts, das man ganz und gar bewegt wird, aber so richtig anfreunden konnte ich mich mit der Szenerie nicht. Die geistesgestörte Darstellungen im Irrenhaus haben nicht wirklich geholfen diesen Teil zu überwinden. Das Inszenierung folgte damit einen für mich angepassten Emotionsbogen, der anfangs flach gehalten wurde um zur Mitte bis aufs äußerste gespannt zu werden und am Ende etwas Spannung verlor. Peer Gynt bietet gerade für die Neueinsteiger der Tanz- und Ballettkunst eine willkommene Abwechslung, eine Mischung aus viel Emotion, Schauspielerei, Gesang !!, kraftvollen Tanz (der Bergkönig war der Hammer !!) und toller musikalischer Zugabe machen es sehenswert – und dennoch hat mir Schneewittchen und Zauberer von OZ etwas besser gefallen :-) …

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