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Der Vampyr – Premiere in der Komischen Oper

oder mein erstes Splatter Live Erlebnis ever 🙂

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© Iko Freese / drama-berlin.de

Theater und Bühnen sind dafür da um Menschen zu bewegen. Nichts ist langweiliger als eine Inszenierung, die man schon 100-mal gesehen oder gar erwartet hat. Die Komische Oper Berlin ist bekannt dafür, besonders viel Liebe ins Detail zu investieren und damit meine ich keine wilden Kostümschlachten sondern intelligente Gesamtkunstwerke. Ein Grund warum ich soooo gespannt war, auf die Premiere von „DER VAMPYR“ – der wohl ältesten Bühnendarstellung des betörenden Halsnagers. Was ich allerdings nicht erwartet habe war ein gruseliges Splattergemetzel – ABER ICH LIEBTE ES !!! „Expect the unexpected“… Oh man… ich bin kein Freund von Horrorfilmen, auch interessieren mich gewaltverherrlichende Action- und Splattermovies eher selten… aber Fantasy ist mein Ding. Und Vampire gehören für mich absolut dazu und damit meine ich nicht diese ganzen bürokratischen Wegelagerer, die einem im Lauf des Lebens die Kohle aus der Tasche ziehen.

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Vampire trinken Blut und da machte es absolut Sinn gefühlte 10 Liter Kunstblut auf der Bühne zu vergiessen. Schon der Auftakt war besonders. Das Schauspiel kam einem sehr nah… denn gleich zu Beginn trieben sich Zombies im Rang rum und eine junge Dame aus der ersten Reihe wurde bei lebendigen Leib die Haut vom Gesicht gezogen und anschliessend ihre Gedärme unter den Untoten verteilt. Klingt brutal.. war es auch! George A. Romero hätte seine wahre Freude daran. Dennoch sehr gut gemacht und irgendwie grandios gruselig – ja fast ekelig :). Kaum hatte sich die Dame neben mir aus der Schockstarre befreit ging es auch gleich weiter mit der musikalisch untermalten Orgie um den rotem Lebenssaft. Zwischenzeitlich seilten sich Krabbeltiere von der Decke der Komischen Oper hinab ins Publikum (da hätte ich noch deutlich mehr runtergelassen und mich über die kreischenden Damen erfreut ;)) und immer wieder wurden vermeindlich unwissende Frauen aus dem Publikum zu Opfern des bösen blutrünstigen Vampyrs – der eigentlich selber nur Opfer der Not ist. Schließlich kann er seinen Tod nur Abwenden wenn er es schafft drei Jungfrauen vor Mitternacht anzuknabbern und an die Schar des Walkings Deads zu verfüttern. Natürlich ist diese Not gleichzeitig seine große Freude, wenn da nicht dauernd so Störenfriede wären, die versuchen diesen kulinarischen Genuß zu stören. Nun gab es kritische Stimmen, die sich über die merkbare Kürzung des gruseligen Originals von 1928 erzürnt haben.. aber ehrlich gesagt gefiel mir die Straffung sehr. Weniger ist manchmal mehr – die Geschichte wurde für mich auf den Punkt gebracht und hat mir viel Spaß gemacht.

Kostüme und Bühnenbild waren großes Kino. Realität und Fiktion verschmolzen in der Tiefe des Bühnenraums. Die allesüberspannenden riesigen Fledermausflügel waren genauso imposant wie die verschiedenen Schlosskulissen inkl. blubbernder Blutsanduhr. Auch wenn die sonst eher zarte Gestalt der Blutsaugers in diesem Stück von einem stämmigen Prachtkerl namens Heiko Trinsinger gespielt wurde, so sah ich in ihm die Boshaftigkeit des Kinski und die Eleganz des Christopher Lee 🙂 … Musikalisch hat mir vor allem der Chor der Untoten die Gänsehaut auf den Körper gezaubert. Das kurz vor Schluß auch noch der Orchesterleiter der Blutlust zum Opfer fiel war nur ein weiteres amüsantes Detail. Der Abend war einfach erwartungsgemäß unerwartet, gruselig blutig, überraschend einnehmend und mit diversen Highlights garniert. Alles in allem nicht nur für Splatterliebhaber ein Abenteuer mit Kick. Modernes Horrortheater fast für die ganze Familie 😉 … hahhahaha… Eine Oper nur für starke Nerven und nur für Erwachsene 🙂 nur noch zu folgenden Terminen: 26. März, 3./17./23. April, 5. Juli 2016. Check: www.komische-oper-berlin.de

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