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Dragqueen als Marke – BYOB Teil 02

oder ein kleiner Einblick in die Wissenschaft der Markenkonzeption

Biggy van Blond
© www.biggyvanblond.de

Seit ich das erste Mal über die Macht der Marken und die Erschaffung eines Brands schrieb hat sich ziemlich viel verändert. Der Stellenwert meines Alter Egos ist ein anderer… nicht innerhalb meiner kleinen Familie … so hoff ich jedenfalls und versuche immer Prioritäten zu setzen… aber in Hinblick auf die Tatsache das ich nun glaube zu wissen das meine Bemühungen auch Grundlage eines langen langen beruflichen Fetisches sind. Erschaffe ich doch quasi täglich für viele Menschen Markenkonzepte oder bin zumindest wesentlicher Teil dieses Schaffensprozesses.

https://www.youtube.com/watch?v=5rlNeZRDeo0

Liegt es da nicht nahe auch mal einen Selbstversuch zu starten? Ich schrieb damals (vor 1,5 Jahren) das es NICHT der Hauptgrund für meine Aktivitäten sind sondern lediglich Abfallprodukt. Nun ich glaube mit dem nun nötigen Abstand an Zeit kann ich sagen.. ja es gab viele viele Späße in der Zeit… aber auch Frust, Ärger und Anstrengungen. Alle diese Dinge sind Teil eines Entwicklungsprozesses den ich nun glaube in eine Richtung lenken zu können. Eine Etablierung (oder sollte ich sagen „Unterwanderung“ 😉 ) der hiesigen bestehenden Drag/Transenszene ist mir innerhalb kurzer Zeit geglückt und mein Ruf als burlesque Styling-Oma eilt mir permanent voraus. Ich habe also einen Ruf zu verlieren sollte ich mal mein hochgestecktes Selbstmarkting-Konzept schleifen lassen. Also bin ich eine Marke denn der Duden definiert eine Marke so: „…vom Hersteller (das bin dann wohl ich) durch ein Markenzeichen (mein Styling) gekennzeichneter Artikel, für den gleichbleibende Qualität (na siehste!) verbürgt wird.“ (Quelle: Duden, 1989)

Biggy van Blond
© www.biggyvanblond.de

Auf meiner endlosen Suche nach Inhalten für diesen Teil meiner Marken-PR (dem Bloggen) bin ich durch ein Zufall auf ein Schriftstück gestossen was witzigerweise genau dieses Thema schon einmal in Form eines Aufsatzes definiert bzw. angesprochen hat. Thorsten Kadel hat 1999 an der Hochschule der Künste Berlin für sein Studium einen Arbeit verfaßt die sich mit dem Thema beschäftigt: Beispielperson war damals Biggi van Blond. Für alle Kommunikationsbegeisterten, Markenerschaffer im Frühstadium aber auch für alle die sich mehr mit dem Thema „Der Mensch als Marke“ beschäftigen wollen ist diese Arbeit quasi eine Bibel.

biggy van blond und sheila wolf
OOooch war ick da noch jung 😉

„Die Drag Queen ist der Star meines Mensch-als-Marke Konzepts. Sie kann die Funktionen erfüllen, die im zweiten Abschnitt für menschliche Marken vorgestellt wurden. Durch die kabarettistische Darstellung ihres Charakters übernimmt die Drag Queen eine Identifikationsfunktion. Ihre Stärken und Schwächen sind übersteigert und offensichtlich, sie erlebt die Dinge, die jedem im Alltag passiert sind oder sein könnten, spricht Probleme an und Tabuthemen aus. Sie gewinnt ihre Sympathie dadurch, dass sie das Publikum mit einbezieht, an ihrer „eigenen“ Geschichte teilhaben läßt, ihre Wünsche und Vorstellungen näher bringt und ihre Ängste ausspricht. Die Drag
Queen muss sich selber zur Marke machen, um aufzufallen, um besonders zu sein, und hat sie diesen Bekanntheitsgrad erreicht, ist sie schon fast eine menschliche Marke. “ Zitat Thorsten Kadel 1999

