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Burlesque Festivals in Deutschland und Europa und ihre Schattenseiten

oder Trends zerstören sich in der Regel selber?

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Dieser Beitrag brennt mir schon sehr lange auf der Seele. Auch wenn sich nun manch Veranstalter auf den Schlipps getreten fühlt – er muss raus. Denn ich finde wenn man was für die GANZE SZENE und für die Entwicklung des BURLESQUE tun möchte, dann sollte man nicht monitär differenzieren. Burlesque ist eine Kunst, die in den letzten Jahren etwas zum Mainstream mutiert ist und die in den gierigen Händen des Kapitalismus hoffentlich nicht zerquetscht wird. BURLESQUE war und ist immer die Kunst der freien Geister – der sexy Teil des Vaudeville, der mit dem Attribut der Verführung spielt und das nötige Prinkeln in jede vielfältige Varieteshow bringt. Ganz weit entfernt von Pornografie aber offenbar immer weniger wertgeschätzt. Während der Preis der guten Huren steigt – sinken die Honorare guter Performer :(. Deutschland hat schon vor mehr als 10 Jahren diese Spielart, genannt Neoburlesque wiedergefunden und im Laufe der Zeit leider korrumpiert. Der Preisverfall eines Auftrittes ist enorm und ich glaube wir sind noch immer nicht am Ende des Schmerzes angelangt. Im übrigen weiß ich natürlich das dieser inflationäre Abwärtsstrudel nicht nur im Burlesque tagtäglich stattfindet… ich hab ja Augen im Kopf.

Burlesque Festivals spriessen aus dem Boden wie Pilze im Wald – was gut ist.. sich zwar vielleicht irgendwann qualitätiv auf die Kunst auswirken wird und damit gelangweilte Besucher hervorbringen könnte aber vielleicht auch nicht :). Am Ende trennt sich immer die Spreu vom Weizen. Es ist natürlich auch wichtig andere Publikumsschichten und Regionen zu erreichen – ja vielleicht sogar echtes Premiumentertainment daraus zu formen. (… oder wie der Friedrichstadtpalast gerne sagt – weg von der „Kleinkunst“) Der „Langeweile“ kann man mit unterschiedlichen Konzepten bzw. Themen begegnen – insofern sollte für jeden Event ein Platz sein! Stuttgart, Hamburg und München zaubern neben Berlin nun mehrtägige stilvolle Stripunterhaltungen als Festivals auf die mittelgroßen Bühnen der Städte und versuchen die jeweilige Region zu verführen. Nicht falsch verstehen .. ich unterstütze diese Inflation des Ausziehens vor Publikum – denn ich bin selber Veranstalter – stelle mir aber die Frage warum man immer noch Schubladen aufmacht.

APPLICATION FEE – NEIN DANKE.

Warum werden Headliner und Nicht-Headliner so unterschiedlich bezahlt? Warum müssen Nicht-Headliner eine „Anmeldegebühr“ bezahlen? Warum bekommt man den Eindruck, das sie mit ihrem finanziellen „Eintrittsbeitrag“ genannt „Application Fee“ nur dabei sein dürfen, um ein Teil der Kosten der Headliner bzw. das Risiko der Veranstalter zu deckeln? Weil sie weniger Erfahrung haben? Weil sie vielleicht schlechter in der Darbietung sind oder einfachere Kostüme besitzen? Nein.. das alles hat eher was mit persönlicher Vorliebe zu tun und gutem Marketing. Und spätestens dann merkt man das die Anmeldegebühr alles andere als gerechtfertigt ist. Dazu kommt dann noch das alle, die NICHT ausgewählt werden, kein Anspruch auf Erstattung dieser „Gebühr“ haben. Wo bitte bleibt da der Gedanke etwas für die GANZE Szene zu tun. Da fänd ich sogar ein Crowdfunding noch sinnvoller oder zumindest sollte man den Künstlern dann freien Eintritt gewähren oder ähnliche Goodies versprechen …

