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Jean Paul Gaultier in der Kunsthalle München

oder ein Schock der Sinne

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Jean Paul Gaultier gehört defintiv zu den Übermenschen der Modebranche und dennoch kann ich sagen – er ist bodenständig geblieben. Freundlich und umgängig durfte ich mit ihm bei der letzten Künstler gegen Aids ein paar Sätze wechseln und konnte förmlich spüren wie sympatisch der Mann ist. Nun… da lag es nahe einer Empfehlung von meinem Couturiere Hedoluxe nachzugehen und schnell noch in die Kunsthalle München zu düsen um eine Ausstellung über sein Schaffen zu erleben. Noch vor dem Eintreten sprang mich die Berliner Sympatiewelle eines Kartenabreissers an und bevor man den Rundgang dann beginnen konnte, wurde man schon vom ersten Traum in glitzernden Swarovskis empfangen. Wo bitte bekommt man solche Stoffe her?. Was dann folgte läßt sich schwer in vernünftige Sätze zusammenfassen – damit meine ich das es mir schwer fällt vernüftige Sätze aus Subjekt, Prädikat und Objekt zu bilden, denn ich würde am liebsten einfach grenzenlos viele Superlative benutzen. Das dieser Mann ein Genie ist kann sich jeder denken… obwohl ich tatsächlich gestern auf den Münchner Wies’n dann doch Menschen traf, die den Namen noch nie gehört haben. Arme verirrte Wesen im Jeanslook.

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Neben der Präsentation der unglaublichen Mode besticht die Ausstellung durch eine Art Interaktion, die beinahe spooky daherkommt, denn ab dem zweiten Raum fangen die Puppen an mit dem Betrachtern zu interagieren. Zumindest scheint es so. Man erschreckt fast wenn einem das Gesicht der Puppen plötzlich zuzwinkert und im Anschluß auch noch mit den Lippen schnallst 🙂 Statt langweiliger Infotafeln (die es letztendlich auch gibt) erzählen die Puppen ihre Geschichten und ziehen Grimassen. Absolut Sensationell. Die einzelnen Räume sind thematisch unterschiedlich in Szene gesetzt und zeigen Teile seiner vergangenen Kollektionen. Ob nun für David Bowie, Kylie Minoque, Madonna oder Conchita… jedes der Ausstellungsstücke besticht durch Genialität. Diese Couture mal so aus der Nähe zu bewundern hatte fast etwas fetischlastiges… am liebsten hätte ich die Sachen angefasst und manches Stück auch gleich vom Fleck weg anprobiert. Natürlich ist so viel „Interaktion“ nicht gewünscht aber FUCK … ich war schon vollkommen geflashed von den ersten vier Räumen und dann kam der grandioseste Teil seinen Schaffens. „A fleur la peau“ stand am Eingang und was mich danach ansprang war einfach unfassbar. Catsuits aus traumhafter Spitzt mit integrierten Korsett oder ein Catsuit mit Harness bedruckt mit Muskelfleisch und verziert mit Millionen von Svarowskis.

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Man kann bei dieser Ausstellung nicht mehr nur von einer Inspirationsquelle sprechen. Die Jean Paul Gaultier Ausstellung in der Kunsthalle München gehört neben der Bowie Ausstellung in London und dem Abba Museum in Stockholm zu den wichtigsten Präsentationen, die ich je gesehen hab. Modern, spannend, interessant, vielseitig und einfach genial. Wahrscheinlich wird ein solches Fashion-Meisterwerk niemals meinen Körper zieren, obwohl ich natürlich die Leistungen meiner Kostümmacher nicht schmälern will, aber ich stand gelinde gesagt unter Schock und hätte am liebsten angefangen zu weinen – wobei ich mir im nachhinein nicht sicher bin ob aus Frust oder Glück. Das ist wirklich wahr… dieser Mann hat es geschafft mit Mode mein Gemüt aufzuwühlen und mich mit Schönheit zu schockieren.

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Als kleine Anekdote blieb dennoch. Dieser Raum voller „Unterwäsche“ war wohl für manch prüden Münchner dann doch zu viel. Eine ältere Frau hat ihren Gatten nach kurzer Betrachtung der halbnackten Puppen fast an den Ohren aus dem Raum gezogen mit der Ansage: „Das ist ja pornografische Unterwäsche – so eine Kunstausstellung hab ich ja noch nie gesehen“ … Mir blieb in dem Augenblick ein bisschen die Spucke im Hals stecken und ich sah den beiden Verirrten mit einem lächeln nach.

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