Erklärt diese Arbeit sowohl allgemeine Begrifflichkeiten wie „Markenwert“, „Identität“ aber auch die Geschichte und der Erfolg der Drags wird kurz aufgezeigt um dann im finalen Kapitel in der Person Biggy van Blond zu fusionieren. In dem von Thorsten geführten Interview mit Biggy 1999 (sicherlich schon etwas her… aber immernoch brandaktuell) erklärte Biggy auf die Frage: „Trennst Du dein „Biggy-Image“ und dein Privatleben?“ antwortete sie z.B. „Ja, Großteils sind auch die Bekanntenkreise getrennt, und meistens wird man ja auch gar nicht erkannt… Diese Anonymität sichert mir meine Privatsphäre. Aber Biggy ist keine eigene Person, sondern ein wichtiger Teil von mir.“ Zitat Interview mit Thorsten Kadel 1999

Ich persönlich sehe das zu 100% genauso wie Biggy… sie trifft den Punkt. Auch mir werden gerade in letzter Zeit öfters Angebote von Fernsehsendern unterbreitet die allerdings beide Seiten meiner Persönlichkeit beleuchten wollen inkl. familiärer Situation aber da hört meine Öffentlichkeitsarbeit dann schlagartig auf. Ein Präsenz auf allen Kanälen um jeden Preis ist nicht mein Ding – ick such mir die Medien lieber aus und platziere mich da wo ich will.

www.biggyvanblond.de
© www.biggyvanblond.de

Auf die Frage: „Mit welchen Attributen würdest Du Dich selbst beschreiben?“ kam folgende Antwort „Zu allererst bin ich natürlich blond, aber auch glamourös und freundlich sind sicher Adjektive, mit denen ich gerne in Verbindung gebracht werde.“ Zitat Interview mit Thorsten Kadel 1999

Auch das erste und letzte Adjektiv kann ich jederzeit bestätigen… da ich Frau van Blond noch nie anders als in Blond gesehen habe und sie zu meinen frühen Stöckeltagen immer freundlich war. Heute ist das mehr ein nettes meet&greet. Irgendwann wurde ick ma nen bissl angepißt – in Hamburg nach dem CSD.. das hat mich ein bissl genervt – aber mein Gott – egal ick hab mich ja da reingequatscht. Selbst ist die Frau.

Also wer mehr lesen will der bestellt sich die Broschüre Drag Queen als Marke und lernt viel über sein eigenes Productplacement. Und wer mehr über Biggy van Blond im Netz wissen will findet auf der nicht wirklich aktuellen Website noch ein bissl mehr über Biggy. Mädchen dir kann geholfen werden auch da up-to-date zu sein – frag mich einfach.


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2 COMMENTS
  1. Sheila

    Naja.. eine „scharfe“ Abgrenzung bin ick allemal.. 😉 jedenfalls gebe ick mir alle Mühe „scharf“ zu sein *lol* und Grenzen ziehe ick – wie schon geschrieben – in dem ich nicht jedes Medium besteige sondern explicit auswähle welches Darstellungs- bzw Aufklärungsmedium für mich als Marke funktioniert. Danke für die Blumen.

  2. moerdermurmel

    Interessante Einsichten und Gedanken, die bei vielen kurzsichtigen Betrachtungen in der Szene oder den ach so aufgeklärten (-klärenden) Medien aussen vor bleiben. Die Marke kann nur durch scharfe Abgrenzung zu ihrer Umwelt entsetehen und sich etablieren – ohne diese Wechselwirkung und die klar defenierten (wenn auch verhandelbaren) Grenzen ist sie nur ein Hirngespinst.
    Ob der schmale Grad der Inszenierung und Vermarktung immer so sauber gelaufen wird … ich denke nicht.
    Aber das hier ist ja ein Blog und kein Soziologieseminar *gg* aber vielleicht sollten Arbeiten dieser Art noch mehr diskutiert werden und nicht nur in den Queer studies.
    Super Beitrag!

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