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Die Burlesque Kunst verkommt zum Blowjob

oder unser frivoler Mikrokosmos wird verrammscht….

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© istockphoto

Vorweg .. JA… es gibt momentan dramatischere Themen auf der Welt und NEIN …. ich behaupte nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, auch wenn meine Wurzeln im Burlesque nunmehr knapp 8-9 Jahre zurückreichen, so sind nicht alle Entscheidungen richtig gewesen. Auch ich habe kleine Shows produziert und musste auf die Kosten achten. Eines jedoch konnte ich mir immer auf die Fahne schreiben… ich habe nie versucht auf dem Rücken meiner Kollegen Kohle zu machen. Vielleicht habe ich hier und da mal ein Gefallen eingefordert aber im Gegenzug auch immer dafür etwas gegeben. Ich behaupte auch nicht, das die Burlesque Szene generell diesem Trend folgt aber bin schon erschrocken, womit gerade in der letzten Zeit gepriesen wird. Veranstaltungen zu denen man eine „Application Fee“ bezahlen darf waren mir schon immer suspekt… denn im Grunde gibt es dafür keine Rechtfertigung. Klar müssen die Veranstalter sich die Zeit nehmen und die Performer auswählen aber mal im Ernst… DAS gehört nunmal zum JOB eines Producers oder auf deutsch künstlerischen Leiters!!

Im Gegenzug steht dann aber auch keine riesige Gage… im Gegenteil: als Statist in einer Donnerstagnachmittag TV Soap verdient man mehr für den gleichen Zeitaufwand. Denn Burlesqueshows bedeuten Proben, Kostüm, Zeit für Ideen und natürlich die unmittelbare Vorbereitung von Make-up und Hairstyle. Nun kann man bei sogenannten Europa Burlesque Festivals die anschliessende Reputation anführen, die man durch eine gute Leistung erhält, ein bissl regionale Presse, die Neugier auf die neue Stadt und man kann sich mit einer kleinen Nadel auch diesen Ort auf seine persönliche Weltkugel pinnen. Wenn dann aber auch noch eine Rechnung für eine Gage von 60 EUR abgefordert wird… dann bleiben nach Abzug der Steuer ganze 22,50 EUR übrig zumindest für deutsche Performer.

60 EUR Gage – 15 EUR Application FEE – 50%Steuern = 22.50 EUR (pi mal daumen)

Darf es das geben? Ist die Burleque Szene schon so verrammscht, das die Leute für 3 Big Mac Menüs auf die Bühne gehen? Müssen Performer bald Geld mitbringen um auftreten zu dürfen? Ist Burlesque vielleicht sogar schon tod? Ich hoffe nicht, da manch einer versucht aus dieser Abwärtsspirale auszubrechen. Es gibt klassische Konzepte mit anständigen Gagen, die teilweise von Sponsoren getragen werden oder Fixgagen plus Klingelbeutel oder wie in Amerika – statt Eintrittsgeld dürfen die Gäste ihre Favoriten mit Geldscheine markieren und vieles mehr. Leider gehören immer weniger Berlin Veranstaltungen zu jenen, wo man für den Aufwand die Leute zu bespaßen ordentlich entlohnt wird. Auch im nächsten Jahr wird es wieder mehrere Veranstaltungen am Stück geben wo die oben aufgezeigte Rechnung angewandt wird. Interessanterweise unter Nutzung eines Namens den ich mit geprägt habe und der damals eine ganz anderen Ansatz hatte. Es sollte in 2014 lediglich mit vereinten Kräften größeres bewegt werden. In Berlin gibt es bereits ein Burlesque Festival und sowohl Marlene als auch Else schätze ich sehr, denn sie haben vor 3 Jahren die Kraft aufgebracht und DAS Festival etabliert – Berlin brauchte ein BURLESQUE Festival und an der Stelle sind die zumeist niedrigen Gagen auch eher zu akzeptieren (zumindest fühlt es sich besser an). Warum gibt es Menschen die diesen Festival Usus jetzt für sich nutzen um Risiken zu umgehen auf Kosten der Entertainer. Prinzipiell finde ich die Idee grandios die Kräfte zu bündeln und wieder großes auf die Beine zu stellen, aber doch bitte nicht so!! Es gibt aus meiner Sicht auch keinen plausiblen Grund für eine solche Honorarstruktur ausserhalb eines Festivals.

