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Dresden’s Travestie Hochburg – Wiedereröffnung des Carte Blanche

oder ein Trip in die neue Kostümwelt von Zora Schwarz

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Das Hochwasser hatte dem altehrwürdigen Travestietheater in Dresden leider übel mitgespielt und es stand zeitweise in den Travestiesternen ob Zora Schwarz, die Besitzerin, diesen Gewaltakt der Renovierung gebacken bekommt. Nun da ich am Donnerstag zur feierlichen Wiedereröffnung eingeladen wurde, kann ich sagen, sie hat es. Und natürlich will man bei so einem Relaunch gleich alles besser machen als vorher. Die Location strahlt und glitzert in jedem Eckchen und auch wenn kaum mehr als 100 Personen in dieses Keller-Revue Theater passen – der erste Eindruck war sehr gut. Naja .. wobei.. die bunte Travestietruppe hat durch ein Doppelprogramm den ersten Teil so gnadenlos überzogen, das die zweite Gruppe leider über eine Stunde warten musste. Nun gut.. bevor man sich allerdings in der Kälte die High-Heels in den Bauch steht, kann man fix in der nahegelegenen Cocktailbar ZORA  schonmal vorglühen. Gutes Konzept … Gedacht – getan.

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Gleich zu Beginn der Show gab es ein Travestie Overload. Glitzer, Glamour, riesige Kopfaufbauten, wunderbare Kostüme und Gesang. Im Carte Blanche gibt es zwar viel Lipsynch, jedoch traut sich die ein oder der andere auch live das Stimmchen zu erheben. Herausragend am gestrigen abend war Wolfgang 😉 … haha.. also so stellte sie sich zumindest zwischenzeitlich vor. *looool* .. nee eigentlich heißt Wolfi auf der Bühne Marcel Bijou aber in dem Fall fand ich das so lustig, weil ich diesem Namen irgendwie verbunden bin. Wolle kann was und hat trotz des fortgeschrittenen Travestiealters tolle Beine, tolle Heels und natürlich mehrere glitzernde Paillettenpanzer und hat als Conferencier im Stile von Mary Morgan Witze knapp unterhalb der Gürtellinie serviert. Auch das war juuut – auch wenn ich kein großer Freund bin, von immer den gleichen zotigen Geschnatter. Doch ick hab mich diesmal echt amüsiert. Das Programm glänzt durch eine wahnsinning bunte Mischung des gesamten Travestierepertoires, gemischt mit echten Pariser Crazy Horse Power. Ich möchte fast behaupten, das ich hier im beschaulichen Dresden mehr Kostüme gesehen habe als im großen Hamburger Pulverfass. Zumindest waren die drei Stunden vollgeballert mit Pailletten, Federn, Neonfarben und vieles mehr – dazu alles sehr geschmackvoll in Szene gesetzt. Klar gab es ein paar Lippensynchronbeweger, die ich jetzt nicht vermisst hätte und generell sind 3 Stunden Show in meinen Augen ein Hauch zu viel… doch im Großen und Ganzen war das tolles Entertainment und ’ne tolle Premiere.

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Wenn mich jetzt jemand nach den Highlights frage würde, dann kann ich sagen das mich Zora und das Schwarzlichttheater begeistert haben. Tolle Ideen und wunderbare Umsetzung. Auch das Phantom der Oper mit Falko zu mixen gefiel mir. Klasse inszeniert und mit Detailliebe umgesetzt. Die Technik gab ihr bestes um all die Licht- und Vorhanginszenierungen bestmöglich zu präsentieren – gelang nicht immer.. aber ist ja auch noch ganz frisch. Und dann kam eine Performance die hat mich gelinde gesagt geärgert und geschockt. Dort stand eine Person auf der Bühne deren Kunst es war eine herausragende Idee eines bekannten italienischen Papier-Künstlers zu klauen. Dabei hat er sich nicht einmal die Mühe gemacht die Idee anders umzusetzen oder die Liedwahl etwas zu ändern. Ein Großteil war 1:1 geklaut. Ich selber lass mich gern von den vielen Künstlern inspirieren, nehme die ein oder andere Idee und kleide diese in ein vollkommen eigenes Gewand. Doch Idee und Umsetzung einfach zu kopieren ist aus meiner Sicht eine Frechheit. Diese eine Nr. ist mir echt aufgestossen, auch weil ich den Ursprungskünstler aus mehreren Shows aus dem Tipi kenne und die Gelegeheit hatte mich mit ihm bei einer Premiere zu unterhalten.

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Schade.. ich finde solch Plagiate sollten nicht gebucht werden – erst recht nicht wenn es so sehr eindeutig ist. Und ja… es ist was anderes wenn ein täuschend echtes Westernhagen Double die Songs von Marius darbietet – ausserdem zahlt dann jemand Honorare. Das war aber auch der einzige Kritikpunkt an der schönen neuen Show im Carte Blanche in Dresden die von Katy Perry, über Vicky Leandros bis hin zu Cher, Edith Piaf und viel mehr zu bieten hat. Ob ich allerdings im großen Finale einen Klassiker von Mary Morgan visuell dargeboten hätte und alle Akteure brutal demaskiert hätte, wage ich zu bezweifeln… ich mochte das damals schon bei Mary nicht. Dabei denke ich immer an einen Zauberer der nach seiner Illusion allen den Trick auf die Nase bindet und damit kein Raum mehr läßt für die Phatasie. Meine Empfehlung: Carte Blanche geht gerade zu Weihnachten sehr gut, es ist bunt, schrill, hervorragend ausgestattet, kostümreich besetzt und macht Spaß. Wenn der Papierkünstler nochmal auf die Bühne kommt, bleibt sogar eine Zeitspanne für den Klobesuch 😉 …

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