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Die zwielichtigen Kinderlinder der Tiger Lillies

oder stellt Euch vor .. Abgründe und Tiefen tun sich auf.. und ihr springt lächelnd rein

Wenn Martyn Jacques den Mund aufmacht um zu singen ziehen sich sofort die 300 Mio Poren zusammen und die Häarchen wollen fliehen. Ich möchte sogar behaupten das diese Zahl im Zelt noch um ein vielfaches multipliziert wurde. Denn so wie mir ging es einigen … ich habe im dämmenden Scheinwerferlicht einige beseelte Gesichter ausgemacht, die sich seiner Stimme schon von Anfang an hingegeben haben. Dieser Dauerzustand der Gänsepelle blieb solange bestehen bis er in lieblicher Falsettstimme das Wörtchen „Pause“ trällerte. Der extreme Wechsel seiner Stimmlage, gepaart mit den demolierend bitterbösen Texten machten auch diesen Abend zu einer musikalischen Freakshow für jedermann. Wir alle haben diesen Funken in uns… ausbrechen zu wollen .. einfach mal jenseits der Norm laut zu sein. The TigerLillies haben daraus eine Kunst gemacht. Respektvoll ziehe ich jedesmal meinen Hut bzw. Zweithaar davor 🙂

Geheimnisvoll zaubert Adrian Stout aus einem Instrument, das man Theremin nennt, gespenstische Klänge, die die Athmosphäre in der Bar jeder Vernunft zusätzlich aufladen. Man möchte fast die Augen zu lassen um immer tiefer in eine wohlgeformte Montagsdepression zu entgleiten, doch das geht nicht. Martyn versteht es mit absoluter Treffsicherheit schon im kommenden Song wieder eine Art Schwung in die beinah seelenlose entglittenen Körper zu zaubern. Das alles hört sich nach Demontage an … ist es aber nicht. Es ist Oper, es ist Zirkus, es ist Cabaret – es ist unvergleichlich. Schon im Wintergarten durfte ich die Lillies Freakshow zweimal bewundern und nun in meiner geliebten Bar auf meinem persönlichen Lieblingsplatz mit wunderbaren Menschen an meiner Seite und der geballten Kraft bitterböser melodischer Melancholie.

Das Publikum war so unglaublich bunt wie euphorisch betört. Die drei Künstler Martyn Jacques, Adrian Stout und Mike Pickering, der Mr. Huge vertrat, mussten sich minutenlanges Stampfen und Klatschen gefallen lassen und erfüllten noch ein paar Zuschauerwünsche als Zugabe. Nach all der Lobhudelei die zu 99,8% verdient war gab es aber einen etwas befremdlichen Zustand, der nicht nur mir auffiel. Entweder kommunzierte Martyn während der Akkordeon Songs mit seinen Facebookfans 🙂 oder aber er linste durch das wunderbare Makeup auf eine Art digitalen Spickzettel. Die typische Handbewegung der Smartphone Generation passte während der Gesangsdarbietung irgendwie nicht ins Bild… 🙂 … dagegen half es dann wieder die Äuglein zu schliessen und den „Kinderliedern“ zu lauschen :-). Im übrigen nur noch am 13.11. in der Bar jeder Vernunft !!! Und ich hab aus sicherer Quelle gehört es gibt noch Restkarten… denn heute war es brechend voll…

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