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Ein Ball im Savoy in der Komischen Oper

oder von wegen die privaten Sender haben die Daily Soap erfunden!

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Iko Freese / drama-berlin.de

Drei ganze Stunden die Leichtigkeit der wilden Zwanziger. Drei ganze Stunden bezaubernde Kostümvielfalt. Und drei ganze Stunden Gesang, der glücklich macht – das ist der Ball im Savoy in der Komischen Oper. Eine Inszenierung, die anknüpft an den Erfolg von 1932 und das fast 100 Jahre nach der Erstaufführung im Großen Schauspielhaus in Berlin. Leider wurde der Erfolg des Stückes durch die Nazisklotzköpfe im Keim erstickt und jegliche Nachkriegsinszenierungen sollen wohl arg beschnitten worden sein. Doch dann kam er … SUPERKOSKY ;). Er nahm sich dem ganzen Stück von Paul Abraham an… ja sogar jeder kleinen Pointe und garniert diese auch noch mit zusätzlichen Erfolgstiteln des Altmeisters. Trotzdem wirkt das Stück nicht wirklich überladen.. denn was an Detailverliebtheit bei den Kostümen und der Inszenierung eingebracht wird, spart Barrie Kosky im Bühnenbild. Und genau an der Stelle fehlt es mir an dem etwas mehr… ich liebe das spartanische Drumherum der West Side Story aber auch das übervolle prunkvolle Bühnenbild von Clivia. Doch Ball im Savoy ist irgenwo mittendrin… beinahe möchte ich sagen unvollständig.

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Iko Freese / drama-berlin.de

Dabei fing das Stück schon wieder so berauschend kleinteilig mit einem Gesangsakt im Publikum an.. konsequenterweise hätte ich die 5 Sänger in die erste Reihe gesetzt aber dann hätten 5 Plätze nicht verkauft werden können… und in der Kultur zählt eben jeder Pfennig – wer wenn nicht ich, kann davon ein Lied singen. Im Anschluß brilliert die Technik einmal mehr und schöne Schattenspiele zu beschwingtem Tanz entführen die Zuschauer, in die umtriebigen Zwanziger rund um die Welt. Luxus und Vergnügen dominierte das Leben und Liebe ist so vergänglich wie ein offener Wein. Die ganze Geschichte hier wiederzugeben wäre jetzt langweilig – nur soviel.. es handelt von Liebe, Eifersucht und vermeindlichem Betrug. Um es in der heutigen Sprache zu formulieren.. es ist eine typische Daily Soap – mit allem was dazugehört.

  • Iko Freese / drama-berlin.de
  • Vorfreude...
  • ... und Finale!

Jetzt könnte der ein oder die andere aus meinen ersten 280 Wörtern ein Hauch von Enttäuschung lesen.. doch spätestens als Katharine Mehrling im atemberaubenden Burlesque-/Federkostüm auf die Bühne kommt und diese damit sofort im Ganzen einnimmt, natürlich auch mit ihrem einzigartigen stimmgewaltigen Organ, ist jegliche Erwartungshaltung befriedigt – zumindest ging es mir so. Diese „kleine“ Frau schafft das, was Legionen ihrer Kolleginnen UND Kollegen nichtmal im Ansatz hinbekommen – sie wirkt übergroß – fast mächtig, macht die große Bühne der Komischen Oper winzig klein und entzückt mit kupferfarbenen Haar und einzigartigen Kopfschmuck. Auch Helmut Baumann überzeugte mich als Attaché er türkischen Botschaft in Paris und Schürzenjäger, genauso wie viele Tänzer und Sänger des Ensembles aber nur Katharine macht den Ball im Savoy zur verruchten Glamour Spielstätte der Eifersucht – und dabei ist sie nur Beobachterin der Zänkellei zwischen Dagmar Manzel und dem umtriebigen Gatten. Der Ball im Savoy ist eine stimmlich wunderbare und kostümtechnisch brilliante Abendunterhaltung mit großer Besetzung und etwas klamaukigen Augenzwinkern – eben eine Operette der Komischen Oper. Der Februar, März und April halten noch Spieldaten bereit und wenn mein Auge nicht täuscht findet man HIER noch Restkarten in allen Kategorien. Prädikat: die komische Oper goes Daily Soap auf die Bühne – also weg von der Glotze – rein ins Theater!

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