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Künstler gegen AIDS 2016 – die Gala mit Geschmack

oder ein Familientreffen der Pailettenliga

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Immer wenn die kalte Jahreszeit sich ankündigt heißt es im Theater des Westens: Künstler gegen AIDS Gala. Warum? Weil die Krankheit noch immer eiskalt eine Bedrohung bleibt, sowohl gesellschaftlich als auch gesundheitlich. Mit HIV kann man mittlerweile Leben aber die Nebenwirkungen der Medikamente sind alles andere als mal eben ’ne Brausetablette schlucken. Viel schlimmer ist aber die Stigmatisierung der Betroffenen durch das Umfeld und die Unwissenheit. Das gilt übrigens auch für Menschen, die sich nicht testen lassen. Ihre Überlebenschance sinkt rapide bei zu später Diagnose. Unwissenheit schützt nicht vor tödlichen Konsequenzen. Das alles wurde mehr als einmal deutlich ins Publikum geschleudert, in der Hoffnung, das es sich viral verbreitet. Manches darf sich dann doch ausbreiten… ohne das Ratiopharm dagegen ’ne Pille entwickeln muß.

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Doch laßt mich nochmal von vorne beginnen. Der Abend begann mit einem netten Beisammensein im wunderschönen Hotel am Steinplatz bei sehr leckeren Häppchen und einer nigelnagelneuen Eisstockbahn im Hof. Leider habe ich bei den Gesprächen ein wenig die Zeit aus dem Auge verloren und ausserdem die Schlange unterschätzt, die per Chauffeur Service zum Theater transportiert werden wollte. Letztendlich fiel die Wahl dann doch auf das eigene Gefährt, wobei wir dennoch etwas zu spät dran waren. Das bedeutete schnell den roten Teppich stürmen… natürlich nicht ohne ein kleines Hauen und Stechen, weil offenbar viele auf den letzten Drücker kamen …. und es blieb nicht einmal Zeit die Mäntel an der Garderobe abzuwerfen, weil auch dort die Schlangen überlang waren. Sowieso hatte ich diesesmal den Eindruck man hätte das Theater zu 150% belegt… es war ein Gedrängel, das ich permanent meine Nipple Pasties neu platzieren musste…. ein Glück hatte ich zwei große Airbags am Körper 😉 ….  was mich aber letztendlich zu der Erkenntnis führte, das ich wohl das nächste Mal lieber gleich ins Theater fahre. Anyway… mit 20 minütiger Verspätung begann das Programm und schon mit dem ersten Ton der zauberhaften Katharine Mehrling war ich wieder versöhnt. Spätestens beim zweiten Lied, einem Medley aus unzähligen Musicalhits und Klassikern der guten alten Zeit begann dann meine Versöhnung in Liebe und Gänsepickel umzuschlagen. Berlins Nr. 1 eröffnete den Abend grandios und übergab anschließend den Staffelstab an die Moderatoren des Abends Klaus Wowereit und Annabelle Mandeng. Ich fand das beide nicht wirklich harmonierten – Klaus verlor irgendwie die sonst so prägnante Lässigkeit und taute erst zum Ende der Show wirklich auf und Annabelle haute einige freudsche Versprecher raus …

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Nichtsdestotrotz gab es mit Angelika Milster, den Flying Steps, Teilen des Musicals Sinster Act und den wiederbelebten Caught in the Act ein buntes Programm das am Ende die Leute im großen Saal sogar tanzen ließ und das ist schon eine echte Herausforderung. Eine wirklich schöne wenn auch etwas zu lang gezogenen Laudatio kam von Rita Süssmuth für Frau Momper, die sich seit Jahrzehnten für die Aidshilfe und betroffenen Menschen intensiv einsetzt und das bisher offenbar mit zu wenig Beachtung – es gab jede Menge Standing Ovations für das Engagement. Ach der Kosmetikkonzern MAC zeigt Flagge und spendete diesmal runde 100.000 Dollar für den guten Zweck. Bei der Gesamtsumme von 440 Mio. die als Spendengelder weltweit geflossen sind, kann man schon mal applaudieren, fragt sich aber gleichermaßen was die verdienen müssen um solche Summen loszueisen. Dennoch… Hut.. bzw. Perrücke ab. Insgesamt war die Künstler gegen AIDS Gala 2016 aber doch eher ein Familientreffen – es fehlten ein wenig die internationalen Stars aber wen juckts… mit Freunde quatschen ist eh viel schöner als Selfies mit Promis zu erwarten ;).

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Die Aftershow begann wie üblich mit dem Run auf das Buffet. Immer wieder fasziniert mich die Angst der Menschen nix mehr abzubekomen – wobei ich nicht wusste das die Caterer das Essen tatsächlich früh abbauen – ich glaube kurz nach Mitternacht war alles essbare abgeräumt. Mein persönliches Highlight war jedoch ein ganz anderes. Ich hatte vor einigen Jahren mal das Vergnügen im TIPI an einem Tisch mit Helmut Baumann zu sitzen. Natürlich kamen wir ins Gespräch und nachdem er mir Teile seines Theaterlebens offenbarte wuchs das Erstaunen um so mehr. Nun stand der Mann wieder im wunderbaren Theater des Westens am Piano und gab einen kleinen musikalischen Beitrag zum besten – zwar nicht auf der Hauptbühne dafür aber mit jeder Menge „Narren“ als Zuhörer. Ich warte ja schon lange auf eine große Neuinszenierung des Klassikers „Ein Käfig voller Narren“ im Theater des Westens. Knapp 170.000 Eur wurden an dem Abend durch die Gäste und zahlreiche großzügige Spenden generiert – ein Betrag der hilft den Weg wieder eine klein wenig zu ebnen. Bis zum nächsten Jahr…. dann aber schon im Oktober.

 

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