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Eddie Redmayne ist The Danish Girl

oder ein besonderes Leben

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Als ich das erste Mal von The Danish Girl hörte, war ich überrascht, das sich jemand dieser wahren Geschichte angenommen hat. Auch wenn die Filmvorlage selbst teilweise mehr eine Fiktion ist als der Realität entsprach, so geht es in diesem Film doch wohl um das Thema Transgender. Und das wurde mit guter Emotionalität und wunderschönen Bildern realisiert. Schön inszenierte Menschen leben ein weitestgehend sorgenfreies Leben und stehen zueinander bis der Tod sie scheidet… Ich glaube das war nicht gespoilert, denn wer sich mit dem Thema Lili Elbe auseinandergesetzt hat, der weiß, das sie das nicht überlebt hat. Wobei der reale Tod nicht durch die erste dokumentierte Geschlechtsangleichung eintrat sondern durch den Wunsch der Organverpflanzung, aber sei es drum. Hollywood nimmt solch Dinge generell nie so genau…

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Das Thema Transsexualität bleibt dennoch gefühlvoll inszeniert und viele Menschen in ähnlichen Situationen werden sich in dem Film wiederfinden – dessen bin ich mir sicher. In den entsprechenen Foren überwiegt der Zuspruch – was gerade auf Travesta doch sehr sehr ungewöhnlich ist. Mich persönlich hat nicht die „Geschlechterfrage“ an den Film gefesselt, sondern die Entwicklung der Beziehung zwischen Einar und Gerda. Wenn aus Spiel Ernst wird und Menschen aus ihrer Komfortzone heraustreten, dann zeigt sich wie Nahe man dem Gegenüber jemals stand. Es gab jede Menge Momente im Film, in denen ich Parallelen zu meinem Leben entdeckte und wenn einem das so vor Augen geführt wird, dann schluckt man mehr als einmal. Ich erinner mich gut daran wie ich das erste Mal als Frau ausgegangen bin und noch besser daran, wie ich das erste Mal als Frau mit meiner Frau ausging – ich hatte mehr Bammel als auf allen Red Carpets, die ich bis dato erlebt hatte. Ich red mir immer ein, das auch viele andere „Eigenarten“ eine Beziehung belasten bzw. zerstören können und das eine Partnerschaft aus unendlich vielen Kompromissen bestehen muß – aber ist das so? Wir werden alle immer älter und mit den Jahren verschrobener – unser Umfeld läßt uns zunehmend verhärmter werden und leichtes Leben findet man kaum noch in dieser technisierten und viel zu schnellen Welt. Egoismus gehört zum Tagesgeschäft, Rücksicht und Respekt verlieren sich im morgentlich runtergestürzten Kaffee und Menschen jagen Menschen nur weil sie vermeindlich anders sind als irgendeine dämliche „Norm“. Alles hängt immer an einem seidenen Faden. Da sind „Sonderlichkeiten“ dieser Art in einer Beziehung wirklich HARTE Arbeit.

Der Film machte mir auch irgendwie Angst – weil man auch sah, das seit 100 Jahren gar nicht so viel besser geworden ist. OK .. die Medizin schon, auch bekommt man zumindest in Deutschland keine Löcher mehr in Kopp gebohrt um „geheilt“ zu werden und fiese Bestrahlungen haben sich als Therapie glücklicherweise nicht durchgesetzt aber ansonsten… ??!? … ist es denn so viel besser? In meiner Rolle als Sheila Wolf werde ich noch immer angestarrt, ausgelacht, kopfschüttelnd gemaßregelt und natürlich auch als „krank“ oder „pervers“ identifiziert.

„Ich kämpfe gegen die Voreingenommenheit des Spießbürgers, der in mir ein Phänomen, eine Abnormität sucht. Wie ich jetzt bin, so bin ich eine ganz gewöhnliche Frau“ Zitat Lili Elbe

Ich gebe zu das es bei mir weniger geworden ist aber ich gönn mir auch den Luxus, mein Publikum und die dazu gehörenden Events selber auszusuchen und kann im „normalen“ Alltag in der Masse untertauchen  (obwohl ich das eigentlich nicht wirklich gern mache) Jemand der sich im falschen Geschlecht wiederfindet kann das nicht. Er muss jeden Tag mit diesen Reaktionen rechnen und leben. Auch wenn man den Schmerz der Protagonisten im Film fast fühlen kann, die Zerrissenheit, die Last auf den Schultern von Einar UND Gerda, so sieht man im Kino doch eine schönere Traumwelt mit maximal zwei bis drei kurzen Ausflügen in die übliche Ablehnungshaltung der Gesellschaft. Ob es heute noch Ärzte in Deutschland gibt, die denken, sie „bekommen das wieder hin“, hoffe ich zwar nicht, könnte es mir aber vorstellen. Der Film ist dennoch sehr gut weil er das Thema der Andersartigkeit einmal mehr auf die Netzhaut der Betrachter brennt – schonungslos und mit allen Konsequenzen. Leider zeigt sich auch hier das solche Themen nicht mal die großen Mulitplex Kinos erreicht weil es wahrscheinlich zu wenig Mainstreamer interessiert. The Danish Girl lebt von der herausragenden Darstellung der oscarverdächtigen Hauptrolle des Einar Wegener/Lili Elbe gespielt von Eddie Redmayne, von wunderschönen Bildern und mitfühlender Tragik mit Taschentuchgarantie. Ich wünschte dieser Film würde in Zukunft als Aufklärungsmaterial in Schulen benutzt und könnte so ein bißchen helfen zu vermitteln. Mein Prädikat: Reingehen und Mitfühlen.

Im übrigen findet ihr HIER eine tolle Gegenüberstellung der Realität zum Film.

 

 

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