Was passiert nach meiner Meinung in dieser Woche: Teilnehmende Veranstalter werden die Chance nutzen sich mit dem noch unbekannten Label zu schmücken und natürlich unter diesem Deckmäntelchen auch ihre Geberfreudigkeit runterschrauben. OK… sie müssen auch an die Organisierer eine Zahlung leisten, das dann für Werbung / Ticketing benutzt wird, aber im Grunde sparen sie fast 2/3 von einer aus meiner Sicht anständigen Bezahlung für Künstler wie uns. Gewinnen tut der Organisator und der jeweilige Veranstalter minimiert das Risiko. Klingt super… eigentlich sollte ich als einer der größeren Burlesque Revue Macher in Berlin total drauf abfahren … tue ich aber nicht. Denn ich bin auch Performer und ich weiß es geht auch anders. Ich nehme jedesmal viel Geld in die Hand, telefoniere mir den Arsch Wund um Sponsoren zu finden, verbiege mich bis zum Bandscheibenvorfall damit mein Event für ALLE ein (finanzieller) Erfolg wird. Natürlich liebe ich auch das wilde Treiben und geniesse die Zusammenkunft mit tollen Menschen ohne monitären Hintergrund aber ab Ende soll auch kein fader Beigeschmack bleiben. UND bei 22,50 EUR bleibt dieser Geschmack tagelang in den Zähnen hängen. Ich finde diese Abwärtsspirale furchtbar, denn es macht aus der hohen Kunst des Burlesque eine Deko Behrendt Federschlacht. Ich möchte mal ein echtes Argument hören warum nun nicht alle auf den BILLIGZUG aufspringen. Die Konsequenz: Kostüme werden schlechter, die Motivation großes zu machen sinkt und letztendlich bleiben die Gäste aus, weil Laientheater niemand interessiert.

Das man dieses Modell aufbrechen kann beweisen einige Produzenten in Europa und genau vor denen verneige ich mich und würde mich freuen eines schönen Tages eine Zusammenarbeit in Augenhöhe anzustreben, bei der man guten Gewissens die Performer ordentlich entlohnt. Abgesehen davon rede ich nicht davon wenn man mal für Freunde oder Familie für einen schmalen Taler auftritt. Das ist absolut in Ordnung. Auch die Tatsache jemanden zu unterstützen finde ich gut aber in den meisten Fällen geht es am Ende um Profit und Risikominimierung. Kluge Menschen gehen ins Risiko, holen NEUE Gesichter nach Deutschland, investieren in den Aufbau einer Eventreihe EIGENES Geld und sichern damit der BURLESQUE Comunity den Fortbestand auf hohem Niveau. Natürlich weiß ich das jetzt einige wieder Böses aus dem Artikel rauslesen werden – doch eigentlich möchte ich lediglich einen Misstand ausleuchten, der meiner Meinung nach dem BURLESQUE in BERLIN und DEUTSCHLAND nicht gut tut… und ich bin mir dessen bewußt, das gerade die neue Veranstalter sauer sein werden… aber ich möchte Euch daran erinnern, das ihr es wart, die auf der ein oder anderen Zusammenkunft über fallende Gagen geklagt habt.

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2 COMMENTS
  1. shei-la

    Lieber Michael… vielen Dank… ja leider ist dem SO. GUTES kostet gutes GELD. Besser hätte ich das nicht formulieren können… Ich bleibe tapfer und standhaft und hoffe auf Besserung.

  2. Michael Lindner

    Sehr geehrte Sheila.
    Ich habe Ihren Artikel gelesen und mir ein paar Gedanken gemacht. Alles was Sie schreiben ist zutreffend.
    Branchenübergreifend muss alles immer billiger werden. Das ist das Credo dieser Zeit.
    Das sehe ich auch in den Branchen, in denen ich mich betätige.
    Ich persönlich versuche an die Klientel mit Geld zu kommen. Eine Patentlösung ist das nicht – aber ein Versuch den Standart zu halten.
    Für eine gute Show in einer exklusiven Lokation gebe ich gerne Geld aus. Aber vielleicht gehöre ich in der Beziehung zu einer aussterbenden Spezies. Gutes kostet eben Gutes Geld. Früher wusste man soetwas. Heute leider nicht mehr.

    Lassen Sie sich nicht entmutigen oder frusstrieren.
    Beste Grüsse Michael

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