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Die Haut in der ich wohne auf DVD

oder Illusionen und Wirklichkeit?


© TOBIS

Wenn ich Filme schaue, lasse ich diese meistens ein bis zwei Tage sacken, bevor ich etwas zum Besten gebe. So auch diesmal und das war auch gut so. Als ich den Film vom Meisterregisseur Almodovar sah fielen mir Dinge wieder ein, die längst im hintersten Eckchen meines Hirns geparkt und eigentlich schon vergessen waren. Es war ein beeindruckender neuronaler Erguß der meine Hirnrinde entlangkroch und mich irgendwie bannte. Und das obwohl der Film selber anfangs plätscherte und man eigentlich fast gewillt ist irgendwie vorzuspulen. Statt dessen chattet man ein wenig nebenbei, nicht viel.. nur eben so ein kleines bisschen mit der Hirnhälfte, die sich auf die ersten 30 min des Films nicht konzentrieren muß. Doch dann nimmt die Almodovar Verfilmung mit Antonia Banderas und Elena Anaya Fahrt auf und ich wurde in diese Geschichte zwangsläufig reingezogen. Warum? Naja das versuche ich mal in Worte zu kleiden.

Wer jetzt den Inhalt des Filmes und damit auch einen wichtigen Knotenpunkt nicht wissen will, sollte aufhören zu lesen, denn der Spannungsbogen des Streifens läßt sich leider schwer umschreiben. Es geht um eine Frau – die eigentlich keine Frau ist aber ziemlich danach aussieht. Es geht dabei um Schmerz, um Verlust, um Hass und Liebe. Und es geht dabei um das zwangsverordnete Verlieren der offenkundigen Geschlechterzugehörigkeit ohne im falschen Körper geboren zu sein. Denn der Film spielt mit den heutigen Möglichkeiten der plastischen Chirurgie, jedoch auf eine Art und Weise, die aus meiner Sicht noch immer reine Fiktion sind. Aber dafür ist es ja auch ein Film, eine Fiktion und keine Dokumentation.

„Die bildhübsche Vera ist die einzige Patientin in einer Schönheitsklinik, wo sie Tag und Nacht von Professor Roberto Ledgard überwacht wird. Er pflegt ihre Haut wie einen kostbaren Schatz und kontrolliert jeden Schritt, jeden Blick, jede Emotion. Doch wer ist Vera, die so beängstigend Robertos verstorbener Frau ähnelt? Sie hat keine Geschichte und doch scheint ihr Schicksal eng verknüpft mit dem Leben Robertos. Und welche Rolle spielt der junge Mann, der zuletzt beim Betreten der Klinik gesehen wurde?“ Zitat TOBIS

Nun werden schlaue Leser sich fragen.. ein junger Mann verschwindet in einer Klinik in der nun eine bildhübsche Frau betütelt wird… das muß doch irgendwie zusammenhängen? Tut es auch – denn beide sind ein und dieselbe Person und spätestens an der Stelle denkt man sich – watt’n nu los? Dazu sollte man noch wissen das die sechsjährige Metamorphose nicht ganz freiwillig stattgefunden hat und schon bekommt das ganze Geschmäckle und hat keinen „Der Schwan“ Doku Charakter mehr. Ein Hauch von Transidentität (wobei ich kürzlich gelernt habe das diese Wort ja ungemein verpönt ist ;-)) ein bissl Fetisch, eine Prise Spannung und ganz viel Charakterstudie machen den Film spannend und lassen eigentlich nur ein Ende zu… aber das werde ich hier nicht zum besten geben. Für Träumer außerhalb der Geschlechternorm und angehende Schönheitschirurgen ein Muss ;-)… für alle andere ist Die Haut, in der ich wohne ein außergewöhnlicher Thriller, der fast ganz ohne Geschreie gruselt aber auch fasziniert: eben ein ästhetisch unnachahmbar Almodóvar!

 

 

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