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Die erste Big Boylesque Sause auf der Roten Bühne in Nürnberg

oder eine wunderbare Reise in die zweitgrößte Stadt Bayerns

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Ach Nürnberg… lang ist’s her, da durfte ich mich mit meinen ersten Schritten auf High-Heels auf dem Kopfsteinpflaster dieser Stadt ausprobieren… das in der Szene wohlbekannte Schlampenfest war vor rund 10 Jahren einer der Must-Go’s meiner frühen Travestiezeit. Ab und zu überlege ich tatsächlich, das nochmal zu machen aber ich glaube nach so langer Zeit sollte man nicht an alten Kamellen festhalten, sondern zu neuen Ufern aufbrechen. Deshalb war meine Freude groß als ich eingeladen wurde, auf der kleinen aber feinen Stage der Roten Bühne Nürnberg aufzutreten. Eine Big Boylesque Night sollte es geben und meine ersten Bedenken wurden sehr schnell zerstreut… denn sowohl Organisation, als auch die Vielfalt der Performer liessen auf einen tollen Abend hoffen. Fehlte nur noch ein Publikum, das dieses Konzept auch annahm und was soll ich sagen.. selbst das hat sich gefunden – die Leute waren großartig. Ich spiele gern vor einem kleineren aber lautem Publikum (bis zu 150 Leute) weil man einfach die Gelegenheit hat, jeden einzeln in die Augen zu sehen und sich auf deren Schoß zu setzen! Im Gegensatz zu meinem Auftritt zwei Tage später wusste das Publikum auch wie man sich einbringt und war unglaublich dankbar für diesen Regenbogen der Vielfalt mit Burlesque, Travestie, tollem Boylesque, ein bisschen Trash und hochkarätiger Dragkunst. Zugegebenermassen wurde der Begriff Boylesque sehr gedehnt aber so what…. es war bunt und toll.

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Dazu gehörte auch die Unterstützung des Strassenkreuzers, ein mit dem Strassenfeger in Berlin vergleichbares Projekt für Obdachlose. Auch ein Punkt der mir sehr sympatisch war und dem ich erst im nachhinein vermittelt bekam. Initiator des ganzen war die wunderbare Julia Kempken alias Fleur d’Amour, der ich in der zweiten Hälfte ein kleines Interview im Talkshowstil geben durfte. Grundsätzlich liebe ich es den Leuten zu erzählen wie das alles zusammenpasst und warum es so gekommen ist. Und mir scheint auch den Leuten hat es sehr gefallen. Denn durch die Nähe wird die Blockade abgebaut und die Menschen verlieren die Scheu im Nachgang mit mir zu sprechen. Leider ist nämlich genau diese gefühlte Unnahbarbeit ein Punkt, der mir anhaftet und den ich immer mit allen Mitteln versuche zu vermeiden. Denn wenn ich nach so langer Zeit einen Grund nennen darf, warum ich diesen Beruf überhaupt noch zusätzlich ausgewählt habe, dann nur um mit Menschen in Kontakt zu kommen (und ein bissl mich im Rampenlicht zu sonnen ;))

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Offenbar war ich mit dieser Einstellung nicht alleine. Denn auch weitere Herren auf der Bühne leben am Tag einen „ordentlichen“ Beruf aus, um dann nachts ihren nackten Arsch auf der Bühne zu präsentieren, natürlich im komischen Kontext. Der Kollege hatte die Damen und Herren auf seiner Seite :). An der Stelle habe ich wenig erwartet und wurde überrascht wie toll und authentisch der Kerl das darbot :). Aber auch ein Stück über den sehnlichsten Wunsch eine Pin-Up zu werden war überaus schnucklig… Begeistert hat mich vor allem der Jules Feuillet der mit einer Mischung aus tänzerischer Eleganz und buntem Storytelling eine wunderschöne Boylesque Bereicherung war. Ich hoffe… ach was… ich bin mir sicher Nürnberg braucht diesen Event und eine zweite Runde ist schon in Planung, denn nach dem Event ist wie immer vor der 2. Big Boylesque Sause im beschaulichen Süden der Republik.

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Im Nachgang wurde ich dann noch in Nürnbergs Stammkneipe „Die Wache“ entführt weil der Magen knurrte und die Augen noch nicht müde waren. Ein Lokal das erst 23:59 die Pforten öffnet und allen Nutten, Bikern, Beamten, Lebenskünstlern, Callgirls, Schwulen, Freiern, Transvestiten, Langzeitarbeitslosen, Reichen, Schwerenötern, V-Männern, Strichern, Krankenschwestern, Nachteulen und Taxifahrern eine warme Mahlzeit bietet… ich hab mich gleich mit mindestens 3 Zielgruppen angesprochen gefühlt 😉 … hahahaah… in diesem Sinne schaut auf die Webseite von  http://www.rote-buehne.de/ um das laufende Programm zu bestaunen…

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