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Love Parade meets Fussball-Fanmeile meets CSD 2011 Berlin

oder laut Polizeisprecher gab es beim Berliner CSD keine Zwischenfälle. Denkste!

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©
Leoward A. Cabangbang

Worum geht es beim CSD? Geht es um die jährliche ungezwungene Zurschaustellung unzähliger schwuler, lesbischer und Transmenschen die durch die Straßen der Hauptstadt tingeln? Geht es um das ganz große Marken/Produktplacement? Immerhin säumen ca. 700.000 Menschen die Straßenränder. Oder geht es darum mehr Respekt im Miteinander zu propagieren und die Menschen in ihren unterschiedlichen Facetten zu akzeptieren? Tja… so genau kann man das beim CSD nicht mehr differenzieren. Manche Medien sprechen von Love Parade Ersatz, andere prangern die Kommerzialisierung der eigentlichen Demo an. Ich will mich gar nicht festlegen was es nun war. Fakt ist, niemals zuvor hab ich so viele verrückte Tunten gesehen und niemals zuvor so viele beschissene besoffene Hetero-Arschlöcher. Sorry meine lieben Leidensgenossen… was ihr da dieses Mal an der Berliner CSD Strecke fabriziert habt war grenzwertig… oder besser gesagt eigentlich so unterirdisch das es mir ein wenig unangenehm war eben zur selben „Glaubensgemeinschaft“ zu gehören… schließlich war ick außerirdisch 😉 Warum es immer wieder besoffene heterosexuelle Fußballidioten sind, die dieses Klischee erfüllen, kann ich auch nicht sagen… aber es scheint das der kleinste gemeinsame Nenner im Hirn eines Ballsportl-Akrobaten echt der Suff ist.

Der Berliner CSD ist eigentlich immer eine sehr friedliche Veranstaltung. Eigentlich! Wenn aber eine Fanmeile auf die CSD Strecke trifft dann mischen sich da zwei Pole die sich eigentlich abstoßen. Wenn also besoffene Schaulustige die „bunten Vögel“ begaffen um sich einerseits drüber lustig zu machen andererseits einfach mal ein bissl zu pöbeln dann ist von wirklicher Akzeptanz keine Spur. Die Akzeptanz lag dann eher bei den aufgebauten Getränkeständen  … is ja auch wichtig – sonst erträgt man die ganzen „Andersdenkenden“ gar nicht. Dieser Eindruck wurde bei mir dieses Jahr extrem verstärkt, was an meinem diesjährigen Kostüm lag. Unzählige Menschen kamen in gefühlten Reisegruppen auf mich zugestürmt weil sie etwas erkannten das ihnen James Cameron vor über einem Jahr geschenkt hat… eine Illusion von einer besseren Zivilisation fern von diesem Planeten. Die AVATARE. Und genau das muß der Grund gewesen sein warum die unzähligen Schwachmaten sich auf uns zubewegt haben. Sie erkannten etwas was Ihnen lieb war, was ihnen vertraut war, was auf keinen Fall anders sein kann… Ich weiß nicht genau wie oft ich lieber NEIN gesagt hätte zu einem Fotowunsch… aber weil es hier um Respekt geht, letztendlich dann doch meistens freundlich gelächelt hab. Es gab so freundliche Fotoanfragen wie: „Eyyy AVATAR Foto eyyy!!“  oder einfach nur „Fotoooooo!! los!“. In der einen Hand ein Bier in der anderen ein Handy… so geht man heute auf „Demonstrationen“. Das uns teilweise das Kostüm ruiniert wurde lag wohl an dem genetisch verankerten inneren Trieb jedes Mannes Schwänze anzufassen und wenn man als heterosexueller Mann die Gelegenheit hat an einem blauen Avatarschwanz zu zerren, ohne das man als „Schwuler“ von den Freunden abgestempelt wird, dann nutzt MANN offenbar gerne die Gelegenheit und greift zu. Abgesehen davon wurden auch Freunde von mir unangenehm angepöbelt und sogar geschlagen… !!! Hallo… sowas geht einfach mal gar nicht.

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Warum ich dennoch wieder hingehen werde… ? Weil das glücklicherweise dann doch eher die Ausnahmen waren. Zwar haben sich die Ausnahmen gehäuft je näher wir der Siegessäule und damit der vermeintlichen Fanmeile kamen aber es waren trotzdem im Vergleich zu den Massen die Fotos wollten dann doch die Ausnahme. Was nicht heißt das mir viel zu oft meine sexuelle Ausrichtung unangenehm war… ! Allerdings muß ich dazu sagen das es natürlich auch unter der schwulen Fangemeinde echte geistige Tiefflieger gab .. nur eben weniger Aggressiv. Der Marsch als Avatar Na’vi über die Berliner CSD Strecke war schon einzigartig. Wie anfangs erwähnt traf dieses Kostüm offenbar einen Nerv wie selten eins zuvor. Menschen aus allen Altersklassen waren unglaublich verzückt und gierten nach einem Beweisfoto mit den Ausserirdischen, das wir zumeist auch gewährten – sofern nicht wieder ein riesen Truck uns in den Hacken fuhr. Am schönsten allerdings waren die Kinderaugen. Und wenn ich ganz ehrlich bin.. waren es meine ganz persönlichen schönsten Augenblicke … eben diesen Kinderaugen eine Freude zu machen. Ich mußte nicht lange suchen nach den Steppkes, die mit ihren kleinen Fingern auf uns zeigten und Mutti anfing aufgeregt in der Handtasche nach der Kamera zu kramen. Eben für diese Freude und die zitternden Hände der Mama das sie diesen kurzen Augenblick nicht mit einem unscharfen Bild versaut, hat sich die Arbeit gelohnt. Einerseits hoffe ich damit natürlich auch für ein ganz kleines bisschen mehr Akzeptanz für Andersartigkeit in  seiner extremsten Form eine Lanze zu brechen andererseits war es mir auch eine Freude einfach „nur“ eine tolle Erinnerung in den Köpfen der Menschen zu sein.

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