Sonntag, 19. September 2021

Das seltene Gut – Berlinale Tickets 2010

oder die indirekte Begegnung mit dem Engel der Travestie

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Einmal im Jahr ist die Welt der Kinofilme in Berlin auf den Kopf gestellt. Krepeln die meisten Kinos am Rande Ihrer Möglichkeiten, da fiese Internetserver die aktuellen Filme schon vor dem deutschen Release zum schauen und downloaden anbieten, so wird zur Berlinale selbst der müdeste Kinogänger hinter dem Ofen hervorgelockt. Warum? Keine Ahnung… vielleicht ist es der Herdentrieb der die Menschen dann endlich ins Kino lockt. Und genau solch eine Herde/Horde Menschen durfte ich kennenlernen als ich mir am Montag, unbedarft wie ick bin, dachte: Fährste mal gleich um 10:00 morgens an der Urania vorbei… die is ja nicht so in touristischer Hand wie der Potsdamer Platz und holst dir ‘ne Karte für den russischen Drag Queen Film Veselchak.

Soweit erstmal eine hervorragende Idee, die sogar noch Bestand hatte als ich direkt vor der Urania einen Parkplatz bekam. Mein Plan schien aufzugehen, welch’ Freude. Doch eben dieses Frohlocken erstickte in dem Augenblick als ich die Glastür zur Vorhalle öffnete. Gefühlte 1000 Menschen standen gut geordnet in einer kilometerlangen Schlange, die sogar mit Tischen bestückt war… soll heißen.. hier dauert das alles ein bissl länger. Nur um sicherzugehen schritt ich die Schlange einmal in Richtung Ticketschalter ab, streng beäugt von den Schlangestehern, um abermals festzustellen das am Ende der Schlange, noch lange kein Ende in Sicht war…. denn es ging noch umme Ecke. Wunderbar. Kinotickets schienen hier wertvoller als Benzin an Tankstellen, die mit 0 EUR Aktionen Kunden gewinnen wollen, nur das dieses Publikum hier absolut diszipliniert auf Bewegung wartete, während gierige Autofahrersparer schon mal mit Reservekanistern schmeißen….

Natürlich war es mir nicht möglich zig-Stunden auf eine Karte zu warten und so mußte ich unverrichteter Dinge wieder abziehen. Welch grausige Erfahrung… etwas nicht zu erledigen obwohl das Ziel zum greifen nah war. Was blieb… Recherche um jemand zu finden der mir solch ein Kärtchen besorgt.. doch auch das ist für einen Film russischen Ursprungs nicht wirklich einfach. Es schien als wenn die Lage hoffnungslos und mein Plan, über diesen Film zu schreiben, verloren… bis…

… bis ich am Tage darauf zu früher Stunde etwas sehnsüchtig auf der berlinale Seite umhersurfte und es plötzlich wie aus heiterem Himmel eine Veränderung auf dieser Seite gab. Ich meine sogar einen kurzen weißen Lichtschein im Augenwinkel wahrgenommen zu haben, was aber auch noch Schlafkörner gewesen sein können. Einige wenige Karten wurden plötzlich zum Onlineverkauf freigegeben. Und ich saß genau in diesem Moment vor dem Screen. War das Vorsehung, Schicksal oder einfach der Engel der Travestie der mir eine Freude machen wollte? Ich kann das nicht mit Bestimmtheit sagen aber es ist ihm … UPPS… oder soll ich sagen ihr *lol* gelungen. Nun hab ick mein Ticket für Veselchak und das alles ohne großen Aufwand, ohne Anstehen und ohne Streß… wenn es jetzt noch klappt die Karten am Potsdamer Platz am Internetcounter abzuholen.. dann ist der Ticketerwerb für die Berlinale in Berlin eigentlich ganz entspannt, sofern man einen Travestieengel hat…. ! ;-)

Am Rande bemerkt finde ich es Bemerkenswert das zur Feier des Tages der Berlinale nicht nur die Multiplexkinos mit dem Berlinale Programm bedacht wurden sondern auch die kleinen Szenekinos endlich mal Teil des Spektakels sind. In der Hoffnung das der gemeine Berliner seine Eckkinos wiederentdeckt freue ich mich auf eine tolle Berlinale 2010.