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CHICAGO – der Klassiker im Theater des Westens

oder wenige Highlights aber sexy wars trotzdem

blog-kuenstlergegenaids2015-16

Watt hab ich mich gefreut auf das aktuelle MUSICAL CHICAGO im Theater des Westens. Sowohl die Aussendarstellung auf Berlins Strassen als auch der kurze Teaser bei der Künstler gegen Aids Gala waren sooo vielversprechend. Quasi als vorgezogenens Weihnachtsgeschenk kam ich nicht drumherum und hab ca. 80 EUR berappt für ein Karte auf einem mehr oder weniger gutem Sitzplatz in der Loge, um dann festzustellen, das dieser eher suboptimal war um die ganze Bühne zu sehen. Da es aber nicht wirklich voll war packten viele der Nachbarn diese Gelegenheit beim Schopfe und optimierten ihre Sicht – ich blieb – das war ein Fehler. Natürlich kannte ich dank dem Teaser schon ein Bühnenbild und wurde während des gesamte Stückes die Hoffnung nicht los, das da noch was kommen muss. Doch leider spart die Inszenierung an der Stelle bzw. versucht uns zu vermitteln, das weniger mehr sein kann. Ich konnte damit leider nicht wirklich leben und war das erste Mal enttäuscht. Ich finde es einfach immer schwer ALLE Orte eines Musicals in ein Bühnenbild zu pressen. Da braucht der Zuschauer schon verdammt viel Fantasie bzw. die Akteure haben es doppelt schwer, davon abzulenken.

blog-kuenstlergegenaids2015-17Aufgenommen bei der Künster gegen Aids Gala

Auch das der Gesang in Deutsch dargeboten wurde, war jetzt nix wirklich unerwartetes.. aber wenn man das Original kennt, klingt das Deutsche eher bemüht. Anyway.. es waren gute Stimmen dabei, vor allen der Anwalt hat mir dann doch noch den Abend versüßt.

Gleich von Beginn an wird man mit sexy körpernahen Kostümen konfrontiert, die zwar wenig Raum für Fantasie lassen und auch kaum funkelten aber gleichzeitig tolle Körper preis gaben. Endlos lange Beine eingehüllt in Nylon räkelten sich zu schönen Gruppenchoreos auf der Bühne und verliehen der Produktion ein Hauch Burlesque. Mein persönliches Highlight hatte dann eine sehr starke Anlehnung an meine Lieblingskunstform, denn das erste Solo des aalglatten Anwalts wurde von einem opulenten Federfächertanz begleitet. Dieser Moment lohnt sich wirklich, nur leider hatte ich das schon, wie anfangs erwähnt, im Teaser bei der Gala gesehen und somit reduzierte sich der ganz große Aha-Effekt etwas. Der Song Mr Cellophan erinnerte mich dann stark an das Musikvideo das ich mal für eine Freundin produziert habe. Denn genau dieses Gefühl unsichtbar zu sein habe ich an jedem Tag an dem ich nicht als Sheila unterwegs bin. Menschen nehmen nur noch „Kontakt“ auf, wenn man sich von der Masse abhebt. Im Grunde ist das jetzt auch nix neues aber irgendwie doch erschreckend. Spätestens nach der Pause hätte ich mehr Liebe zum Detail erwartet. Die Zwanziger / Dreissiger schreien nach Perlen, nach Accessoires, nach Hütchen und Pelz. Sie schreien nach Straps und Co. Doch auch hier gab es wenig Veränderung. Gerade mal die Hauptdarstellerinnen warfen sich neue Kleidchens über. Schade.

blog-chicago

Nun weiß ich ja das es auch Produktionen gibt, die mit wenig Pling Pling und Bühnenbild trotzdem mit Schwung und Inspiration inszeniert werden und ich hab auch schon Musicals gesehen, bei denen es wirklich vollkommen lieblos zuging. CHICAGO liegt irgendwo dazwischen. Es hat die wichtigen Momente, viele gute wenn auch wenig herausragende Stimme, ein paar schöne Bilder und natürlich eine wunderbare Story, die man gerade in der heutigen Social Network Zeit nochmal mal auf der Zunge zergehen lassen sollte. Immer mehr lebt diese Gesellschaft vom Exhibitionismus der anderen und immer mehr sind der kurze Ruhm und die damit verbundene „like“ Währung Bestandteil des Alltags. Informationen müssen immer grauenhafter sein damit die zahllosen Newschannels Futter bekommen und Leistungen dürfen immer flacher werden um sich durch die Welt zu schleichen. Die Kunst ist nicht mehr von der Leistung abhängig sondern vom Verständnis im Umgang mit den Medien. Na Bravo. Chicago führt einem das mal wieder vor Augen und genau deswegen mag ich das Musical auch wenn ich meinen 80 Tacken etwas hinterherweine… etwas weniger hätte es da auch getan. Karten findet ihr HIER

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