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Charles Busch – Interview mit einer Schauspielerin

oder großes Kino erlebe ich immer dann wenn ich auf wirkliche Stars meiner Gilde treffe

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In diesem Fall konnte ich ein Interview mit dem unglaublichen Charles Busch führen und irgendwie bin ick ein wenig stolz darauf. Ick meine ich hab schon wunderbare Menschen wie Bernie Dexter oder Tempest Storm interviewt aber Charles Busch verkörpert Female Impersonation unserer Zeit wie kaum jemand anderes. Ok.. Hedwig and the angry Inch Erfinder John Cameron Mitchell würde ich auch mal gern vor das virtuelle Mikro bekommen aber Charles Busch ist schon ’ne Mega Nummer. An dieser Stelle vielen Dank für Deine Zeit lieber Charles….

Hier nun die Fragen an dem Meister der Performance und Theater Travestie:

Queerlesque: Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit der Travestie (und Female Impersonation) und muß gestehen das ich die Theaterbühnen bisher noch nie wirklich betrachtet habe. Mit dem Film über Dein Lebenswerk öffneten sich mir ganz neue Interessengebiete – an der Stelle vielen Dank. Wann und vor allem wie wurde aus der Performancekunst von einst die Bühnentravestie?

Charles Busch: Es gibt eine lange Tradition die bis ins Shakespeare England oder Japanische Kabuki Theater zurückreicht, in der Männer im Theater Frauenrollen übernommen haben. Im Amerika standen legendäre Performer wie Julian Eltinge auf der Bühne von Musical Komödien. Ich bin Teil dieser Tradition die für mich in den Sechzigern mit Künstlern wie Charles Ludlam oder Jackie Curtis begann. Vielen von meine Rollen waren Parodien auf klassische Hollywood Filme. Ich habe aber keine spezifischen Filme parodiert sondern eher das gesamte Hollywood Repertoire, angefangen von 1940ziger Spionage Filme bis hin zu den 60ziger Thrillern. Und diese waren alles andere als überzeichnete Comics. Es gab viele berührende Momente in diesem Filmen, spanndend und emotional. Ich spielte Heldinnen die keine eins zu eins Kopie von Schauspielerinnen wie Rosalind Russell, Susan Hayward und Bette Davis waren. Die Rollen die ich spielte hatten einen eigenen Charakter und waren keine Hommage an eine bestimmte Künstlerin.

Queerlesque: Perfektion gehört zum Dauerthema wenn man in seiner Darstellung überzeugen will. Wie sehr beeinflußt es Dein Leben?

Charles Busch: Eine der wichtigsten Lektionen die man lernen muß bei Live Performances ist, das Perfektion unmöglich ist wenn man etwas erreichen will. Alles was man erhoffen kann ist eine professionelle Live-Performance und wenn uns Gott als Schauspieler gewogen ist noch eine erleuchtende Erfahrung.

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Queerlesque: Wenn man auf der Bühne neben so wundervollen Darstellerinnen wie Kate Mulgrew oder Kathleen Turner spielt, entsteht dann eine Spannung bzw. der Wunsch besser oder natürlicher zu wirken?

Charles Busch: Diese beiden Schauspielerinnen sind so einzigartig und großartig, das ich ohne es zu planen, selber natürlich und realistisch spielte.

Queerlesque: Boy George war natürlich eine Ikone der Genderbewegung in den 80zigern. Gab es schon in der Zeit Berührungspunkte zwischen dem Pop-Business und Deiner Performance Kunst?

Charles Busch: Ich war niemals sehr interessiert in Popmusik. In den Achtzigern schätzte ich Boy Georges androgynen Look und seine trotzige Art aber ich habe seine Musik nie gehört. Meine Einflüsse kamen schon immer aus Hollywood Filmen und dem Theater.

Queerlesque: Darstellerinnen wie Dich gibt es auf deutschen Theaterbühnen kaum. Generell hat die sich diese Kunst eher in drei Schubladen aufgeteilt – Travestie, Transgender und Drag Queens. Angenommen Du müsstest Dich für eine Schublade entscheiden, in welcher würdest Du dich am wohlsten fühlen?