Letztendlich gibt es in der Musikbranche auch Supporting Acts, die als Vorband von Popstars die Möglichkeit haben, sich einen Namen zu machen. Aber diese Bands werden vom Management des Hauptacts auf Herz und Nieren geprüft d.h. da macht sich jemand die Mühe und schaut, wessen Leistungen so gut sind, das das als Vorspiel taugt. Hier wird keine Castingshow mit Anmeldegebühr abgehalten… Vielleicht werden manchmal Bestechungsgelder zwischen den Managements fliessen aber in der Regel bekommt diese Vorband Geld für das Engagement und die Chance danach eine breitere Fanbase zu haben. Auf Burlesque Festivals ist das mit dem Ruhm zwar mehr oder weniger ähnlich (also zumindest auf den wirklich grossen) aber hier darf man fast IMMER den vermeindlichen Ruhm gleich mitbezahlen. Im Grunde könnte man da gleich Fans auf Facebook kaufen… Ganz ehrlich .. wenn ihr glaubt das ein wenig bekannter Burlesque Künstler auf einem Festival Geld verdient, dann muss ich Euch hier und heute leider enttäuschen. Diese Art der Veranstaltungen mit ordentlichen Gagen kann man in Europa und der Welt an einer Hand abzählen – aber es gibt sie!!!. In Deutschland gibt es kein Festival, das KEINE Application Fee verlangt. Zwischen 10 und 20 EUR Eintrittsgeld kostet der Spaß und leider kompensiert die kleine Gage zwischen ’ner Stulle und ein Bett bis hin zu 80 EUR im Falle, das die Wahl auf DICH fällt, gerade mal die Anfahrtskosten (mit etwas Glück). Nun.. ich habe mir sagen lassen das diese Regelung des Bühnen-Eintrittsgeldes ursprünglich mal aus Las Vegas stammte – dort gab es diese Gebühr, die wohl darauf verwandt wurde, um das nichtsubventionierte Museum BHOF zu stützen. DAS wiederum ist eine gute Sache mit Mehrwert. Ich hätte auch nichts dagegen, wenn die eingenommenen „Application Fee“ Mittel transparent an eine wohltätige Organisation fliessen. Bravo!!!… BURLESQUE goes Charity !! Ein soziale Komponente hat noch niemand geschadet sondern immer nur geholfen. Doch dem ist leider nicht so. Leider beruht diese optimistische Vermutung der Herkunft der unsäglichen Gebühr auf Hörensagen aber ich würde mich glücklich schätzen wenn das der Ursprung wäre. Was letztendlich daraus geworden ist… ist leider und ich bin mir sicher das das einige nachvollziehen können …. GROSSER BULLSHIT!!!!!

Nun gibt es Menschen voller Leidenschaft, in denen der Gedanke des Burlesque brennt und die etwas für die Kunst tun wollen. Ich schätze das sehr… und ich glaube es wäre vermessen von mir, diese Menschen zu kritisieren, doch ich glaube manche von ihnen gehen zu oft den Weg des geringsten Übels auf Kosten derer, die sich nicht gut verkaufen können bzw. die sich weigern oder ggf. keine Möglichkeit haben diese „Eintrittsgelder“ zu bezahlen. Meene Oma hat immer gesagt ohne Schweiß kein Preis… heute gilt… ohne Kohle keen Erfolg – Leistung sind zweitrangig. Und JAAAAA… ich verstehe den Wunsch nach Risikooptimierung, doch wenn wir ehrlich sind fördert diese Gebühr weder die Community, noch werden die Events besser – sie ist einfach nur eine KRUX – verformt, missverstanden und vielleicht sogar mißbraucht. Ich brauche dieses Regelwerk nicht, benutze es nicht und trete trotzdem auch mal gern für Freunde für kleinere Gagen auf… denn eine Hand wäscht die andere.

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QUEERLESQUE Mag ist das Magazin für Kultur und Burlesque Lebensart aus Berlin. WIr möchten einen subjektiven Überblick über die Vielfalt der Kultur in Berlin und Deutschland vermitteln. Internationale Burlesque Events und Vaudeville Kultur stehen dabei genauso im Fokus wie Travestie und jede Art der queeren Abendunterhaltung. Seit 2006 findet ihr hier gut gemeinte Ratschläge, kulinarische Tipps und Entdeckungen aus meinem bunten Berlin :)
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