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Geschichts-Exkursion: Jean Malin, Hollywoods erste Drag Queen

oder in Erinnerung an den Wegbereiter der Drag Queens und der göttlichen Pansy Craze Zeit

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photo: www.queermusicheritage.us

Von Zeit zu Zeit sollte man auch mal in der Vergangenheit stöbern. Leider gelang mir das in der Vergangenheit nicht mehr so häufig wie zu Beginn meiner Schreiberei, wo ich des öfteren in der Historie rumgeschnüffelt habe und viele spannende Geschichten über die Travestie, Dragqueens und Künstler in Fummeln las. Beispiele sind z.B. Jimmie Callaway, Jackie 60, Divine oder ganz allgemein über Female Impersonators der Vergangenheit.

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photo: www.queermusicheritage.us

Jean Malin wurde am 30. Juni 1908 als Victor Eugene James Malinovski als Kind polnisch/litauischer Eltern in Brooklyn/New York geboren. Der Arbeitersohn war eines von insgesamt fünf Kindern. Er verspürte schon früh den Drang zur Bühne. Nicht ganz unbegründet, denn schon als Teenager gewann er verschiedene Preise mit seinen Kostümen für die Manhattan Drag Balls der 20er Jahre. Schon als heranwachsender Knabe arbeitete er als Chorsänger in verschiedenen Broadwayshows jener Tage. Kurioserweise verlor er zu dieser Zeit einige Jobs, weil er zu „tuntig“ gewesen sei. Zur gleichen Zeit arbeitete er bereits in verschiedenen Clubs in Greenwich Village als Female Impersonator, heute nennt man uns… Drag Queens.

Im Alter von 22 Jahren nahm Jeans Karriere eine höchst interessante Wendung. Obwohl er bei seinen damaligen Auftritten von Helen Morgan, einer damals sehr bekannten Drag Queen, begleitet wurde, trat Jean selbst nicht als Female Impersonator auf. Seine Rolle war es, als offensichtlich schwuler Herr aufzutreten. Er erschien auf der Bühne oder mischte sich unter das Publikum. Gewandet im Smoking war er der witzige, schwule Zeremonienmeister. Seine Rolle war stark überzeichnet und übertrieben schwul angelegt, prägte aber viele ähnliche Acts, die von ihm inspiriert waren. Er wurde damit zum Vorreiter und Mitbegründer des „Pansy Craze“, einer auf plakativer Homosexualität basierenden Comedy bzw. Varieté-Kunst. Die Koketterie mit den Geschlechtern und der offensichtlich dargestellten Tuntigkeit traf den Nerv der Zeit. Das Publikum liebte elegant-frivole Varieté-Programme.

Nachdem er große Erfolge in New York und Boston gefeiert hatte. Zog es ihn nach Hollywood, wo er den Film für sich eroberte und in einigen Produktionen mitwirkte. Die Sterne in Hollywood standen mehr als günstig für Jean Malins weitere Karriere, als ein tragischer Unfall seinem Leben ein Ende setzte. In den Morgenstunden des 10. Augusts 1933, ironischerweise kurz nachdem er seine Abschiedsvorstellung im „Ship Cafe“ in Venice, Kalifornien gegeben hatte, fand Jean Malin den Tod. Er und zwei Freunde stürzten in Santa Monica mit dem Auto vom Pier ins Wasser…. Gerüchten zufolge verwechselte er die Gänge. Eingeklemmt unter dem Steuerrad starb Jean Malin im Alter von 24 Jahren in den Fluten. Und obwohl ihn viele zu jener Zeit für eine Eintagsfliege gehalten haben, so hat er doch den Weg bereitet für die Drag-Queens, wie wir sie heute kennen.

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