Charles Busch: Ich würde mich selber in keine der drei Kategorien stecken. Ich bin Schauspieler der in über zwanzig Rollen weibliche Charaktere verkörpert hat. Ich lebe weder als Freu noch trage ich Frauensachen zum Spaß oder aus Fetischgründen. Ich sehe mich nicht als Frau sondern als Mann der beim Theater und Film arbeitet.

Queerlesque: Hast Du jemals erwägt mit einem Stück nach Deutschland zu kommen? (kleine Anmerkung… wenn dann bitte nach BERLIN !!)..

Charles Busch: In den 90zigern hatte ich in eine Rolle in einer Produktion mit dem Namen „Psycho beach Party“ in Berlin. Ich würde sehr gerne mal mit einer meiner Rollen auf deutschen Bühnen spielen und denke es wäre sehr erfolgreich.

Queerlesque: Musikalisch aber natürlilch auch cinematografisch gibt es sicherlich jede Menge Einflüsse. Welche Musik und welcher Film hat Dich kürzlich emotional mitgerissen.

Charles Busch: In der Regel liegen meine Vorlieben für Musik und Kino weit vor den 70zigern aber kürzlich war ich sehr angetan von den Filmen „The Kids are Alright“ und „The King’s Speech“ und ich verehre den Schauspieler Adam Lambert. Er ist sehr außergewöhnlich und sexy zugleich und hat eine wunderbare Stimme.

Queerlesque: Burlesque und das Retrofieber überschwemmen ganz Europa, aber auch in Deiner Region sind beide Trends enorm im täglichen Leben zu sehen. Besuchst Du Burlesque Vorstellungen oder geht Deine Liebe zu Kleidung im Stile der 20ziger – 50ziger über die Bühne hinaus?

Charles Busch: Ich bin nicht sicher jemals eine wirklich gute Burlesque Show gesehen zu haben und dennoch bin ich fasziniert von den legendären Burlesque Queens wie Gypsy Rose Lee und Lili St. Cyr. In einer meiner ersten Rollen in „Vampire Lesbians of Sodom“ kamen Elemente des Burlesque vor. Besonders eine Szene des alten Stücks wo ich eine Jungfrau spielte die einer mystischen Kreatur geopfert wurde. Ich war quasi nackt, nur mit einem G-String und High Heels bekleidet und einer wirklich langen Perrücke die meinen Oberkörper bedeckte. Es war ein großer Spaß so wenig wie möglich zu tragen und dennoch in der Lage zu sein als Frau wahrgenommen zu werden.

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Queerlesque: Letzte Fragen: Wenn Du auf Dein Lebenswerk zurückblickst, welche Gelegenheit würdest Du gerne nochmal ergreifen bzw würdest Du etwas anders machen? Aber vor allem die Frage.. wie lange werden wir noch von deiner hohen Kunst der „Female Impersonation“  nach Divine Sister profitieren?

Charles Busch: Ich hatte eine wundervolle Karriere und das Glück mit dem Geld zu verdienen was ich liebe – als Schauspieler und Schreiber. Ich habe ein Publikum das mich als einzigartig und loyal schätzt. Ich würde nichts anders machen wenn ich die Gelegenheit hätte und ich hoffe ich kann es noch für eine sehr lange Zeit weitertun. Die Rollen die ich für mich selber schreibe korrespondieren mit meinem fortschreitendem Alter. Ich fing an als junges Mädchen, spielte glamouröse junge Frauen bis hin zur gestandenen Frau. Die aktuelle Rolle in meinem neuesten Stück „The Divine Sister“ ist eine Oberin eines Klosters! Ich denke, ich habe noch ein paar Jahre, bevor ich die ältere Großmutter spielen werde. Und wenn ich das tue, wird sie eine sehr glamouröse, schöne Großmutter 🙂

Mir hat dieses kleine Interview unheimlich viel gebracht. Ich hatte bei manchen Antworten Gänsepelle und konnte an vielen Stellen nur zustimmend nicken. Ich hoffe es ging Euch ebenso. Wer zufällig gerade die Staaten besucht sollte sich das Stück von Charles Busch unbedingt ansehen.

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